Samstag, 21. November 2020

[Autoreninterview] Deborah N. May

Autoreninterview
Deborah N. May


Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Sehr gerne. Geboren und aufgewachsen bin ich in der Schweiz, wo ich auch lebe. Mein Vater ist gebürtiger Berliner, lebt aber auch seit seiner Jugendzeit in der Schweiz. Neben dem Autorenleben unterhalte ich eine lebendige Familie und arbeite mit Kindern.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ganz klischeehaft. Genau wie das Lesen habe ich auch das Schreiben geliebt, sobald ich es konnte. Mit zarten 16 Jahren habe ich die Idee zu meinem ersten Roman gesponnen. Da ich keine Ahnung hatte, wie man ein Buch schreibt oder gar Autorin wird, habe ich den angefangenen Text 20 Jahre lang vor mich hergeschoben. Immer mit dem Gedanken: Eines Tages mach ich daraus ein Buch! Ohne eine Strategie, wie ich das packen könnte, wurde daraus nichts. Bis zu dem Tag, an welchem ich mich entschieden habe: „So! Jetzt. Jetzt mache ich das!“ Seither läuft’s.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Ich schreibe spannende Liebesromane, die immer Tiefgang und Unerwartetes enthalten. Mein Ziel ist es, dass die Leser immer weiterlesen wollen. Im Roman „Der letzte Bus nach Talmey“ geht es um eine junge Frau, die nach Amerika auswandert um die Freiheit zu finden. Was sie tatsächlich erwartet sind Liebe, Lügen und Einsamkeit. 
Der aktuelle Roman „Das HonigHurenHaus“ dreht sich um eine Malerin, die ein altes Haus kauft und dessen Vergangenheit auf die Spur kommt. Vor 80 Jahren hat eine Mutter darin ihre Familie und sich selber ausgelöscht.“
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ja, an mehreren. Das liegt daran, dass ich nie ein Buch mache und dann das nächste, sondern stets parallel an diversen schreibe oder – und das benötigt weitaus am meisten Zeit – überarbeite. 
- Glambrand: Coming-Out eines Zirkuskünstlers 
- Es sieht aus wie Schnee: Eine Frau im Koma, ein Mann, der seine Unvollkommenheit zu verstecken versucht und eine Frau, die allem auf die Spur kommen will. 
- Die Schwierigzeit der Familie Hahn: Ein Vater versucht ein Familiengeheimnis zu verstecken. 
- Der Bruder meines Lebens: Ein Aspgergermann schlüpft in die Identität seines toten Zwillings, samt Studium, Feind und Freundin. Er hat keine Ahnung, worauf er sich einlässt...
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten? 
Nebst meiner Familie natürlich das Schreiben und alles andere, rund ums Buch. Einen Roman zu planen, schreiben, überarbeiten und in Buchform zu bringen, das ist in dieser Phase meines Lebens das liebste, was ich mache.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Lieblingsbücher habe ich viele, Lieblingsautoren auch. Getroffen habe ich nur wenige, das ist mir aber auch nicht so wichtig. Für mich sind es Menschen, wie jeder andere auch. Der Austausch über das Schreiben hingegen, den mag ich natürlich sehr.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Am liebsten an meinem Pult, im Schreibzimmer. Plotten und Ideen schreibe ich aber überall auf. Notizblöcke und Stifte finden sich bei mir überall, selbst im Auto, in der Tasche und im Schlafzimmer. Die Erfahrung hat mich gelehrt: Wenn eine Idee aufblitzt, muss ich sie aufschreiben. Sonst ist sie verloren. Ich dachte früher immer, „Ach was, das kann ich mir so merken.“ Bis ich dahinterkam, dass selbst die besten Ideen unaufgeschrieben irgendwann in den Äther abflutschen …
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Bei mir gibt es verschiedene Arten von Tagen, da ich neben dem Autorenleben noch einem anderen Beruf nachgehe. Grundsätzlich gilt unter der Woche: Um 6.00 Uhr aufstehen, Kinder wecken und zur Schule schicken. Um 8.00 startet der Autorentag. Schreiben/plotten/überarbeiten bis mittags, danach Essen und weiterschreiben/lesen/wasauchimmer. 
Feierabend ist, wenn die Kinder schlafen und das ist ca. um 21.00 Uhr.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Da ich nicht einem Trend hinterherhechle, schreibe ich, was ich selber gerne lese: Geschichten mit Tiefgang, spannende (!) Liebesromane, Thriller. Ich mag alles, was in der realen Welt spielt, was genau so passiert sein könnte. Wenn es mich packt und gleichzeitig zum Nachdenken anregt. 
Was ich wenig bis gar nicht lese sind die Genre Fantasy, Horror und Erotik.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt? 
Wenn du denkst, du kannst es, dann kannst du es. 
Wenn du denkst, du kannst es nicht, dann kannst du es nicht. 
Egal wie du dich entscheidest, du hast auf jeden Fall recht. 
Und auf Schweizerdeutsch: „Rueig Bluet, de chunnts guet!“ 
Was du denkst, fühlst und glaubst, wird dein Leben formen.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Die Schweiz, weil es meine Heimat ist, und Deutschland. Weil ich dieses Land einfach unglaublich mag. Wie gesagt, mein Vater kommt ursprünglich aus Berlin und ich wandere momentan gerne auf alten Spuren. 
Mein Mann und ich, wir reisen gerne nach Südengland, darum wird der Roman „Es sieht aus wie Schnee“ auch hauptsächlich dort spielen. 
Dann mag ich Wyoming (Bundesstaat in den USA). Ich war zwar noch nicht reell da, aber viele Geschichten haben mich dahin getragen. Eines war „Mein Freund Flicka“, welches ich als junges Mädchen gelesen habe. Das ist auch der Grund, warum mein Debutroman genau da spielte.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Kritik muss sein! Ohne sie kann ich mich ja gar nicht weiterentwickeln. Dabei meine ich stets konstruktive Kritik. Kein Dissen oder Herunterputzen, sowas ist unnötig und legt den Charakter des Kritisierenden offen dar. 
An dieser Stelle erwähne ich gerne, dass ich immer auf der Suche nach Testlesern bin, die nicht säuseln, sondern begründet loben und auch kritisieren! Glücklicherweise habe ich bereits einige davon, dank ihnen werden meine Geschichten stets verbessert. 
Anfangs hatte ich Testleser, die alles gut fanden. Klar, das schmeichelt, aber weitergebracht hat es mich kein Stück.
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Aus zwei Gründen: 
1. Weil ich seit 20 Jahren davon träumte, endlich ein Buch zu schreiben. Als ich mich dazu entschieden habe, wollte ich nicht weitere Jahre mit der Verlagssuche verbringen. 
2. Die Entstehung eines Buches war für mich ein Rätsel und ich wollte alles – wirklich alles! – von der Pike auf lernen. „Nur“ Schreiben kam daher für mich gar nicht in Frage. Ich mache alles gerne, Coverdesign, Überarbeitungen, Pitch schreiben, Buchsatz und vieles mehr, was noch dazu gehört. Zu allen Teilbereichen habe ich mich in den letzten Jahren weitergebildet und tue es immer wieder gerne.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Dranbleiben! Der Traum vom eigenen Buch ist realistisch – für jeden!

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