Donnerstag, 29. Juli 2021

[Buchvorstellung einmal anders] Moro: Flucht im 24.Jahrhundert von Maxi Magga

 



Buchvorstellung einmal anders

Heute ist ein komischer Tag 😊 Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autorin Maxi Magga, aber sie kommt nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus, ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Der Abgerichtete 2“ von Maxi Magga. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie wird nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um mit mir zu reden.
Das mache ich doch gerne. So lange hat man mir die Worte zwischen den Einband gelegt, immer wieder daran herumgenörgelt, umgeschrieben, verbessert. Und immer musste ich dazu schweigen. Ich bin glücklich, dass ich endlich selbst zu Wort kommen darf.
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Und ob ich das kann. Ach so, du meinst, ich soll. Tschuldige, das ist alles noch so neu für mich. Gut. Ich bin sozusagen der neugeborene Bruder vom 1. Band „Der Abgerichtete“, aber völlig eigenständig zu lesen. Das Thema hat meine Autorin noch nicht losgelassen. Ich nehme die Leser wieder mit in das 24. Jahrhundert, in eine Welt, in der der Mensch nur nach der Kaste zählt, in die er geboren wurde, zwischen horrendem Reichtum und damit verbundener unbegrenzter Macht und absoluter Armut und Rechtlosigkeit. In die Sklaverei verkauft, wagt mein Protagonist Moro die Flucht. Aber ist es das System, das ihn immer wieder in Aussichtslosigkeit und Elend zurückstößt, oder sind es Gedankenlosigkeit, Eigensinn und Bosheit der Menschen?
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Das ist leicht zu beantworten. Meine Autorin liebt es geradezu, ihr Laptop in Tränen zu ertränken, wenn sie meinen Protagonisten Moro wieder einmal durch die Hölle gejagt hat. Das tut sie ausgiebig. Ich an ihrer Stelle hätte ihn vielleicht früher mit der Faust auf den Tisch hauen lassen. Aber was weiß denn ich schon. Ich bin ja nur das Zentrum der ganzen Schreiberei. Zugleich muss ich zugestehen, dass Maxi ein paar herzerwärmende Szenen geschildert hat. Obwohl, da heult sie ja auch schon wieder. Ich halte mich doch gerne an die schönen Dinge, die Moro erleben darf, und die Situationen mit leiser Heiterkeit. Da steckt oft viel Heute im 24. Jahrhundert.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Sicher habe ich die. Aber du glaubst doch nicht, dass spoilern werde! Soviel sei gesagt, es gibt da zwei Stellen, in denen Babys eine zentrale Rolle spielen. Und eine um ein fünfjähriges Mädchen, die direkt von Maxis Großnichte diktiert sein könnte. Und einmal geht es um eine besondere Bettwäsche. Und – nein, jetzt höre ich auf, bevor ich mich überrumpeln lasse und etwas verrate.
Weißt du wie viel Maxi tatsächlich in dir oder auch in dem einen oder anderen Charakter steckt?
Etliches. Das wird sie jetzt nicht so gerne hören, aber auch die Antagonisten lagen schließlich nicht einfach so im Osterkörbchen. Unter uns Büchern macht es die Runde, dass das für jeden von euch Menschen gelten soll.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben? 
Ich finde, wir lassen die Charaktere da lieber raus. Die machen ohnehin beim Lesen deutlich, was sie denken. Meiner Meinung nach bildet Maxi sich ein, eine Vertreterin von Moro light zu sein. Du weißt schon, ach, ist das Leben ungerecht, und so. Dabei geht es nicht darum, dass sie anderen das Recht auf Besitz absprechen würde, genauso wenig wie Moro es tut, aber dass es eben generell nicht sehr fair und friedlich zugeht. Mit den Figuren in meinem Inneren arbeitet sie ihre Frustration emotional ab. Vielleicht mag sie es aber auch einfach nur, auf dem Papier so richtig böse sein zu dürfen.
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Irgendwann hatte Maxi die Idee, sie müsste Moro, der ja bereits im ersten Band vorkommt, auf seiner Flucht aus der Sklaverei begleiten. Das war bis kurz vor Schluss auch der vorgesehene Buchtitel: Moros Flucht. Außer Maxi wollte aber keiner so recht mitziehen. Die Coverdesignerin hat letztendlich den entscheidenden Vorschlag gemacht.
Bist du zu 100% zufrieden mit deinem Cover / Outfit oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Damit Maxi einen Tobsuchtsanfall kriegt? Nein, danke. Im Ernst, ich liebe mein Outfit.
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren. 
o „Darf ich ihn behalten, Papa?“
o „Wenn Sie etwas aus Barmherzigkeit für mich tun wollen, dann töten Sie mich.“
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz zum Buch »Danke, für deine Geduld und Antworten« zuzuflüstern.

Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.

Mittwoch, 28. Juli 2021

[Buchvorstellung einmal anders] Anima - Krieg der Engel von Benjamin Lenz



Buchvorstellung einmal anders 

Heute treffe ich mich mit dem Protagonisten Pyromane, um mit ihm über das Buch „Anima – Krieg der Engel“ zu sprechen. 

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um für das Buch zu antworten. 
Keine Ursache, denke ich mal… 
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben? 
Klar. Ich bin Pyromane, ein Lychaios. Ein “gefallene Engel”, wie die da oben sagen. Ich bin 117 Jahre alt, aber das ist hier noch kein Alter. Ich habe ein Faible für Explosionen, Feuerwerk und so weiter, alles was laut und hell ist. Ich lebe im Tartarus zusammen mit meiner Gang. Hier besteht das Leben eigentlich nur aus Anarchie, Partys und Moshpits. Es gibt hier keine Regeln, cool was? Naja irgendwann bin ich Anima über den Weg gelaufen, eigentlich ist sie ja die Hauptperson, auch wenn sie ohne mich nicht weit gekommen wäre. Ich habe ihr aus der Patsche geholfen und so haben wir uns angefreundet. Sie ist ziemlich mutig, fast so mutig wie ich. Naja, bis auf meine Höhenangst vielleicht… Vielleicht sind wir beide auch gleich mutig. 
Beschreibe uns dein Buch in möglichst wenig Sätzen. 
Also… Es ist auf eine Weise ein Abenteuer aber auch ein Politthriller mit viel Gerede und so'n Kram. Krimi vielleicht, passieren ja Morde die aufgeklärt werden müssen. Ach ja und da die Menschen nicht mehr an Engel glauben auch Fantasy. Da es ums Erwachsenwerden geht auch Coming of Age… Aber keine Romanze! Anima und ich sind nur befreundet! Es ist philosophisch und irgendwas mit Soziologie also Gesellschafts…dings. Dystopisch und utopisch zugleich also sehr kontrastreich. Und natürlich vor allem spannend. 
Glaubst du macht es dem Autor mehr Spaß dich durch leichte, einfache oder schwierige, düstere Situationen zu führen? 
Wenn ich mir unsere Odyssee so angucke, glaube ich Benni sieht uns gerne schwitzen, aber wenn wir eine Aufgabe gemeistert haben, gönnt er uns auch eine Verschnaufpause. Manchmal zumindest. 
Hast du eine Lieblingsstelle im Buch? 
Ja, als ich Anima meiner Clique vorgestellt habe und wir gemeinsam plaudern, das war echt schön. - Wenn ich da schon wüsste, was auf uns zukäme, wäre ich zu dem Zeitpunkt wohl kaum so ruhig gewesen. Anima hat an dieser Stelle zum ersten Mal eine Gruppe gefunden, wo sie sich zuhause fühlt. Das ist schon ein ganz besonderer Moment. 
Was glaubst du, wie viel Benjamin steckt in dem Buch oder dem ein oder anderen Charakter? 
Ich glaube Benni wäre gerne so wie ich. Ich denke er hat viele Gedanken und Fragen in das Buch eingearbeitet, die er selbst nicht beantworten kann und vielleicht steckt in ihm auch ein bisschen was von Anima und er sucht wie sie noch nach seinem Platz in der Welt. 
Wie würdest du deinen Autor beschreiben? 
Ambivalent vielleicht. Er kann sich nicht entscheiden, ob er die Welt lieben oder hassen will. Ich denke aber er liebt die Welt eher und sein Buch ist ein Liebesbrief an diese unperfekte Welt. Der Wunsch, dass man sie nicht aufgibt, oder dass SIE sich nicht aufgibt. Vielleicht schreibt er deswegen Bücher, Anima hat mal gesagt “Die Feder ist mächtiger als das Schwert”. Und ich glaube er ist ziemlich von sich überzeugt und macht sein eigenes Ding. Er würde auch schreiben, wenns Niemand lesen würde. Und er hält sich für ziemlich schlau, allein schon was er für Wörter benutzt in der Geschichte… Klugscheißer. 
Weißt du, wie es zu dem Titel kam? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Lauf des Schreibprozesses verändert? Hattest du vielleicht sogar Mitspracherecht? 
“ANIMA” war der Arbeitstitel, war ja auch ziemlich naheliegend. Dann wollte sich Benni glaub ich nicht mehr davon trennen, aber ANIMA alleine reichte wohl nicht, weil man nicht wusste worum es geht deswegen kam der Zusatz “Krieg der Engel” auch, wenn es streng genommen ja nur ein kalter Krieg ist. 
Gefällt dir das Cover zu 100% oder hättest du einen anderen Wunsch oder Vorstellungen gehabt? 
Beim Cover kann man ja richtig neidisch werden. Das wurde nicht mal eben mit Bildern aus dem Internet gemacht, sondern mit einer eigens angefertigten Zeichnung! Die Illustratorin hat übrigens auch zahlreiche Skizzen erstellt, die die Seiten zieren. Und Anima ist echt gut getroffen, und dann erst diese Pose… Natürlich wäre es schön, wenn ich auch auf dem Cover abgebildet wäre, ich bin schließlich der beste Freund der Hauptfigur, aber der Autor zieht ja schlichte Cover vor. So ist das eben… 
Was ist dein Lieblingszitat aus dem Buch? 
Das ist schwer zu sagen… Gibt ja so viele gute… “Kunst liegt im Auge des Betrachters”, “Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist ein Sklave”, “Liebe ist das, was das Leben lebenswert macht”... Wenn ich mich entscheiden muss, dann sag ich: “Man hasst, wovor man Angst hat und man fürchtet, was man nicht kennt.“ Das beschreibt den Konflikt zwischen unseren Völkern ganz gut und passt auch in die Menschenwelt… 
Danke für das Gespräch. 
Bitte, oder was man auch immer bei euch sagt.

Dienstag, 27. Juli 2021

[Rezension] Liebe kennt kein Handicap (Hamburg 2) von Elisa Schwarz

 




Das Buch "Liebe kennt kein Handicap (Hamburg 2)" wurde von Elisa Schwarz verfasst und erschien 2021.

Der Autorin gelingt es uns auf einen Weg mitzunehmen, der alles andere als einfach ist. Nathan ist unheilbar krank, lebt aber so gut als ihm möglich. Seine Positivität greift auch auf den Leser über und man kann sich in alle Höhen und Tiefen hineinfühlen. Devin erscheint zu Beginn ganz anders und entwickelt sich. Es gibt auch Treffen mit alten Bekannten, die die Geschichte ebenfalls wieder auflockern und einem den Weg noch begreiflicher machen.
Die Wortwahl und der Schreibstil waren perfekt und man konnte sich der Geschichte nicht entziehen. Die Spannung und auch die Form wie sie erzählt wurde, machte es zu einem Erlebnis. Man konnte mit den Protagonisten lachen, weinen, fürchten, ärgern und auf jeden Fall eine schöne Zeit erleben.

Jeder, der gerne Gay-Romance mit Tiefgang liest, sollte auf jeden Fall auch zu diesem Buch greifen.
100%ige Kauf- und Leseempfehlung

[Autoreninterview] Benjamin Lenz

Autoreninterview
Benjamin Lenz

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Ich bin Benjamin Lenz, Schauspieler und, wie ihr euch sicherlich denken könnt, auch angehender Autor. Ich interessiere mich sehr für Politik und Philosophie und ich glaube, dass man das auch merkt, wenn man sich meine Projekte anschaut. Das heißt aber nicht, dass ich ein ernster Mensch bin, im Gegenteil. Humor zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben, wenn auch vielleicht ein etwas eigentümlicher.
Wie bist du zum Schreiben gekommen? 
Mit 7. Ich wollte immer Menschen (vornehmlich mussten meine Eltern dafür herhalten) unterhalten und habe mir kleine Geschichten ausgedacht. Als sie auch mal ihre Ruhe wollten, mein Output aber nicht kleiner wurde, musste ich aufs Papier umsteigen. Mit 7 habe ich dann mein erstes Buch fertig gestellt über Piraten, mit eigenen Illustrationen… Spannungsbogen wie ein Sägeblatt. 
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
1. “Hüter der Zeit” Mit mysteriösen Uhren kann man durch die Zeit reisen und so ein makelloses Leben führen, denn gemäß dem Schmetterlingseffekt kann der Zeitreisende alles, was er als negativ empfindet, verhindern. Diese geheime Fähigkeit bringt allerdings nicht nur Vorteile mit sich… 
2. “Zeitspiel” Eine an “Hüter der Zeit” angelehnte INTERAKTIVE Geschichte. 
3. “BLICKWINKEL” Eine Coming-of-Age-Geschichte über ein blindes Mädchen, dass ihr altes Leben verliert und sich in einer neuen Welt zurechtfinden muss, in einer fremden Stadt mit fremden Menschen und sogar einem fremden Blindenhund. 
4. “ANIMA- Krieg der Engel” Durch eine intrigante Verschwörung droht ein fragiler Frieden zwischen zwei unterschiedlichen Engelvölkern zu zerbrechen und ein Krieg zu entbrennen. Die Hoffnung ruht allein auf einer Außenseiterin, die in eine gefährliche Mission hineingezogen wird. 
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
An keinem Buch, aber mehreren anderen künstlerischen Projekten. 
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Einen Spaziergang im Grünen mit einem Hörbuch auf den Ohren. 
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ich bin ein großer Ferdinand-von-Schirach-Fan und im internationalen Bereich verschlinge ich am meisten die Dan-Brown-Romane. 
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Schreiben tue ich meist im stillen Kämmerlein am Schreibtisch, aber zur Inspiration und Ideenentwicklung habe ich mir jüngst in unserem Garten eine grüne Ecke eingerichtet, wie ein Wohnzimmer, nur draußen. Das letzte Projekt hat da bei Vogelgezwitscher und Sonnenschein auch seinen Ursprung gefunden, vielleicht merkt man das ja auch in der einen oder anderen Beschreibung im Buch… 
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen? 
Da gerade meine letzten Ferien vor der Berufswelt sind, relativ entspannt. Ich starte gemütlich in den Tag eigentlich immer mit einem Hörbuch oder einem Podcast zum Frühstück und teile meine Schreibarbeit über den Tag auf, mit vielen Pausen, in denen ich schon was zu tun finde. Wenn ich mein Pensum erreicht habe (momentan ist mein Anspruch mindestens zwei DIN A 4 Seiten auszuformulieren) gönne ich mir einen schönen Abend entweder mit einem Spaziergang oder einem gemütlichen Fernsehabend. 
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben? 
Ich lese und schreibe am liebsten Thriller oder Abenteuer, schreibe aber zusätzlich auch gerne alltägliche Geschichten, bei denen es nicht darum geht die Welt zu retten, also am ehesten Coming of Age. Ich bin mir allerdings beim Schreiben häufig gar nicht darüber im Klaren, welches Genre ich gerade bediene. 
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt? 
Ein Zitat, dass mich sehr begleitet ist, wie könnte es anders sein: “Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler.“ von Shakespeare, allerdings sehe ich das aus einer sehr sozialwissenschaftlichen Sicht. Man könnte auch in Kleists Worten sagen: “Die Notwendigkeit eine Rolle zu spielen [...] macht mir jede Gesellschaft lästig. Froh kann ich nur in meiner eigenen Gesellschaft sein, weil ich da ganz wahr sein darf.” 
Aus meinem Buch fällt mir spontan der Satz ein “Schlimmer als die Dummheit selbst ist es diese nicht zu erkennen.” Was bedeutet, dass ich versuche mir meines eigenen Unwissens bewusst zu sein. 
Hast du ein Lieblingsland und warum? 
Ne, nicht so wirklich. 
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um? 
Ich brauche keine Kritik, denn ich bin unfehlbar. Ne Spaß, ich höre mir gerne Kritik an, ob ich sie umsetze ist aber eine andere Frage, denn ich habe meist eine wenig kompromissbereite Vision. 
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen? 
Um ehrlich zu sein, habe ich noch nicht die Energie aufbringen können und wollen den Aufwand einer Verlagsveröffentlichung in Kauf zu nehmen, da das Schreiben nur ein Hobby ist und sicherlich auch bleiben wird. Da ist das kostenfreie Hochladen auf Wattpad die bequemste Alternative. 
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest? 
Vielleicht, dass man nicht vergessen sollte wertzuschätzen. Genauso wie es nicht in jeder Geschichte um die Rettung der Welt gehen muss, um unterhaltsam und berührend zu sein, müssen wir nicht auf das große Wunder warten um glücklich zu sein. Das Glück verbirgt sich, wenn man genau hinsieht auch in den kleinen Momenten, die vielleicht gar nicht so bedeutsam scheinen, man muss sie nur wertschätzen.

Montag, 26. Juli 2021

[Schnipseltime] Feueratem - Drachen über Linz von Cornelia Eder

 


***

Der Anblick dieser erhabenen Steinmassen hat sich in ihr Gedächtnis gebrannt. Unendliche Freiheit. Ein wohliges Gefühl machte sich in Elen breit, als sie das erste Mal das Massiv in vollem Ausmaß sah. Diese Schönheit, die Mutter Erde geschaffen hat, saftiges Grün der Bäume im Kontrast zu dem schroffen Grau der Felsen. Am liebsten würde sie für immer am Fuße dieser Berge leben, um sich jeden Tag an dem Ausblick zu laben. Wer weiß, was sich nach der Schlacht ergibt. Vielleicht kann sie sich von den Avantgardisten befreien und hier ein neues Leben beginnen. Dann könnte sie regelmäßig durch die Berge wandern.

 ***

Elen schließt die Augen, spürt den Boden unter ihr, die feinen Steine, die gegen die dünne Schuhsohle drücken und Drayas glatte Haut unter ihren Fingern. Der ihr unbekannte Geruch fiel ihr bereits beim Betreten der Höhle auf. Jetzt nimmt sie ihn bewusster wahr. Er umfängt sie, spielt mit ihren Geruchsrezeptoren und verankert sich in ihrem Gehirn. Ein Gefühl von Sicherheit ergreift von ihr Besitz. Elen spürt es, ganz tief in ihr: Hier ist der Ort, der für sie bestimmt ist.

 ***

»Das sind Librarios. Sie erneuern die Schriftstücke oder übersetzen sie aus alten Sprachen. Ihr Zugang zu den geheimsten Dokumenten unserer Gemeinschaft macht sie zu den Mächtigsten unter uns. Früher wurden ihnen nach dem Ableisten ihres Eides die Zungen herausgeschnitten, damit sie mit niemandem über ihr Wissen sprechen konnten.«

*** 

Mist, er hat vollkommen verdrängt, wie spärlich dieser Raum eingerichtet ist. So kann er keinen Eindruck bei ihr schinden. Sie ist sicherlich Besseres gewohnt. Wäre ihm doch eine vorzeigbarere Alternative eingefallen! Jetzt ist es für diese Erkenntnis zu spät.

 ***

Schon wieder sie. Hat er nicht einmal Ruhe von ihr? Einen einzigen Moment für sich? Er wird wegen ihr ein Magengeschwür bekommen. »Ich brauche niemanden. Ich bin ein perfekter Einzelkämpfer. Du bist nur ein Klotz an meinem Bein, ein unerwünschtes Furunkel. Du bist total wahnsinnig und mit so jemandem soll ich zusammenarbeiten?!« Endlich hat er diesem Weibsbild einmal ordentlich seine Meinung gegeigt. Zu lange hat er damit gewartet. Maurice richtet sich zu seiner vollen Größe auf und sieht Schmerz in ihren Augen aufflackern. Aber er ist zu stolz, um ihr Leid an sich heranzulassen.

 ***

Berge erstrecken sich vor ihnen wie Finger der Erde, die den Himmel berühren. Einzelne sind so hoch, dass selbst jetzt, kurz vor Sommerbeginn, ihre Gipfel schneebedeckt sind.

 ***

»Da gibt es die Miru. Sie nennen sich Menschen. Allerdings wissen sie nichts von dem, was sich um sie herum und vor allem unter ihnen abspielt. Sie sind zu sehr mit sich beschäftigt, um selbst klare Zeichen zu erkennen. Ihre Fähigkeit, Dinge zu ignorieren, ist fast bemerkenswert. Doch diese ist bei ihren unterentwickelten Sinnen nötig. Im Grunde sind sie Knechte ihrer Körper, die rasch an Grenzen stoßen. Wir Protectoren haben schärfere Sinne und werden erheblich älter als die Miru. Unsere Gemeinschaft geht zurück bis in die Entstehungsgeschichte der Menschheit, als die Drachen noch auf der Erdoberfläche lebten.«

 ***

Sie verschluckt sich und spuckt den Tee in einer Fontäne wieder aus. Entgeistert starrt sie Joshua an. »Entschuldige, ich glaube, ich habe dich eben falsch verstanden.«

 ***

Wenngleich die Zeichnung die rohe Gewalt und Kraft des Drachen nicht so widerspiegelt wie das Schwarz-Weiß-Bild, zeigen sich klar Parallelen. Der massige Körper, der spitz zulaufende Kopf, die großen Flügel mit Falten und Löchern darin.

 ***

»Warum sollen wir uns verstecken? Ich habe keine Angst vor der Gemeinschaft und vor den Miru sowieso nicht.« Obwohl sich Maurice vorgenommen hat zu schweigen, ließen sich die Worte nicht zurückhalten.

 ***

»In dreißig Minuten reisen wir ab. Leichtes Gepäck. Du brauchst keinen Lippenstift oder dergleichen.«

 ***

Um den Frosch in seinem Hals zu vertreiben, räuspert sich Joshua. Er strafft die Schultern und spürt sofort die Wirkung im Raum. Um ihn herum wird es ruhiger. In diese Stille spricht er seine Gedanken laut aus: »Wir müssen evakuieren.«

[Buchvorstellung einmal anders] Feueratem - Drachen über Linz von Cornelia Eder




Buchvorstellung einmal anders


Heute ist ein komischer Tag 😊 Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autorin Cornelia Eder, aber sie kommt nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus, ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Feueratem – Drachen über Linz“ von Cornelia Eder. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie wird nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um mit mir zu reden.
Hallo, gerne. Ich liebe es, mich mit anderen zu unterhalten (die nicht unbedingt meine Autorin sind). Es freut mich, dass du dir die Zeit für mich nimmst. Hast du Angst vor Drachen. Ich hoffe nicht. Im Grunde sind sie ja lieb, aber vor den Avantgardisten – vor denen, also da müssen wir uns in Acht nehmen.
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Ja, klar. Hallo liebe Leser! Ich bin Feueratem – Drachen über Linz. Hier geht es heiß her. Und damit meine ich nicht nur die Drachen, die Linz bedrohen. Sondern auch das Knistern zwischen … Moment einmal, ich will nicht spoilern.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Im Grund ist Cornelia eine umgängliche Autorin. Meistens jedenfalls. Ich muss ja zugeben, dass mir die Vergleichsmöglichkeiten etwas fehlen. Aber ich bin mir sicher, ich und auch die Charaktere hätten es schlimmer treffen können. Manches Mal lässt sie ihre Leute aber ordentlich leiden und ein anderes Mal könnte sie den Charakteren noch etwas Zeit geben, doch da bricht sie dann ab. Also wirklich. Da denke ich, jetzt wird es spannend und was macht sie.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Da müsste ich jetzt sagen, klapp mich vorne auf und schau dir jede Seite an. Ich bin wunderschön und voll mit lauter tollen Szenen.
Besonders gut gefällt mir die schöne Landschaft des Salzkammerguts. Das sind die Szenen in den Bergen. Wunderschön hier, aber wem erzähle ich das?
Weißt du wie viel Cornelia tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt?
Ui, du hast aber anspruchsvolle Fragen. Ich denke, dass Cornelia in den Charakteren kaum vorkommt. Sie ist ja doch etwas älter als sie. Am ehesten hat sie etwas mit Rahel gemein. Ja, das würde gut passen. Fürsorglich, weise, aber bei weitem nicht so alt wie Rahel.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Buch: Also ich finde, sie ist klasse. Sie hat sich große Mühe mit uns gegeben. Allein die Arbeit am Lektorat, also puh. Hut ab – oder wie ich zu sagen pflege: Buchdeckel hoch.
Joshua: Da kann ich nur zustimmen, so viel Geduld und Unterstützung. Trotz meiner fragwürdigen Herkunft hat sie mich wunderbar begleitet.
Maurice: Klar, dass das Weichei wieder zustimmt. Ich finde, sie hat total verk….
Ein Fauchen aus dem Hintergrund lässt Maurice zusammenzucken.
Maurice: Was heißt hier zusammenzucken. Ich bin nur nicht lebensmüde, wenn die Biester mich grillen wollen, also darauf habe ich keinen Bock.
Elen: Maurice, sie sind doch keine Biester, sondern wunderschöne Geschöpfe. Schade eigentlich, dass die Menschen sie nie zu Gesicht bekommen.
Maurice (lacht hämisch): Das dauert nicht mehr lange.
Esther: Ich bin Cornelia dankbar. Sie hat mir durch eine sehr schwierige Zeit geführt und mir gezeigt, wie wunderschön das Leben ist. Dank ihr habe ich Joshua kennen gelernt und …
Buch: Kein Spoilern!
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Also beim Arbeitstitel war von vornherein klar, der kann es nicht bleiben. Mehrere Bücher und sogar ein Film mit Tom Hanks heißen so. Doch mit der Titelsuche ließ sich unsere liebe Autorin Zeit. Erst nach Abschluss des Lektorats bekam ich den wunderschönen Namen. Er entstand in einem Brainstorming mit ihrem Mann und unserer Lektorin. Zuerst standen einige zur Auswahl und sie haben sich gemeinsam rangetastet. Die endgültige Entscheidung musste Cornelia jedoch allein treffen. (Hinter vorgehaltener Hand: So ganz unter uns: Sie hasst es, Entscheidungen treffen zu müssen.)
Bist du zu 100% zufrieden mit deinem Cover / Outfit oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Sieh mich doch an. Marie Graßhoff hat das wunderbar gemacht. Die hat vielleicht Talent. Ohne mich gelesen zu haben, den Inhalt von diesen vielen Worten in ein Bild zu bringen. Ich bin definitiv und absolut zufrieden.
Kannst du uns vielleicht auch schon verraten, ob die Autorin viele echte Plätze eingebaut hat oder ob die Orte im Buch der Fantasie entspringen?
Definitiv spiele ich in der echten Welt. Linz als Landeshauptstadt, die malerische Bergwelt des Salzkammerguts, die Hafenstadt Hamburg kommen alle namentlich vor. Die Handlung entspringt jedoch der Fantasie … oder doch nicht? Wer weiß das schon so genau?
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren. 
Die Menschen denken, es gibt sie nicht. Die Menschen stempeln sie als Hirngespinste fantasiereicher Leute ab. Doch leben sie mitten unter uns, wenige Meter trennt sie von der Erdoberfläche. Die meiste Zeit schlafen sie, doch wenn sie erwachen, dann Gnade uns Gott. Die Welt stünde in Flammen, ein Inferno würde über uns hereinbrechen, die Welt stünde in Flammen.
Maurice schafft es, die Drachen wunderbar zu beschreiben (Aber verrate ihm nicht, dass ich das gesagt habe. So etwas steigt ihm rasch zu Kopf.)
Die Biester, in der Höhle hinter dem Tor, nehmen jedwede Art von Unruhe wahr, sogar bevor man sich selbst dieses Gefühls gewahr wird. Und ihre Augen – größer als die Hände eines erwachsenen Mannes – beobachten stets wachsam ihre Umgebung. Keine Regung, und sei sie noch so klein, bleibt ihnen verborgen.
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz zum Buch »Danke, für deine Geduld und Antworten« zuzuflüstern.
Gerne doch und noch viel Spaß mit mir. Vorsicht beim Umblättern ich bin kitzlig, nicht, dass ich in Flammen aufgehe.
Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.

Sonntag, 25. Juli 2021

[Rezension] Espoir heißt Hoffnung (Hamburg 1) von Elisa Schwarz

 




Das Buch "Espoir heißt Hoffnung (Hamburg 1)" wurde von Elisa Schwarz verfasst und erschien 2018.

Die Autorin nimmt uns um in eine Welt der Reichen und Schönen mit. Der Charakter Severin von Hohenkamp ist Erbe der Hohenkamp AG und besitzt nur ein florierendes Unternehmen, sondern auch viel Geld und seine Ideale, die er um jeden Preis umsetzen will. Zu Beginn scheint er unnahbar und als ob er nur Nathan Klingsklee vertraut. Doch auf einer Feier trifft er Enno von Dewitz, dessen Eltern vor einigen Jahren ebenfalls zu den gut betuchten Unternehmern gehörten. Enno ist zu Anfang eher zurückhaltend, ja sogar abweisend gegenüber Severin. Die beiden treffen sich immer öfter auf Veranstaltungen, doch Enno bleibt seinen Überzeugungen treu.
Die Wortwahl und der Sprachstil sind toll gewählt. Man liest das Buch extrem schnell. Anzumerken sind, dass oft auch ganze Sätze auf Französisch gesagt werden, was allerdings kein Problem darstellt. Der Lesefluss ich gegeben, das Buch spannend und man fühlt mit den Protagonisten mit, ob es nun zu einem Happy End kommt oder nicht. Die beiden schenken sich nichts, Beide stehen für ihre Ideale und Ziele ein und übersehen so manches. Auch die Nebencharaktere sind sehr gut gewählt und es gibt zwei, wo sich der Leser wünscht, mehr darüber zu erfahren. Nathan und Jochen.
Zu erwähnen ist auch, dass die Autorin nicht vor schwierigen Themen, wie Umweltschutz, Alkoholismus, zurückschreckt. Sie baut diese Themen super in das Buch einfließen.

Jeder, der spannende Gay-Romance Geschichten, mit Tiefgang und auch schwierigen Themen gerne liest, kommt hier auf seine Kosten.
100%ige Kauf- und Leseempfehlung.

Samstag, 24. Juli 2021

[Rezension] Mach mir'n Kind von Melanie Amélie Opalka

 



Das Buch "Mach mir'n Kind" wurde von Melanie Amélie Opalka verfasst und erschien 2020.

Die Autorin nimmt uns mit auf den humorvollen, steinigen Weg zum ersten Kind. Die Protagonisten und auch ihre Nebendarsteller sowie die Handlungsschauplätze wurden sehr gut und detailreich dargestellt und wiedergegeben.
Die Wortwahl und der Sprachstil sind der Geschichte sehr zuträglich und es machte Spaß den Papa auf seinem Weg zu begleiten. Aus seiner Sicht wurde das ganze Buch geschrieben.

Jeder, der eine witzige Geschichte über das Kinder kriegen mit Hindernissen lesen will, wird mit dieser Story seine hellste Freude haben.

[Schnipseltime] Die stärkste Macht der Welt von Eva D. Black

 


(…)

„Shit“, kommentiert Lea augenrollend die Tatsache, dass der eben noch freie Strafbock schon wieder belegt ist. Als wir uns von Claudia und Andi verabschiedet haben, hat ein anderes Paar die Chance genutzt.

„Wir nehmen den Sklavenstuhl.“ Energisch schiebe ich sie in die Richtung des anvisierten Ziels, ehe uns erneut jemand zuvorkommen kann. „Setz dich!“

„Perfekt! Mit Blick auf den Bock. Dann kann ich ein bisschen zuschauen“, freut sie sich.

„Das glaubst auch nur du“, murmele ich und bemerke wohlwollend, wie sie mir, allein durch diese Aussage und den veränderten Tonfall, augenblicklich ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt.

Noch während ich ihre Hände hinter der hohen Stuhllehne zusammenbinde, hat sie offensichtlich nicht nur den Strafbock, sondern auch alle anderen um uns herum voll und ganz ausgeblendet. Ergeben senkt sie den Kopf. Auch mein Fokus ist auf sie gerichtet, als gäbe es nur noch uns beide. Sämtliche Geräusche im Hintergrund verschmelzen zu einem gleichmäßigen, beinahe beruhigenden Rauschen, das uns dezent umhüllt.

Der kurze Rock ihres Kleidchens ist durch die weit gespreizte Position auf der geteilten Sitzfläche komplett nach oben gerutscht. Es dürfte klar sein, dass sie die Beine dort zu lassen hat, also mache ich mir gar nicht erst die Mühe, sie ebenfalls zu fixieren. Sie wird sich ohne meine Erlaubnis nicht vom Fleck bewegen.

Mit einem einzigen kräftigen Ruck versenke ich den String noch tiefer in ihrer triefenden Spalte, was sie kurz aufstöhnen lässt. So, jetzt muss ich nur noch ihre geilen Brüste aus der Korsage befreien. Wow, was für ein Bild.

Zum Glück hat Lea nicht darauf bestanden, dass ich ihr das Ding genauso eng schnüre wie die Verkäuferin am Nachmittag, denn das hätte sie unmöglich den ganzen Abend durchgehalten. Dennoch wird sie in eine sehr aufrechte Haltung gezwungen, wodurch ihre Brüste bestens zur Geltung kommen.

Obwohl ich mir denken kann, wie stark ihr die letzte Nacht noch in den Knochen, oder in diesem Fall in den Nippeln, steckt, packe ich zu und ziehe kräftig daran. Jetzt hat sie jegliche Abwehr- und Jammerhaltung abgelegt. So ausgeliefert kann sie sich mir endlich uneingeschränkt hingeben. Sehr schön!

Mit leerem Blick starrt sie auf meine Hände, die weiterhin unbarmherzig ihre Nippel quetschen, und scheint doch durch sie hindurchzusehen. Ein eintöniges, leises Seufzen dringt aus ihrer Kehle, als ich den eisernen Griff löse, nur um gleich darauf zwei Klemmen an ihren Brustwarzen zu platzieren, an deren Ende sich jeweils ein kleiner Haken befindet. Aus der Spielzeugtasche, die geöffnet neben Lea auf dem Boden liegt, nehme ich ein Leder- und ein Silikonpaddel heraus und behänge jeweils einen ihrer Nippel damit. In einer Mischung aus Verzweiflung und Geilheit stiert sie auf die langgezogenen Brüste.

Hochzufrieden mit dem Resultat, trete ich einen Schritt zurück und sehe sie abschätzend an.

Keuchend hebt sie den Kopf und richtet haltsuchend ihren Blick auf mich. Aus ihren großen Augen strahlt dieses unbändige Leuchten, das mich jedes Mal aufs Neue fasziniert. Ihr Ausdruck ist ernst, auf den Schmerz konzentriert, aber auch auf mich. Und auf sich selbst.

Ich kann nicht genug bekommen, könnte ihr stundenlang einfach nur zusehen, wie sie mit den Empfindungen kämpft, die sie durchfluten und die ich auslösen durfte. Nebenbei genieße ich es, sie hier allen so zu präsentieren. Sie so vorzuführen. Und sie scheint es ebenfalls zu genießen, ist völlig gefangen im Moment. Gefangen in meinem Blick. Lea liebt es, meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben. Und die hat sie. Wohlverdient. Ihr bedingungsloses Vertrauen ehrt mich und erfüllt mich mit Stolz.

Nur durch sie kann ich sein, wie ich bin.

Doch bevor es hier zu harmonisch wird, kümmere ich mich ein bisschen um Leas Oberschenkel. Die haben heute noch gar nichts abbekommen und sehen, mal abgesehen von ein paar violetten Striemen von gestern, beinahe unversehrt aus. Ohne den Blick von ihr abzuwenden, löse ich den Karabiner der Hundepeitsche vom Hosenbund und lasse ihn zunächst sanft auf Leas Schenkel treffen. Obwohl das vordere Ende nur leicht herabfällt, hinterlässt das Leder bereits bei diesen angedeuteten Schlägen schöne rote Streifen auf ihrer Haut. Sie gibt keinen Mucks von sich. Noch nicht!

Langsam steigere ich Intensität und Rhythmus. Links, rechts. Links, rechts, treffen die Hiebe auf, vom gleichmäßigen Lärmpegel um uns herum fast vollständig verschluckt.

Ja, allmählich bekomme ich eine Reaktion. Leas Atmung wird flacher und ihre Gesichtszüge härter. Tapfer beißt sie die Zähne zusammen. Jetzt tut es wohl schon etwas weh. Es zuckt verdächtig in ihren Muskeln, doch sie zwingt sich dazu, die Beine gespreizt zu lassen. Das würde ich ihr auch geraten haben.

Lea sucht meinen Blickkontakt, braucht ihn, um weiterhin durchhalten zu können. Ich halte sie mit meinem Blick, während die Hiebe in monotonem Rhythmus unausweichlich auf sie niederprasseln.

Aus den Augenwinkeln nehme ich wahr, dass uns einige Paare beobachten. Ob sie die besondere Stimmung zwischen uns bemerken? Kann man die Verbundenheit spüren? Den Zauber wahrnehmen, der uns umhüllt?

Auch wenn ich niemanden bewusst registriere, es gefällt mir, Zuschauer zu haben. Es puscht mich, und ich hole noch etwas fester aus.

Lea reagiert sofort darauf, stöhnt langgezogen, und kneift die Augen zusammen.

O nein, meine Liebe, nicht verkriechen. So leicht mache ich es dir nicht.

Kurzentschlossen lasse ich die Peitsche sinken und gehe vor ihr in die Hocke. Meine Unterarme stütze ich auf ihrem Bein ab.

„War da nicht noch etwas abzurechnen?“, will ich leise wissen, nachdem sie die Augen geöffnet hat und mich fragend ansieht.

Sie braucht eine Weile, bis die Worte wirklich zu ihr durchdringen. Man kann förmlich sehen, wie es in ihrem kleinen hübschen Kopf arbeitet. Sicherlich fragt sie sich fieberhaft, was sie schon wieder angestellt haben könnte, nachdem ich sie erst gestern nach allen Regeln der Kunst verdroschen habe.

„Ähm, nicht dass ich wüsste“, stottert sie verständnislos.

Spöttisch kräusle ich die Lippen über ihr lückenhaftes Gedächtnis. „Wenn ich mich recht entsinne, war da ein Arschloch, ein Drecksack, noch ein Arsch und ein Mistkerl“, erinnere ich sie an die Situation im Apartment, als sie so dringend pinkeln musste.

„Das war unter Foltereinfluss. Das kannst du mir doch nicht vorwerfen“, empört sie sich.

Es macht mich so unsagbar geil, sie so ausgeliefert vor mir zu haben und immer mehr in die Enge zu treiben. „Klar kann ich.“ Ohne weitere Diskussion richte ich mich auf und lasse die Peitsche voll auf ihren rechten Oberschenkel knallen.

(…)

[Buchvorstellung einmal anders] Die stärkste Macht der Welt von Eva D. Black



Buchvorstellung einmal anders

Heute treffe ich mich mit dem Protagonisten David aus „Die stärkste Macht der Welt“ und dessen Autorin Eva D. Black.

Claudia: Hallo, danke, dass ihr heute Zeit habt und für das Buch antwortet. Würdet ihr euch vielleicht gegenseitig beim Interview unterstützen?
Eva: Klar, das machen wir.
David: … verkneift sich einen Kommentar, zuckt mit den Schultern und nickt.
Claudia: Es wäre schön, wenn du dich meinen Lesern vorstellen könntest, damit sie wissen mit wem sie es zu tun haben.
Eva: Ich benutze für meine Bücher zwar ein Pseudonym, „Eva“ ist aber mein realer Name. Seit fast 20 Jahren bin ich glücklich verheiratet, und ich lebe mit meiner Familie in Süddeutschland. Das Schreiben ist mein Hobby und meine Leidenschaft. Genau wie meine Protagonistin Lea arbeite ich mit Pferden und reite auch in meiner Freizeit gern. Das ist ein schöner Ausgleich zur Schreiberei.
David: Ich bin Leas Mann, zugleich auch ihr Dom. Ja, ich bin dominant und sadistisch, in Lea habe ich den idealen Gegenpol gefunden, sie ist devot und maso. Es ist uns beiden wichtig, unsere Neigungen dauerhaft ausleben zu können – als Lebensweise und nicht nur im Schlafzimmer.
Ich leite eine kleine Werbeagentur, in der ich Lea vor vielen Jahren kennengelernt habe. Wir leben mit unseren beiden Kindern in der Nähe von Köln.
Claudia: Könnt ihr uns das Buch in möglichst wenig Sätzen beschreiben?
David: Das überlasse ich der Autorin. Ich kann nur sagen, dass ich mich in allem, was sie uns erleben lässt, zu einhundert Prozent wiederfinde.
Eva: Danke, David. Hierzu möchte ich euch den Klappentext zeigen:
„Liebe ist die stärkste Macht der Welt,
und doch ist sie die demütigste,
die man sich vorstellen kann.“
(Mahatma Gandhi)
Nach außen hin sind David und Lea ein gewöhnliches Ehepaar. Kaum jemand weiß von ihren versteckten Regeln im Familienalltag, den intensiven Sessions oder all den sinnlichen und bizarren Momenten, die sie auf BDSM-Partys erleben.
Lea liebt es, sich David unterzuordnen. Sie zieht unheimlich viel Kraft aus seiner Stärke und Dominanz. David hingegen braucht und schätzt Leas Hingabe und die Bereitschaft, ihm die Führung zu überlassen. Doch auch in einer solch besonderen Beziehung läuft nicht immer alles nach Plan. Beruflicher Stress und ungeahnte Zwischenfälle bringen ihre Welt gewaltig ins Wanken. Das Vertrauen zueinander, das Feuer der Leidenschaft, die tiefe Verbundenheit – all das wird auf eine harte Probe gestellt.
Ist die Macht der Liebe am Ende stark genug?
Claudia: Macht es dir Spaß, deine Protagonisten ein wenig zu quälen? Sie in Situationen hineinzuwerfen, die schwierig sind? Warum nicht einfach und schön? Müssen Gefahren und Stolpersteine immer sein? Und wie gehst du als Charakter mit den Situationen um?
Eva: Die „Qualen“, die Lea erlebt, empfindet sie selbst meisten nicht wirklich als Qual. Ich kann mir gut vorstellen, dass für Außenstehende der SM-Szene manche Situationen zu hart und nicht mehr nachvollziehbar sind. Fakt ist aber, dass BDSM immer einvernehmlich ist. Manchmal ist hier der Rahmen sehr weit gesteckt, aber auch das ist gewollt und abgesprochen. Alles, was in den Sessions geschieht, ist also in meinen Augen nicht wirklich ein „Quälen“ im negativen Sinne. Denn Lea liebt diese „Qual“.
Dennoch müssen meines Erachtens zusätzliche Stolpersteine durchaus sein. Ein Buch würde ohne Konflikte einfach zu langweilig werden.
David: Bezüglich der Qualen stimme ich der Autorin zu. Ich liebe es, Lea zu quälen. Sie an ihre Grenzen zu führen und auch darüber hinaus. Das wird tatsächlich manchmal ganz schön hart. Aber wir brauchen das nun mal. Und Lea dabei zu beobachten, was das alles mit ihr anstellt, ist einfach wundervoll.
In „Die stärkste Macht der Welt“ gibt es einen großen Konflikt zwischen Lea und mir. Aber so ist nun mal das Leben. Ich komme damit klar. Lea hat da deutlich mehr daran zu knabbern.
Claudia: Habt ihr eine Lieblingsstelle im Buch, die ihr den Lesern des Blogs vorstellen wollt?
Eva: Das sind tatsächlich mehrere. Nämlich alle, die in die Tiefe gehen und vor allem Leas devote Seite zeigen. Hierzu zeige ich euch eine Szene in einem SM-Apartment:
(…)
Ein sanftes Lächeln umspielt seine Lippen, während er das Heft weglegt, aufsteht und langsam zum Thron geht. Er setzt sich und sieht mich fordernd an. Seine Miene verdunkelt sich schlagartig, und die eben noch weichen Gesichtszüge werden plötzlich hart.
Noch liege ich auf der Seite, und ein paar Sekunden halten wir einfach Blickkontakt. Schließlich folge ich dem unausgesprochenen Befehl, der mich mühelos erreicht, und stehe auf. Während ich langsam zu ihm gehe, löse ich den Gürtel des Bademantels, der daraufhin lautlos zu Boden gleitet. Völlig gefangen vom Feuer seiner Augen, sinke ich auf die unterste der beiden Stufen des Throns.
Die Position, die ich ihm gegenüber einnehme, berührt mich abgrundtief und macht nicht nur die äußere, sondern vor allem die innere Haltung deutlich. Vor ihm niederzuknien ist ein echtes, reines Bedürfnis. Mein Herz rast. Dieses starke Gefühl der Verbundenheit treibt Tränen in meine Augen und ich schlucke mühsam den dicken Kloß im Hals hinunter. Das Machtgefälle könnte nicht deutlicher sein, und ich werde mir einmal mehr der Situation bewusst, in der wir uns befinden.
Ganz real.
Es ist einer dieser berauschenden Augenblicke, den wir beide genießen und aufs Äußerste auskosten. Einfach wundervoll, das mit ihm so erleben zu können. Immer wieder den gewaltigen Zauber zu spüren. Niemals wird das für mich an Intensität verlieren. Niemals werde ich das als selbstverständlich betrachten.
Überwältigt von Ehrfurcht und Dankbarkeit, senke ich langsam den Kopf und schließe die Augen.
(…)
David: Ja, Eva, eine wirklich schöne Textstelle. Ich liebe es, dieses Bedürfnis in Lea auszulösen und schätze es sehr, dass sie uneingeschränkt bereit ist, so viel von sich zu geben.
Bleiben wir bei der Apartment-Szene und wechseln die Sichtweise. Einige Zeit später habe ich Lea kniend auf einem Bondagebett festgemacht und ignoriere ihren nachdrücklichen Wunsch, eine Toilette benutzen zu dürfen. Ja, solche Schweinereien sind genau nach meinem Geschmack …
(…)
Bloß gut, dass Lea sich nicht bewegen kann. Vermutlich würde sie mir die Augen auskratzen, sie schimpft wie ein Bierkutscher.
„Daaavid!“, höre ich sie brüllen.
Es klingt, als würde sie jeden Moment anfangen zu heulen. Trotzdem genieße ich die Verzweiflung in ihrer Stimme. Das Gebettel ist Musik in meinen Ohren. Ja, sie ist vollständig von mir abhängig. Noch nicht mal pissen gehen kann sie ohne meine Erlaubnis.
Mit einem extra lauten Knall lasse ich die Gittertür zur Gefängniszelle zufallen, nachdem ich den Blech-Nachttopf herausgeholt habe. Leas Gezeter nach zu urteilen, sollte ich mich jetzt besser beeilen.
Wut, Verzweiflung und Erleichterung stehen ihr gleichermaßen ins Gesicht geschrieben, als ich ins Spielzimmer zurückkomme und mich vor ihr aufbaue. Grob packe ich ihre Oberschenkel und schiebe sie so weit auseinander, dass ich den Nachttopf zwischen ihre Beine quetschen kann. Jetzt kniet sie direkt darüber, und der obere Rand drückt bestimmt schmerzhaft in ihre Haut. Aber das scheint sie gar nicht zu bemerken.
Lea röchelt ein wenig, denn das Halseisen bringt sie in dieser Position noch mehr in Bedrängnis. Sie gibt sich wirklich alle Mühe, den Oberkörper so gestreckt wie möglich zu halten, um wieder tief durchatmen zu können. Wie schamlos sie dabei ihre geilen Brüste präsentiert, bekommt sie wohl nicht mit. Hörbar zieht sie die Luft in ihre Lungen. Es törnt mich unbeschreiblich an, sie so ausgeliefert zu sehen.
Hat sie vergessen, dass sie pinkeln muss?
„So, dann bin ich mal gespannt, ob du jetzt noch kannst“, erinnere ich sie spöttisch daran.
Mit dem Rohrstock in der Hand stelle ich mich hinter sie und lege ihn an ihrem knallroten, gesprenkelten Hintern an.
(…)
Claudia: Wie viel echte Eva steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter? Und hat sie vielleicht etwas vergessen zu erwähnen, David?
Eva: In meinen Büchern steckt zu hundert Prozent Eva. Wirklich alles und jede Situation kommt ganz tief aus mir heraus. Zum Teil selbst erlebt, zum Teil beobachtet, zum Teil spielt natürlich auch meine Fantasie eine Rolle und die Szenen verselbständigten sich beim Schreiben. Ich versetze mich voll und ganz in meine Protagonisten, leide mit ihnen, bin euphorisch, begeistert, traurig, eben voller Gefühle.
David: Sie hat nichts vergessen zu erwähnen. Manchmal kann selbst ich Lea und Eva nicht auseinanderhalten.
Claudia: Wie würdest du als Hauptcharakter deine Autorin beschreiben?
David: Wie schon erwähnt, Eva ist meiner Lea sehr ähnlich. Beide sind impulsiv, einfühlsam und leidenschaftlich. Sie wissen genau, was sie wollen, nehmen es aber hin, dass sie das nicht immer bekommen. Sie sind temperamentvoll und können furchtbar ungeduldig sein. Eva und Lea besitzen gleichermaßen die wundervolle Fähigkeit zur absoluten Hingabe. Sie möchten geführt und geleitet werden. Der Wunsch nach Schmerz, Unterwerfung und Hingabe ist absolut echt und rein. Die beiden können dieses Geschenk aber nur einer Person entgegenbringen, der sie zu hundert Prozent vertrauen.
Claudia: Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du als Hauptcharakter vielleicht sogar Mitspracherecht?
Eva: Das Buch hieß am Anfang einfach „neues Buch“. Ich wollte einen Titel, der zum ersten Band „Die Augen des Beschenkten“ passt und dem ebenfalls ein Zitat zugrunde liegt. Also suchte ich zuerst nach passenden Zitaten und fand es recht schnell mit Gandhis „Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.“ Dabei blieb es dann.
David: Hier hatte ich kein Mitspracherecht. Der Titel passt aber zur Geschichte und ist für mich in Ordnung.
Claudia: Seid ihr zu 100% mit dem Cover zufrieden oder hättet ihr nachträglich noch etwas ändern wollen?
Eva: Es passt perfekt und ich bin zu 100 % zufrieden.
David: Das Bild ist sehr ausdrucksstark und spricht für sich. Hätte man meiner Meinung nach nicht besser aussuchen können.
Claudia: Wisst ihr, was mich noch interessieren würde? Euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch.
Eva: Ich zitiere Lea, wie sie einer kritischen Bekanntschaft erklärt, worum es in ihrer Beziehung geht:
„Ist es denn komisch, wenn ich meinen Mann freundlich lächelnd an der Tür empfange?“, schalte ich mich ein und komme David zuvor. „Wenn ich ihm eine Tasse Kaffee bringe, mich zu ihm setze und mit ihm den Tag bespreche? Ist es komisch, dass wir uns wahrnehmen, flirten und Spaß haben? In unzähligen Ehen leben doch die Partner nur noch nebeneinander her und haben sich nichts mehr zu sagen. Von einem erfüllten Sexleben ganz zu schweigen. Unsere Kinder erleben uns als liebendes, achtsames Ehepaar, das sehr respektvoll miteinander umgeht. Nichts, aber auch rein gar nichts deutet auf Unterdrückung hin. Streit und grauen Alltag gibt es bei uns so gut wie nie. Ich bin glücklich und rundum zufrieden mit meinem Leben und ich denke, das strahle ich auch aus. Etwas Besseres kann man meiner Meinung nach den Kindern nicht vorleben.“
David: „Nur durch sie kann ich sein, wie ich bin.“
Claudia: Vielen Dank für das Gespräch
Eva: Ich danke für das schöne Interview.
David: Ich weiß es zu schätzen, dass ich hier zu Wort kommen durfte. Vielen Dank.

Freitag, 23. Juli 2021

[Buchvorstellung einmal anders] Tote Tanten plaudern nicht von Vera Nentwich

 


Buchvorstellung einmal anders


Heute ist ein komischer Tag 😊 Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autorin Vera Nentwich, aber sie kommt nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus, ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Tote Tanten plaudern nicht“ von Vera Nentwich. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie wird nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. 😊

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um mit mir zu reden.
Immer gerne. Dann komme ich wenigstens auch mal zu Wort. Bei Vera habe ich sonst keine Chance. Sie redet unaufhörlich.
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Ich, das Jüngste aus einer Reihe mit insgesamt sechs Geschwistern, die alle aus dem Leben und von den Abenteuern von Sabine Hagen, genannt Biene, erzählen. Die ehemalige Steuerfachangestellte aus Grefrath am Niederrhein ist in mehrere Mordfälle hineingeschlittert und hat letztlich mit ihrem betuchten Geschäftspartner Jago Diaz-Fernandez eine Detektei aufgebaut. Die läuft nun nach anfänglichen Schwierigkeiten recht gut. Das bringt neue Herausforderungen für Biene mit sich. Auch ihre Beziehung mit dem Polizisten Jochen steht mal wieder auf dem Prüfstand, denn sie hat das Gefühl, dass er sie belügt. Dann geschieht wieder ein Mord in Grefrath und ein besorgtes Elternpaar kommt in die Detektei, weil sie ihre Tochter vermissen. Biene muss mehr denn je ihr Privatleben sortieren und gleich mehreren Fällen auf den Grund gehen.
Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich den bisher komplexesten Fall für Biene Hagen repräsentiere.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Da sprichst du etwas an, was Vera und mich im letzten Jahr sehr beschäftigt hat. Ich glaube, für viele Menschen war dieses Pandemiejahr ein großer Einschnitt. Auch wenn Vera das große Glück hatte, dass die Existenz nicht grundsätzlich gefährdet war, so musste sie doch abrupt viele Dinge einstellen, in die sie ihr Herzblut gelegt hatte. Lange Zeit wollte sie nichts mehr von mir wissen und sich zurückgezogen. Manchmal wollte sie gar nicht mehr weitermachen, mich einfach löschen und vergessen. Die Arbeit am wöchentlichen Podcast „Die Zwei von der Talkstelle“ mit Tamara Leonhard hat sie immer wieder motiviert und so hat sie sich irgendwann ein Herz genommen, und weiter an mir gearbeitet. Zum Schluss hatte ich das Gefühl, dass Sie wieder ihre alte Freude am Schreiben und den Geschichten um Biene Hagen erlangt hat.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Ganz ehrlich, ich liebe den Showdown, aber den darf ich hier nicht zeigen. Ich will den Menschen ja nicht den Spaß verderben. Aber es gibt eine witzige Szene, die ich teilen kann. Darf ich vorstellen: Gustav Schönnekes
---
„Hallo“, höre ich eine männliche Stimme hinter mir. Ich drehe mich erschrocken um und starre auf das Ende eines Gehstocks. „Sie sind doch diese Detektivin, oder?“ Der Gehstock tippt mich an den Arm und sinkt dann zu Boden. Am anderen Ende befindet sich ein alter Mann, der mich mürrisch anstarrt. „Sind Sie doch, oder?“
„Äh, ja, ich bin Detektivin.“
Der Mann macht einen wackeligen Schritt auf mich zu. Er wirkt insgesamt so, als ob er jeden Moment in sich zusammenfallen könnte. Seine Statur ist stark gebeugt, und man hat das Gefühl, würde er sich nicht auf seinen Stock abstützen können, würde er einfach in der Mitte durchbrechen. Sein Gesicht ist extrem faltig und etwas greisenhaft. Die fast schon moderne Brille, die sich magisch an seiner Nase festzuklammern scheint, passt überhaupt nicht dazu. „Prima, dann müssen Sie was tun.“
„Was soll ich tun, Herr …?“
„Schönnekes. Gustav Schönnekes.“ Er saugt tief Luft ein, als ob ihm die Nennung seines Namens alle seine Kraft geraubt hätte. „Sie müssen die Misttöle finden, die immer vor meinem Haus auf den Gehweg kackt.“ Er wedelt zur Unterstreichung der Wichtigkeit seines Anliegens mit seinem Gehstock vor meinem Gesicht herum.
„Äh, wie stellen Sie sich das denn vor? Da ist doch eher das Ordnungsamt zuständig.“
„Da bin ich schon gewesen. Die können nichts tun. Sie müssen das machen.“
„Und was soll ich genau machen?“
„Observieren. Das tun Detektive doch, oder etwa nicht?“
„Doch schon, aber …“
„Die Leute erzählen, dass Sie jeden Pfennig gebrauchen können. Ist Ihnen mein Geld nicht gut genug?“
„Doch, äh, ja. Also, was die Leute sagen, ist …“
„Kein Wunder, dass Sie pleite sind, wenn Sie jedes Mal so ein Theater machen.“
„Wir sind nicht …“
„Ich bezahle gutes Geld. Basta.“
„Okay“, gebe ich mich geschlagen. „Sie kennen unseren Stundensatz?“
„Nein, aber das ist egal. Finden Sie diese Töle und stellen Sie das Gekacke ab.“ Sagt es, winkt einmal mit seinem Stock, dreht sich und geht. Na gut, er schleicht eher. „Wo wohnen Sie denn?“, frage ich in seinen Rücken, aber er hört mich nicht mehr. Ich widerstehe dem Impuls, zu ihm zu gehen, und ihm die Frage ins Gesicht zu rufen. Vielleicht ist er ja schwerhörig. Aber womöglich zieht er mir dann gleich mit seinen Stock eins drüber.
----
Weißt du wie viel Vera tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt?
Ich weiß nicht, ob ich dir sagen kann, was ich so denke. Ich möchte schließlich keinen Ärger mit Vera. Aber so unter uns, ich glaube schon, dass Biene und Vera sich irgendwie immer ähnlicher werden. Ich kann gar nicht genau sagen, ob sich nun Biene Vera annähert oder umgekehrt. Definitiv sagen kann ich aber, dass diese Leidenschaft für Latte macchiato bei beiden stark ausgeprägt ist.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Oma würde sagen: „Lott dat Kengk. Dat mäd dat schon.“
Jago wäre wahrscheinlich von ihr eingeschüchtert und würde in ihrer Gegenwart kein Wort sagen.
Jochen und Vera würden ständig Streitgespräche führen.
In der Mädelsrunde bei Brigitte und Altbier würde es mit Vera bestimmt sehr lustig werden.
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Während des Schreibprozesses hieß ich immer „Tanten tötet man nicht“. Aber unter uns, das gefiel nie wirklich. Vera tut sich aber total schwer damit, ihrem Baby einen Namen zu geben. Also hat sie rumgefragt und um Ideen gebeten. Über die besten Vorschläge haben dann die Leserinnen und Leser abgestimmt. „Tote Tanten plaudern nicht“ war der absolute Favorit und gefällt mir auch richtig gut. Ich habe schon viele Komplimente bekommen, dass ich einen schönen Titel habe.
Bist du zu 100% zufrieden mit deinem Cover / Outfit oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Mir hat´s gleich gefallen, aber ich weiß, dass Vera die Farbe orange eigentlich gar nicht mag. Aber in der Gesamtheit hat es sie dann doch überzeugt und mittlerweile, denke ich, gefällt es ihr sehr.
Kannst du uns vielleicht auch schon verraten, ob die Autorin viele echte Plätze eingebaut hat oder ob die Orte im Buch der Fantasie entspringen?
Darauf bin ich besonders stolz. Alle Orte, die in mir vorkommen, sind real. Das Gebäude, in dem die Detektei ist, gibt es wirklich. Der Deversdonk, der Platz in Grefrath, existiert genauso, wie er im Buch beschrieben wird. Auch die anderen Orte sind alle wirklich so, wie sie geschildert werden. Lediglich die Nutzung ist gelegentlich anders. So ist in der realen Detektei ein Versicherungsbüro und in dem Haus der Tante in der Neustraße wohnt jemand völlig anderes, der uns hoffentlich nicht böse ist.
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren. 
---
Wenn sie sich erhebt, schwingen ihre brünetten, langen Haare hin und her, und man sehnt die Zeitlupe herbei, um diese Bewegung zu unterstreichen. Ich hasse sie.
__
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz zum Buch »Danke, für deine Geduld und Antworten« zuzuflüstern.
Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.