Samstag, 7. November 2020

[Reiheninterview] Hexenherz-Reihe von Monika Loerchner


   

Reihenvorstellung 

Heute treffe ich mich mit Monika Loerchner, um mit ihr über ihre Reihe „Hexenherz“ zu sprechen.

Hallo, danke, dass du heute Zeit hast, um mit mir über deine Reihe zu reden.
Danke, ich freue mich, hier zu sein! 😊
Kannst du uns deine Reihe, bestehend aus den Teilen „Hexenherz: Eisiger Zorn“, „Hexenherz: Glühender Hass“ und „Hexenherz: Goldener Tod“ mit wenigen Worten vorstellen?
Nein. :D 
Ich versuche es mal: Das Setting macht ja schon einen totalen Reiz aus; das ist bei den Hexenherzbüchern – wie auch bei „Die Tote in der Tränenburg“ – nämlich so: Vor ca. 550 Jahren offenabarte eine kleines Gruppe Frauen im Angesicht der aufkommenden Hexenverfolgung, dass es tatsächlich Hexen gibt. Dass aber JEDE Frau während ihrer gebärfähigen Zeit auch der Magie fähig ist. Sprich – so mancher ahnte es schon lange! – jede Frau kann eine Hexe sein! Bei den meisten muss die Magie nur geweckt werden. 
Diese Offenbarung des Hexentum führte dazu, dass Bürgerkriege fortan Europa zerrissen und immer mehr Frauen ihre Magie erwecken ließen. Was da alles passierte und wie das im Einzelnen vor sich ging, könnt ihr in „Eisiger Zorn“ in Form von Story-unabhängigen Goodie-Kapiteln lesen. 
Heute leben wir also in einer Gesellschaft, in der fast jede Frau Magie hat und damit, selbst wenn sie schwach ist, stärker ist als jeder Mann. Ergo sind die Frauen nun an der Macht und die Männer das schöne Geschlecht. 😉 Macht unheimlich Spaß! So viel, dass ich auch ab Band II im generischen Femininum schreibe. 
Hast du schonmal erlebt, dass sich jemand dir gegenüber sexistisch verhalten hat? Ich schon – und habe nun zig Sprüche und Alltagssituationen einfach umgedreht. 
Und in dieses Setting setze ich meine Protas und lasse sie Gefahren und Abenteuer bestehen. Macht also doppelt so viel Spaß! 😊
Deine Charaktere wachsen mit ihren Aufgaben, entwickeln sich weiter, bestehen so manche Situation. Fällt es dir leichter sie durch einfache, lustige oder durch schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Die unschöne Wahrheit ist, dass wir ohne Schmerz, oder zumindest ohne eine Herausforderung, ja nicht wachsen. Wir Schriftsteller MÜSSEN unsere Charaktere also quasi quälen! Mir persönlich fällt das nicht immer leicht, aber ich weiß ja, dass es dazu gehört. Und dass meine Protas das Ganze überleben. Na ja, oder sagen wir: einige. :D
Hast du Lieblingsstellen in deiner Reihe, die du uns gerne vorstellen würdest?
Ich habe zig Lieblingsstellen. Eine Lieblingsstelle meiner Leser aus „Eisiger Zorn“ ist die Kneipenszene: Eine Horde an- oder betrunkener Frauen um die 20 belästigen einen schnuckeligen Kellner. Nix Wildes im Grunde, aber dann doch. Du weißt schon: blöde Sprüche, kleine Anzüglichkeiten, dann mal eine Hand auf seinem Po… Das ist so eine Szene, wenn ich die lese kommt nach der Lesung immer mindestens eine Frau zu mir und sagt: „Das kenne ich. Nur halt andersherum.“ 
Oder das Bewerbungsgespräch in „Glühender Hass“, da steckt viel eigene Erfahrung mit drin, die leider von vielen Frauen geteilt wird. 
Überhaupt habe ich viel von diesen Szenen drin, von alltäglichen Vorkommnissen, über die viele Leute sagen:“ Stell dich doch nicht so an!“, „War doch nur Spaß“ etc. In Sachen „Mann ist gegenüber Frau sexistisch“ ist einfach schon so viel gesagt worden, da sind wir – also ich eingeschlossen – oft einfach schon abgestumpft. 
Wenn ich es aber dann umdrehe, so dass eine Frau gegenüber einem Mann sexistisch ist, dann sehe ich oft: „Oha, das ist ja doch nicht ohne!“ Das ist mir extrem wichtig. Was nicht heißten soll, dass Frauen IRL nicht auch sexistisch gegenüber Männern sein können; solche Frauen bekommen in den Büchern auch ihr Fett weg.
Wie viel echte Monika steckt in deinen Büchern oder dem ein oder anderen Charakter?
Ich sage mal so: Ich kann ja nur schreiben, was ich mir vorstellen kann. Und ich kann nur das GUT schreiben, was ich nachempfinden kann. Den Rest überlasse ich eurer Fantasie. 😉
Wenn ich deine Protagonisten, Antagonisten oder auch Nebencharaktere fragen würde. Wie würden sie dich beschreiben?
Dezent überarbeitet, ehrgeizig, kreativ, hilfsbereit, freundlich, auch mal extrem schlecht gelaunt, gestresst, entspannt, unglaublich nachtragend in Kombination mit einem lästig guten Gedächtnis, extrem versöhnlich mit hoher Empathie. Manchmal absolut albern. Optimistisch, von aufbauend bis nervtötend.
Wann stand die Idee eine Reihe zu schreiben? Stand es von vornherein fest, dass es ein Mehrteiler wird, oder haben die Protagonisten ein Eigenleben entwickelt?
Nein, das stand nicht fest. Direkt nach Teil 1 hatte ich aber das Gefühl, dass jemand anderes jetzt seine Geschichte erzählen möchte. Das war dann Band 2. Ich liebe dieses Buch extrem, da steckt so viel Gefühl drin… Dennoch habe ich Helena vermisst, die ja in „Glühender Hass“ nur eine Nebenrolle spielt. Ich hatte lange überlegt, ob ich im nächsten Buch wieder einen anderen Protagonisten zu Wort kommen lasse, aber es ist dann doch wieder Helena geworden. Ihre Figur ist mir einfach so ans Herz gewachsen und ich wage auch zu behaupten, dass ich sie inzwischen sehr gut kenne. 
Ich mag es ja nicht, wenn ich ein Buch lese und a) feststellen muss, dass mir aus einem vorherigen Teil enormes Vorwissen fehlt und ich b) ein Buch zu Ende gelesen habe und dann auf einem ganz fiesen Cliffhanger sitzen bleibe – so für die nächsten 1, 2 Jahre. Daher ist jedes Buch in sich abgeschlossen. Dennoch fügen sich die drei Teile dann zu einem Ganzen zusammen. Wie so ein Dreierset Bilder: es geht auch jedes für sich, aber zusammen ist es dann perfekt!
Wann kamen die Titel? Standen die im Vorfeld schon fest, oder entwickelten sie sich im Laufe des Schreibprozesses?
Eigentlich wollte ich das erste Buch nur „Hexenherz“ nennen; leider war dieser Titel aber schon vergeben, ebenso „Hexenherz“ etc. Daher die Idee mit dem Titelzusatz „Eisiger Zorn“. Der erfüllt eine weitere, wichtige Funktion: Ich bin eine Frau und Mutter, war damals Anfang dreißig und schrieb Fantasy mit „Herz“ im Titel – ohne „Eisiger Zorn“ dabei hätte die meisten bei dem Buch sicher Romantasy vermutet. 
„Eisiger Zorn“ kam quasi von allein, das merkt man, wenn man das Buch liest. „Glühender Hass“ war da schon schwieriger. Ich wollte unbedingt das Konzept beibehalten: zwei Wörter, die eigentlich nicht zueinander passen, die eigentlich nicht sein können: Zorn kann nicht eisig sein und Hass nicht glühen. Außerdem haben wir da die schöne Steigerung Zorn – Hass. 
„Goldener Tod“ war nochmal schwieriger. Vor allem, weil ja auch wieder eine Steigerung hermusste. An dem Titel habe ich lange gesessen. Tatsächlich war mein Favorit “Goldener Fall“ gewesen; mein ältester Sohn aber fand die Variante mit dem Tod besser – und verriet sie prompt auf der Leipziger Buchmesse an meine Programmchefin! Die war von dem Titel auch begeistert, so dass sich die Beiden gegen mich verschworen haben und es der „Goldene Tod“ wurde, :D
Wer ist denn der Coverdesigner?
Das ist bei den Hexenherzbüchern die wunderbare Annelie Lamers vom acabus Verlag bzw. Bedey Media.
Bist du mit deinen Covern zu 100% zufrieden, oder würdest du nachträglich noch etwas ändern wollen?
Ich liebe alle meine Cover! Ich bin ja ein äußerst kreativer Mensch, der auch gerne mal denkt, er könne alles im Alleingang. Bei sowas merke ich aber wieder, wie wichtig es ist, sich auch mit anderen auszutauschen. Nimm mal das Cover von „Die Tote in der Tränenburg“: in hundert Jahren wäre ich nicht auf so eine coole Idee gekommen! Der Stil, die Schatten der Kinder... Die Farben! Ich finde dieses Cover so brutal genial, es stammt von einer Designerin namens Viktoria Lubomski, die schon viel für den ALEA LIBRIS Verlag gemacht hat. Echt begnadet, diese Dame! 
Die Hexenherzcover liebe ich auch, das war eine 1a-Zusammenarbeit. Wie auch bei ALEA LIBRIS hat im Grunde jeder dran mitgewirkt. Bei „Eisiger Zorn“ kam zum Beispiel die damalige Programmchefin Daniela Sichtig auf die Idee mit dem Eis; absolut genial! Es sind diese Details, die ein Cover erst richtig gut machen! Dass das Marburger Schloss im Hintergrund zu sehen ist, wollte ich unbedingt. Das Stockfoto hatte der Verlag vorgeschlagen, die Farben stammen von der Designerin, die auch alles irgendwie zusammengefügt hat, usw. Ich durfte immer mitreden und wir haben eine Menge herumprobiert. Fand ich absolut grandios! Bei einem Cover überhaupt mitreden zu dürfen, ist für mich tatsächlich auch sehr wichtig.
Zum Abschluss würden mich noch deine Lieblingszitate aus den Büchern interessieren.
Uff. Du hast keine Ahnung, wie sadistisch das jetzt ist, oder? Das ist, als hätten dir deine Kinder einen Riesenstapel „Mami ist die Beste!“-Bilder gemalt und du solltest das jeweils Schönste aussuchen. >< 
Mal schauen… 
Hexenherz – Eisiger Zorn: 
1) Sogar Glenna lächelt ihren Sohn mit einer Mischung aus Zärtlichkeit, Nachsicht und Sorge an. Ich fasse es nicht, wollen die denn, dass wir wieder in die Zeit vor der Großen Offenbarung der Hexen zurückfallen? Als die Männer uns unterdrückten und jegliche Macht für sich beanspruchten? Wie kann ein weiblicher Mensch – und sei es eine nicht-erweckte Rebellin – hier ruhig sitzen und einfach zuhören? Jetzt erzählt Corey, dass er Kinder zu gebären wichtiger findet als Magie. Die Kriegerfrau in mir knurrt. Noch drei Tage. 
2) Mit einem Mal weiß ich, wie ich es anstellen soll. Ich betrachte Mirja: Sie ist wirklich wunderschön! Das rabenschwarze Haar, die vollen, roten Lippen. Die goldbraunen Augen, die alabasterfarbene Haut. Nun, ich habe schon weitaus 
Hässlichere geküsst! 
Hexenherz – Glühender Hass: 
1) Es wird immer Menschen geben, die bereitwillig jede noch so schmutzige Geschichte glauben, wenn sie nur aufregend genug ist, und die keine Sekunde an den Gedanken verschwenden, dass sie es vielleicht nicht mit der Wahrheit zu tun haben könnten. 
2) Ich zucke mit den Schultern. »Er ist einfach nur ein Mann, den ich retten konnte. Also habe ich es getan.« 
Hexenherz – Goldener Tod:
1) „Ich hatte keine andere Wahl.“ 
„In der Situation vielleicht nicht. Aber du hattest sie vorher und du hast dich für einen Weg entschieden, der dich erst in diese Lage gebracht hat. Jetzt hast du die Wahl. Krieg ist Krieg. Ich weiß, wovon ich spreche. Du kannst nicht ernsthaft erwarten, als derselbe Mensch daraus hervor zu gehen! Was wir erleben, was wir tun, verändert uns.“ 
2) „Es ist dein verdammtes Leben. Also mach damit, was dich glücklich macht.“ 
„Glücklich sein. Denkst du das ist es, was die Göttin für mich im Sinn hat?“ 
Die Tote in der Tränenburg: 
1) Meine Magie zupft und zieht an mir, verlangt meine Aufmerksamkeit. Ich tauche ein und fühle den Schmerz.
Er kommt nicht nur vom Haus, nein, die gesamte Umgebung strahlt ihn ab - Tiere, Steine, Pflanzen, selbst die Luft, die wir atmen. Ich bin nicht davon ausgegangen, einen fröhlichen Ort vorzufinden, immerhin ist dies ein Heim für unerwünschte Jungen. Doch das hatte ich nicht erwartet: Schmerz, Blut, Tränen, Geheimnisse. Und Angst. Jede Menge Angst. 
2) Diese Mischung aus einem harten, muskelbepackten Körper und der Zurschaustellung männlicher Hilflosigkeit trifft einen Nerv bei mir. Seine starken Arme - besser kann es die Natur gar nicht ausdrücken, dass Männer wie geschaffen dafür sind, Kinder zu tragen und großzuziehen. Am liebsten würde ich hingehen und Mustafa in den Arm nehmen.
Danke für das Gespräch.
Ich danke dir! Es hat mir wieder einmal viel Spaß gemacht! 😊

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