Dienstag, 25. August 2020

[Schnipseltime] Sturm über Barcelona

 

   Auf dem Heimweg kam Gale ein Einfall, der ihn gleichermaßen erregte und belustigte, und er beschloss, ihn in die Tat umzusetzen. Hierbei kam ihm zugute, dass Jesse heute „Kinderdienst“ hatte, Chase jedoch bei Lucas übernachten würde, einem seiner weniger Freunde, den Sara sicher auch zu den „Außenseitern“ zählte. Ein typischer Nerd mit Brille, Zahnspange und Interessen jenseits von Pokemon und Fußball. Denn spanische Jungs spielten natürlich Fußball. Chase und Lucas hingegen fanden Fußball doof. Chase war es zu langweilig, Lucas war zu unsportlich. Machte sie das zu schlechteren Menschen? Wohl kaum.

Gale wusste, sie hatten sich auf der Dachterrasse von Lucas‘ Haus eine Höhle aus Pappe, Wellblech und Decken gebaut, würden dort die Nacht verbringen und sich gegenseitig Gruselgeschichten erzählen. Fast schon romantisch.

„Ich habe eine Überraschung für dich“, rief er in Richtung Küche, als er nach Hause kam.

„Überraschung? Was für eine?“ Jesses Stimme klang misstrauisch, was Gale grinsen ließ.

„Gib mir fünf Minuten und komm dann ins Schlafzimmer.“

„Sex an einem kindfreien Abend ist keine Überraschung“, gab Jesse zurück und warf einen Blick auf die marinierten Steaks und das Gemüse, das er gerade auf den Grill hatte legen wollen. Na gut, dann eben Vorspeise statt Nachtisch.

Er stopfte alles zurück in den Kühlschrank, denn es war verdammt teures Zeug. Vor allem die Steaks. Dann machte er sich auf den Weg nach oben. Auf der Schwelle zum Schlafzimmer blieb er stehen und war in der Tat überrascht. Nicht, dass Gale sich nackt auf dem Bett drapiert hatte, sondern weil er um sich herum Rosen ausgebreitet hatte.

„Du hast gesagt, sollte ich mal was angestellt haben, soll ich dir Blumen schenken“, erklärte Gale mit Unschuldsmiene.

„So habe ich das nie gesagt“, korrigierte Jesse ihn mit erhobenem Zeigefinger und sah ihn streng an. „Was hast du angestellt?“

„Marisol hat mich angebaggert.“

„Das ist kein Vergehen.“ Jesse zog sich das T-Shirt über den Kopf und nestelte dann an seiner Jeans herum. Er brauchte nicht viel, um in Stimmung zu kommen. Ein Blick auf Gales Körper reichte meistens aus. Wie hingegossen lag er auf dem dunkelblauen, seidenen Laken – lecker! „Es ist höchstens eins, dass du so lange gebraucht hast, um das zu merken. Ich habe sie bloß einmal während der Befragungsaktion getroffen und gleich gesehen, dass sie dich anschmachtet.“

„Echt?“ Für Frauen hatte Gale einfach keinen Blick. Oder er war nicht empathisch genug. „Bestrafst du mich jetzt nicht?“ Gespielt schmollend schob er die Unterlippe vor.

„Das kommt darauf an.“ Jesse befreite sich von seiner Hose und trat ans Fußende des Bettes, den Blick auf Gales Erektion gerichtet. Da hatte jemand eine bestimmte Fantasie im Kopf, und Jesse wusste auch, welche es war. Manche Leute mochten es langweilig finden, ihren Partner in- und auswendig zu kennen, Jesse fand, dass es nur darauf ankam, was man daraus machte.

„Worauf?“ Aufreizend räkelte Gale sich. Es törnte ihn an, dass sein Mann einen auf coolen Macker machte und sich nicht von der Stelle rührte.

„Wo hast du die Rosen her? Die sehen nicht nach Blumenladen aus.“ Es waren nur sechs, alle in verschiedenen Farben und Größen, unsachgemäß abgeschnitten.

„Wir haben hier draußen keinen, also habe ich einen Umweg durch die Gärten genommen und sie geklaut.“ Herausfordernd sah Gale Jesse in die Augen.

„Du hast Blumen für mich geklaut, um dich dafür zu entschuldigen, dass Marisol dich angebaggert hat?“ Jesse kniete sich aufs Bett, näherte sich Gale langsam.

„Ja, das ist doch schlimm, oder?“

„Na, ich weiß nicht so recht.“ Jesse nahm eine dunkelrote, voll erblühte Rose und strich mit ihrem Kopf über Gales Haut, von der Schulter bis hinunter zum Hintern, ließ sie durch die Spalte gleiten und dann über die Hüfte zu dem erregten Schwanz. „So ein bisschen mehr Bad Boy könntest du schon sein.“

„Blumen aus Gärten klauen ist nicht Bad Boy genug?“ Gale schloss die Augen und ergab sich dem, was Jesse mit ihm anstellte. Der Duft der Rosen lag über ihnen, vermischte sich mit der Brise, die durch die offenen Terrassentür hereinwehte.

„Ehrlich gesagt – nein.“ Jesse setzte den Rosenkopf auf die Eichel und federte darüber. Ob sie den Geruch der Rose wohl annahm? Er beugte sich vor und leckte über die Spitze. Ein klein wenig. „Und Frauen zählen nicht. Das weißt du. Es sei denn, du wirst plötzlich hetero – oder wenigstens bi – und schläfst mit einer. Das wäre echt Bad Boy.“

(Sturm über Barcelona)

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