Samstag, 28. November 2020

[Buchvorstellung einmal anders] Die Geister der Weihnacht gehen in Rente von Haike Hausdorf


Buchvorstellung einmal anders 

Heute treffe ich mich mit den Protagonisten Stubborn, Funny, Proud und Grumble aus „Die Geister der Weihnacht gehen in Rente“ und deren Autorin Haike Hausdorf.

Claudia: Hallo, danke, dass ihr heute Zeit habt und für das Buch antwortet. Würdet ihr euch vielleicht gegenseitig interviewen?
Proud: Sehr gerne, Claudia. Ich schlage vor, dass ich die Leitung übernehme. 
Stubborn: Du spinnst wohl! Solange du dich nicht sichtbar machst, lässt sich hier niemand von dir interviewen. 
Grumble: Ich könnte das Gespräch führen, da ich den höchsten Intellekt habe. 
Funny [schwebt als Lexikon durch den Raum]: Hört, hört. Da spricht der allwissende Wollmantel.
Claudia: Ich hatte ein langes Gespräch mit eurer Autorin, deshalb wäre es schön, wenn ihr euch meinen Lesern vorstellen könntet.
Funny [verneigt sich vor Stubborn]: Ladies first! 
Stubborn [schnaubt verächtlich]: Dass ich nicht lache! Aber gut, ich fange an: Mein Name ist Stubborn. Wie du siehst, bin ich ein Skelett. Ich hasse es, von Männern dominiert zu werden. Wenn das einer versucht, mache ich ihm die Hölle heiß. Siehst du, so! [In ihrem Brustkorb lodern Flammen empor und Rauch dringt aus ihren Schädelöffnungen.] Ich kann SEHR überzeugend sein. 
Funny [lacht]: Oh ja! Unbeugsamen Sterblichen heizt sie ordentlich ein. Ich heiße übrigens Funny. Sicher hast du schon erkannt, dass ich Ire bin. Mein feuerrotes Haar und die grüne Kleidung trage ich aus Überzeugung. Aber ich nehme nicht alles so bierernst wie Stubborn. Seit ich in London bin, wohne ich in einem Irish Pub. [Funny verwandelt sich kurzzeitig in eine Bierflasche.] Diese Stellenausschreibung der drei Geister der Weihnacht fand ich voll cool. Da wollte ich unbedingt mitmachen. 
Grumble: Ich hasse solche Vorstellungsrunden! 
Proud: Ich nicht! Mach Platz, du alter Nörgler, damit Claudia mich besser sehen kann. [Er räuspert sich.] Mein Name ist Proud. Ich gehöre dem schottischen Hochadel an. Deshalb die traditionelle Bekleidung. Gefällt dir mein Kilt? Und die schwarze Designerjacke? Nur edelste Stoffe, wie du siehst. 
Funny [kichert]: Claudia kann dich überhaupt nicht sehen. Solange du dich nicht materialisierst, sieht sie nur dein vor Ewigkeiten aus der Mode gekommenes Rüschenhemd und deine auf Hochglanz polierten Lackschuhe sowie das karierte Röckchen. [Er weicht einem Schlag von Proud aus.] 

Grumble: Genug palavert! Claudia bittet uns, das Buch in möglichst wenigen Sätzen zu beschreiben – und zwar ohne den Klappentext abzulesen. Ich fange mal an: Sicher kennst du die Geister der vergangenen, diesjährigen und zukünftigen Weihnacht, oder? Der englische Schriftsteller Charles Dickens hat 1843 darüber berichtet, wie sie den geizigen, alten Ebenezer Scrooge auf den Pfad der Tugend zurückgebracht haben. 
Proud: Das war aber lange vor unserer Zeit. Wir sind alle unter hundert Jahre alt. 
Funny: Angeber! 
Stubborn: Jungs, ihr nervt! Die Kurzfassung ist: Die drei Alten waren es leid, unbelehrbare Sterbliche zu guten Menschen zu erziehen und hatten inseriert. Statt drei haben sich aber zehn Geister unseres Alters als Nachfolger beworben und die Auswahl war … 
Funny: … ziemlich schwierig für die drei! Einige von uns haben sich aber auch zu dämlich angestellt. 
Proud: Natürlich verraten wir nicht, wie chaotisch die Einarbeitung war und wer am Ende die Jobs bekommen hat. Das müssen du und deine Follower schon selbst herausfinden. Apropos ‚Follower‘: Kannst du mir das mit dem Internet und den sozialen Medien nachher mal kurz erklären? Ich schätze, so ein Account wäre auch etwas für mich. 
Stubborn: Ach, halt die Klappe, McProud! 

Funny: Was mir schon ewig auf der Zunge brennt … Haike, macht es dir Spaß, deine Protagonisten ein wenig zu quälen? [Er verwandelt sich kurzzeitig in eine mittelalterliche Streckbank.] Sie in Situationen hineinzuwerfen, die schwierig sind? Warum nicht einfach und schön? Müssen Gefahren und Stolpersteine immer sein? 
Haike: Die meisten Situationen habt ihr euch selbst eingebrockt. Überleg doch mal. Wenn ihr besser zusammengearbeitet hättet … Und nein, ich quäle euch nicht. Ihr habt euch weiterentwickelt. Jeder einzelne von euch! 
Stubborn: Was heißt hier ‚jeder‘? Vergiss die vier weiblichen Geister nicht! 
Haike: Entschuldige, Stubborn. Ich weiß, dass dir das sehr wichtig ist. Du, Shy, Pretty und Pleasant habt euch ebenfalls großartig gemacht. 

Funny: Habt ihr auch eine Lieblingsstelle im Buch, die ihr den Lesern vorstellen wollt? Meine ist die, als Trouble in die Themse fiel und dachte, er müsse ertrinken. 
Stubborn [schnaubt]: Ich mag die Stelle besonders, an der wir Mädels diesem widerlichen Schwerenöter eingeheizt haben. Ha! Hinterher war der SOOO klein ohne Hut! 
Grumble: Jetzt verratet doch nicht alles! 

Stubborn: Ich find’s ja echt gut, dass unser Roman von einer Frau geschrieben wurde. Wie viel echte Haike steckt eigentlich in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter? Bist Du so wie ich oder eher so eine schüchterne wie unsere Shy? 
Haike: Der gemütliche, pummelige Tardy, der keine Lust hat, bei Nebel und Kälte draußen herumzugeistern, kommt mir schon recht nahe. Und der vorlaute Funny hat auch ein bisschen von mir abbekommen. 
Funny: Na, bitte! Obwohl ‚vorlaut‘ so negativ besetzt ist. Sag doch lieber schlagfertig. 
Haike: In Ordnung, Funny. Manchmal bin ich aber auch ein bisschen ungeschickt. Glücklicherweise hole ich mir nur blaue Flecken, wenn ich irgendwo anstoße und zerlege mich nicht komplett, so wie Trouble. Ein Teil von mir steckt wohl in den meisten von euch. 
Grumble: Eine sehr diplomatische Antwort.
Claudia: Geister, unter uns. Wie würdet ihr als Hauptprotagonisten eure Autorin beschreiben? 
Funny: Sie ist ganz witzig drauf. Man konnte gut mit ihr arbeiten. 
Stubborn: Ja, sie war kooperativ. Nachdem ich ihr klargemacht hatte, wie der Hase läuft, hat sie meine Grundsätze zum Thema Gleichberechtigung berücksichtigt. 
Grumble: Glücklicherweise hat sie mich mit der Aufgabe betraut, Pretty zu unterstützen. Immerhin bin ich der cleverste hier und die arme Pretty ist leider nicht das hellste Licht am Weihnachtsbaum. 
Proud: Ich könnte ja jetzt etwas zu arbeitenden Frauen im Allgemeinen sagen … 
Stubborn: Tu’s nicht! 
Proud: Dann eben nicht. [Er verschränkt beleidigt die Rüschenärmel vor dem restlichen Hemd.]
Claudia: Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattet ihr vier vielleicht sogar Mitspracherecht?
Proud: Leider hatten wir kein Mitspracherecht, obwohl das angemessen gewesen wäre. Der Titel stand schon fest, bevor Haike uns auch nur erfunden hat. Aber ich denke, er passt sehr gut. 
Funny: Damit hast du ausnahmsweise Recht. Aid, der kopflose Mönch hat mir sogar erzählt, dass der Titel fast zeitgleich mit der Buch-Idee feststand. Stimmt das, Haike? 
Haike: Ja, das könnte man so sagen. Er fasst das Thema des Romans sehr gut zusammen und der Ashera Verlag hat meinen Arbeitstitel übernommen. 

Funny: Sind wir zu 100% mit dem Cover zufrieden oder hätten wir nachträglich noch etwas ändern sollen? 
Grumble: Sentimentaler Schnickschnack. Es muss nur den Lesern gefallen. Wir stecken schließlich zwischen den Buchdeckeln und sehen es sowieso nicht. 
Proud: Deine Schuld, wenn du nie über den Tellerrand blickst. Ich habe es mir angeschaut und davon abgesehen, dass ich nicht abgebildet bin, ist es recht annehmbar. 
Funny [stöhnt laut]: Immer etwas zu nörgeln, Ihr zwei. Typisch! Alle anderen finden es super. Pretty sagte sogar, es sei zauberhaft. 
Stubborn: In erster Linie muss es Haike gefallen. Es ist schließlich ihre Geschichte! 
Haike: Danke, Stubborn. Mir gefällt es ausgesprochen gut. Ich habe mich ‚unheimlich‘ gefreut, als ich es zum ersten Mal gesehen habe. Deshalb sende ich ein großes Dankeschön an das Atelier Bonzai für die wunderschöne Darstellung des winterlichen, nächtlichen Londons.
Claudia: Wisst ihr, was mich noch interessieren würde? Euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch.
Stubborn: Im ersten Kapitel gibt es eine sehr coole Beschreibung von mir: „Die pinkgefärbten und seitlich des Schädels kurz rasierten Haare des Skeletts stellten sich unversehens senkrecht auf, während sie ihre knöchernen Hände empört in die Hüften stemmte. Flammen schossen in ihrem hohlen Brustkorb empor. Das Innere des Schädels loderte. Sie versprühte mit jeder nicht vorhandenen Pore ihres knochigen Körpers puren Kampfgeist.“ Dem ist nichts hinzuzufügen! [Sie grinst selbstbewusst.] 
Proud: Rette sich wer kann! Ich zitiere lieber den Geist der vergangenen Weihnacht: „Dem Premierminister müsste dringend jemand ins Gewissen reden. Da er hart im Nehmen ist, werden ihm ein paar Anfänger die Haare nicht mehr als üblich zu Berge stehen lassen.“ 
Funny [stöhnt]: Erinnere uns bloß nicht daran! 
Grumble: Ja, der Besuch in der Downing Street war wirklich keine Glanzleistung. Wie wäre es zur Aufmunterung mit einem Zitat über unseren Tollpatsch? „Trouble … rubbelte die Lampe mit der Hand sauber. Während er dies tat, entwich ihr ein silbriges Band, das schnell breiter und größer wurde. ‚Och, nee. Nicht schon wieder Nebel‘, maulte Pretty. ‚Es ist eine so schöne sternenklare Nacht.‘ – ‚Das ist kein Nebel.‘ Grumble fasste Trouble energisch am Arm. ‚Du hast einen Dschinn aus der Lampe befreit, du Idiot.‘“ 
Funny: Oh, ja. Das war eine Nacht … Ich verzichte auf ein Zitat, weil ich noch mit Tardy um die Häuser ziehen will. Hoffentlich ist er noch nicht eingeschlafen.
Claudia: Vielen Dank für das Gespräch.
Proud: Sehr gerne, Claudia. Können wir jetzt das mit meinem Social-Media-Account besprechen? 
Stubborn [packt Proud energisch an den Rüschen]: Keine Sorge, ich nehme den Kerl mit. 
Grumble: Ich muss mich für meine Kollegen entschuldigen. Sie können unsagbar peinlich sein. Vielen Dank für das Interview! 
Funny: Yeah! Thanks! Hat Spaß gemacht! [Er schwebt als Smiley davon.] 
Haike: Ich danke ebenfalls, liebe Claudia. Es war sehr lustig und inspirierend, das Buch einmal aus der Perspektive meiner Geister-Azubis zu betrachten.

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Mit dem Abschicken des Kommentars bin ich mit den Datenschutzrichtlinien des Blogs einverstanden.