Mittwoch, 5. August 2020

[It's Cosy Crime] Fälle für Mark & Felix von Sören Prescher

 
Fälle für Mark & Felix
von Sören Prescher
"Auf den Hund gekommen: Der erste Fall für Mark & Felix" und 
"Auf kurze Distanz: Der zweite Fall für Mark & Felix"

Um welches Buch/Reihe handelt es sich? Beschreibe sie uns in möglichst wenig Worten.
In „Auf den Hund gekommen“ ist dem Nürnberger Kriminalkommissar Mark Richter nicht zum Lachen zumute. Er hat einen neuen Partner mit äußerst schlechtem Ruf zugewiesen bekommen. Auf einer Hochzeit gab es einen Mord und der einzige Augenzeuge ist ein Hund, dem jemand als Partygag eine Kamera am Halsband befestigt hat. Als er denkt, es kann nicht noch kurioser werden, stellt er fest, dass kaum jemand gut auf die Tote zu sprechen war und sich sein Partner und er vor Verdächtigen mit Motiv kaum retten können.
Welche Szenen bereiten dir mehr Spaß? Die leichten, einfachen, schönen, harmonischen oder die harten, schweren, finsteren Szenen?
Bei dieser Reihe sind es die skurrilen Szenen, die mir den meisten Spaß bereiten. All die verrückten Situationen, in die die Protagonisten geraten und die vielen lockeren Gespräche zwischendurch. Ein Großteil davon hat sich beim Schreiben spontan ergeben. Außerdem gefällt es mir, in meinen Krimis hier und da versteckte Hinweise auf die Lösung einzubauen, die den Lesern beim Miträtseln helfen sollen.
Hast du Lieblingsstellen, die du den Leser*innen gerne vorstellen würdest?
Eine sehr schöne Stelle ist Marks erste Treffen mit dem Hovawart Felix auf einer Hochzeitsfeier und wie sich Mark Gedanken über den Verbleib des Hundes macht:
„Kennt sich von euch jemand mit Hunden aus?“, hakte Mark vorsichtshalber bei den uniformierten Kollegen nach. Die Antwort, die er bekam, war überall die gleiche: Kopfschütteln.
Nichts anderes hatte er erwartet.
„Du kannst ja die Tante des Bräutigams fragen“, schlug Dominik vor.
„Ganz tolle Idee.“
„Oder du rufst die Kollegen von der Hundestaffel an. So was habt ihr in Nürnberg doch auch.“
„Hab ich auch schon überlegt. Aber das dauert mir zu lange. Da probiere ich es erst mal selbst. Hilfe anfordern kann ich später immer noch.“
„Sagte er, bevor er gebissen wurde.“ Dominik grinste frech.
„Vielen Dank, solche Kommentare sind äußerst hilfreich.“
Er atmete tief durch, um seine Nervosität zu vertreiben. Sein Herz raste, und er bekam feuchte Hände. Warum musste ausgerechnet er einen Fall wie diesen bekommen? Er, der mit Hunden nichts am Hut hatte. Die anderen Polizisten allerdings ebenso wenig.
Jammern hilft nichts, sagte er sich daher und rieb sich entschlossen die Hände. Dann ging er – wenn auch nicht übermäßig schnell – auf die Ecke des Saals zu, in der er den Vierbeiner vorhin gesehen hatte.
Felix lag noch immer auf seiner Decke, den Kopf auf den gewaltigen Pfoten ruhend. Einen Moment sah es aus, als würde er an den Krallen nagen. Er hatte dunkelbraunes, fast schwarzes Fell mit einigen blonden Flecken an Hals, Bauch und Beinen. Sein Körper war fast so groß wie der eines Schafs. War es bloß Einbildung oder wirkten seine hellbraunen Augen nach wie vor traurig? Als sie ihn erreichten, hob er nicht mal den Blick. Wahrscheinlich waren an diesem Nachmittag einfach schon zu viele Zweibeiner an ihm vorbeigelaufen. Weshalb sollte es diesmal anders sein?
Weil ein Mord passiert ist, beantwortete Mark seine eigene Frage. Er suchte die Hundeecke mit seinen Blicken sorgfältig ab. Auf dem Tisch befanden sich eine Packung mit Trockenfutter und eine lederne Hundeleine. Letzteres war wichtig. Vorsichtig griff er danach und stopfte sie in die Jackentasche, bevor er neben dem Tier auf die Knie ging. Sein Herz wummerte wie nach einer kilometerlangen Verfolgungsjagd. Die ihm im Augenblick weitaus lieber gewesen wäre.
„Hallo, Felix“, sagte er leise.
Keine Reaktion. Erst als Mark die Hand nach ihm ausstreckte, reckte er der Kopf, knurrte irritiert und schnupperte an seinem Arm. Der befürchtete Biss blieb aus. Dennoch kostete es Mark große Überwindung, den Arm nicht zurückzuziehen.
Seine Hand erreichte das Fell und streichelte es. Darunter spürte er den Herzschlag des Hundes. Erneutes Knurren, nur diesmal wohliger. Gegen ein paar Streicheleinheiten hatte eben keiner was einzuwenden. Schließlich reckte der Hund den Kopf, um an Marks Hals zu schnuppern. Nein, Halt, er begann sogar, ihm am Ohr zu lecken.
Urghhh.
Mark begann zu schwitzen. Es kostete ihn große Überwindung, den Kopf nicht abrupt zurückzureißen, sondern diese Beschnupperungsprozedur über sich ergehen zu lassen.
„Sieht gut aus“, sagte Dominik hinter ihm und wagte sich ebenfalls näher heran. Sofort fuhr die Schnauze herum und schnupperte an ihm.
Marks Erleichterung hielt bloß drei Sekunden. Dann hatte Felix genug von dem älteren Kommissar im schlechtsitzenden Anzug und wandte sich wieder ihm zu. Eine große Überraschung war es nicht.
„Du armer Kerl.“ Mit der rechten Hand strich Mark weiter über das Fell, mit der linken fischte er die Tüte mit dem Trockenfutter vom Tisch. Er schüttete einige wie Kekse aussehende Leckerlis heraus, doch die würdigte Felix keines Blickes. Irgendwie hatte Mark das bereits befürchtet.
„Wollen wir ein Stückchen gehen?“
Der Hund rührte sich nicht.
Natürlich nicht.
Ihm einfach so die Leine anzulegen und ihn mit sich zu ziehen wollte er nicht. Also stand er auf, schnalzte mit der Zunge und klopfte sich gegen den Oberschenkel.
„Das ist doch kein Pferd“, sagte Dominik, bevor er zweimal dicht hintereinander niesen musste. Es klang, als wäre irgendwo der Blitz eingeschlagen. Mehrere Gäste drehten sich um, und auch der Hund zuckte erschrocken zusammen.
Toll.
„Na komm“, ermunterte Mark den Vierbeiner. „Komm mit, ich hab da was Feines.“
Die erhoffte Reaktion ließ weiter auf sich warten. Fünf Sekunden verstrichen. Nichts passierte. Welch Wunder.
Dann eben Plan B, resignierte Mark und ging zum kalten Buffet. Vorhin hatte er gesehen, dass es fränkische Fleischküchle und Bratwürstchen gab. Die würden hoffentlich genügen, um die Fellnase zum Mitgehen zu überreden. Mit Speck fing man ja bekanntlich Mäuse. Warum nicht auch Hunde?
Die Rechnung ging auf. Schon nach der Hälfte der Strecke kam ihm Felix entgegen und ließ sich die gebratenen Köstlichkeiten bereitwillig überreichen.
Eine bizarre Gefühlsmischung überkam Mark: Erleichterung. Freude. Aber auch ein bisschen Ekel wegen der abgeschleckten Finger.
Um sich davon zu befreien, nahm er eine der Servietten vom Tisch. Was Felix offenbar so interpretierte, dass es gleich Nachschub geben würde. Das hatte Mark so zwar ursprünglich nicht im Sinn gehabt, holte jedoch gerne weitere Hacksteaks und Würstchen.
Ihren Blicken nach zu urteilen waren die Mitarbeiter des Gasthofs darüber wenig amüsiert. Das war Mark egal. Ebenso wie das erneute Niesen seines Partners und das darauffolgende krächzende Husten, das wie bei einem hundertjährigen Mann klang.
Er ging in die Knie und reichte das Essen an den hungrigen Bello weiter. Dieser knurrte vor Freude und schlang alles mit einer Hektik hinunter, als hätte er tagelang hungern müssten. Alle Achtung, fand Mark und zog die Hundeleine aus der Tasche.
Sie anzulegen klappte völlig problemlos. Felix hob nicht mal den Kopf, während er an seinem Halsband hantierte.
Phase eins war damit angeschlossen. Nun allerdings wurde es knifflig. Sein vierbeiniger Augenzeuge konnte ihm zwar nicht auf herkömmlichem Wege mitteilen, ob sich der Täter im Raum aufhielt, aber er konnte zumindest eine Art von Zeichen geben, sobald er den Mörder erkannte. Ob dieser Plan aufgehen würde, wusste er nicht, doch er wollte nichts unversucht lassen. Vielleicht hatte er ja Glück, und der Fall ließ sich schnell aufklären.
Erste Zweifel daran kamen ihm allerdings schon nach wenigen Sekunden. So als würden sie bloß zufällig dort entlanglaufen, führte Mark den Hund den Gang direkt neben den U-förmig zusammengestellten Tischen entlang. Felix folgte brav und schaute sich auch immer wieder um. Mehr allerdings nicht.
Weder fauchte oder knurrte er, noch wies er auf andere Weise auf einen Verdächtigen hin. In seiner oder Marks Gegenwart benahm sich auch niemand auffällig. Es gab kein, wie er gehofft hatte, ängstliches Zurückweichen oder dergleichen.
„Komm schon“, murmelte er, als sie in den letzten Schenkel des Us einbogen. Die Worte verhallten ungehört. Der Einzige, der wiederholt auf sich aufmerksam machte, war Dominik, der laut nieste, sich noch lauter schnäuzte und dann wieder nieste. Seine Augen hatten eine leichte Rotfärbung angenommen. Das mit der Allergie war anscheinend nicht bloß eine faule Ausrede gewesen. Auch dass er inzwischen gute fünf Meter hinter ihnen lief, half da nicht.
Noch wollte Mark den Misserfolg nicht akzeptieren. Nach dem Bankett wählte er bewusst den Weg zwischen den Gästen auf der Tanzfläche hindurch.
Einige schauten irritiert, andere amüsiert. Die Polizisten nickten zum Gruß. Mehr passierte auch hier nicht.
„So viel dazu“, resignierte er schließlich.
Dominik nieste Zustimmung. „Ich fürchte, das können wir abhaken.“
Womit er leider recht hatte.
Wenn ich deine Protagonisten, Antagonisten und Nebencharaktere fragen würde, wie würden sie dich beschreiben? 
Mark würde mich wahrscheinlich folgendermaßen beschreiben: Sören Prescher ist ein sehr energischer und zielstrebiger Autor, der immer offen für neue und interessante Projekte ist. Er ist humorvoll, aufrichtig, leicht chaotisch und kann schnell mal zum Nerd werden, wenn es um Musik, Filme und Bücher geht. Aber das ist okay, das bin ich zum Teil ja ebenfalls. Auf ihn kann man sich immer verlassen. Wenn er dir was verspricht, dann hält er das auch.
Wer hat deine Cover gestaltet? Wie kam die Idee zum Titel? Hat er sich während des Schreibprozesses verändert oder stand er seit Beginn an fest? Und bist du zu 100% zufrieden mit dem Cover/den Covern oder würdest du nachträglich gerne noch etwas ändern?
Um die Cover kümmern sich die Verlage nach Erhalt des lektorierten Manuskripts. Bei den Krimis um Mark und Felix gebe ich dem Verlag ein paar Anmerkungen, was das Motiv und die Stimmung der Geschichte betrifft, und dann macht sich die Grafikerin ans Werk. Zum Ende hin darf ich dann noch einmal meinen Senf dazugeben. Mit den bisherigen Covern bin ich sehr zufrieden.
Gibt es noch ein paar Schnipsel, die du meinen Leser*innen gerne präsentieren würdest?
Da kommen mir spontan folgende drei Schnipsel in den Sinn:

Schon Wochen vor dem großen Tag war Leon Beyer davon überzeugt gewesen, dass keiner der Anwesenden diese Hochzeitsfeier so schnell vergessen würde.

Das Klingeln seines Telefons hielt ihn von einer weiteren Antwort ab. Dankbar für die Ablenkung, schnappte er sich den Hörer. Gleich darauf wurde sein Lächeln breiter. Neue Arbeit winkte. „Wir müssen los. Auf einer Hochzeit wurde eine Frau ermordet.“

Kriminalkommissar Mark Richter ahnte Schlimmes. Statt der erhofften jungen Kollegin aus Erlangen war vorhin ein verlottert aussehender Mittvierziger im schlechtsitzenden Anzug im Präsidium erschienen und direkt im Büro des Chefs verschwunden.

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