Sonntag, 22. November 2020

[Buchvorstellung einmal anders] Schlechtes Karma von Kaia Rose

 


Buchvorstellung einmal anders 

Heute treffe ich mich mit dem Protagonisten Lukas aus „Schlechtes Karma“ und dessen Autorin Kaia Rose.

Claudia: Hallo, danke, dass ihr heute Zeit habt und für das Buch antwortet. Würdet ihr euch vielleicht gegenseitig interviewen?
Kaia: Aber klar doch, ich plaudere immer gern mit meinen Protagonisten. 
Lukas: Ich hab das zwar noch nie gemacht, aber warum nicht?
Claudia: Ich hatte ein langes Gespräch mit deiner Autorin, deshalb wäre es schön, wenn du dich meinen Lesern vorstellen könntest.
Lukas: Ich bin fünfunddreißig Jahre alt, Bankangestellter und lebe in einem kleinen Dorf in Tirol, umgeben von Bergen. Bis vor kurzem habe ich mit meiner Verlobten zusammengelebt, wir wollten eine Familie gründen. Aber daraus wurde leider nichts. (Seufzt) 

Lukas: Können wir das Buch in möglichst wenig Sätzen beschreiben, vielleicht sogar ohne den Klappentext abzulesen? 
Kaia: Aber klar doch! Bei dieser Gelegenheit wirst du erfahren, dass du ein biblisches Vorbild hast. – Schau nicht so verblüfft, es ist wahr! Und das, wo du doch mit der Kirche nicht allzu viel am Hut hast (zwinkert ihm zu). 
Kurz gesagt handelt es sich um eine moderne Hiobsgeschichte. Ein sympathischer Mann, der bisher ein völlig unauffälliges Leben geführt hat, taumelt plötzlich von einem Schicksalsschlag zum nächsten. Gemeinsam mit dem Protagonisten fragt sich die Leserin, der Leser, was es mit dieser unheimlichen Folge von Zwischenfällen auf sich hat. Zufall? Oder steckt eine übernatürliche Macht dahinter? 

Lukas: Macht es dir Spaß, deine Protagonisten ein wenig zu quälen? Sie in Situationen hineinzuwerfen, die schwierig sind? Warum nicht einfach und schön? Müssen Gefahren und Stolpersteine immer sein? 
Kaia: Immer nur schön wäre doch langweilig! Und vergiss nicht, es ist eine Hiobsgeschichte. Immer wenn ich die Bibelstelle hörte, fragte ich mich, was wohl im Kopf dieses armen Hiob vorgegangen sein muss. Was eine solche Folge von Schicksalsschlägen mit einem Menschen macht. An dir habe ich es dann durchexerziert – so Leid es mir für dich tut, mein Lieber. 

Lukas: Hast du auch eine Lieblingsstelle im Buch, die du den Lesern vorstellen möchtest? Meine ist, und jetzt wirst du lachen, die Szene in der Kirche. Die ist so richtig schön ungut. (Grinst) Ich bin ja wohl doch ein wenig masochistisch veranlagt. 
Kaia: Siehst du, ahnte ich es! Lukas und die Religion … Diese Stelle mag ich auch sehr. Und die Szene am Skihang. Da steckt so viel Action drin, außerdem liebe ich das Skifahren und versetze mich gern in die Situation hinein – wenn auch nicht unbedingt in deine an diesem Tag. Am berührendsten finde ich die Schlussszene. Aber darüber werde ich hier nicht mehr verraten, ich will ja nicht spoilern. 

Lukas: Wie viel echte Kaia steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderen Charakter? 
Kaia: Wie in jedem Buch steckt auch in diesem vieles von mir. Allerdings nicht unbedingt in einem bestimmten Charakter. In diesem Fall habe ich mehr aus der Rolle eines neutralen Beobachters heraus geschrieben.
Claudia: Lukas, unter uns. Wie würdest du als Hauptprotagonist deine Autorin beschreiben?
Lukas: Nun ja. Sie muss etwas sadistisch veranlagt sein, sonst täte sie mir nicht an, was sie mir antut. Sie hat viel Verständnis für menschliche Schwächen – (grinst frech) wahrscheinlich wird ihr die eine oder andere auch nicht fremd sein – und ich würde vermuten, dass sie zu Extremen neigt. In jeder Hinsicht wahrscheinlich. 
Kaia (grinst): Da könntest du Recht haben … Aber so sadistisch, wie du annimmst, bin ich nicht. Ich kann sogar richtig nett sein, ich zeige es nur nicht immer.
Claudia: Wann kam die Idee zum Titel? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du  vielleicht sogar Mitspracherecht?
Lukas: Also mich hat keiner gefragt. Aber ich hätte nichts dagegen einzuwenden gehabt, der Titel passt wirklich gut zu meiner Geschichte. 
Kaia: Für mich stand der Titel bereits in dem Moment fest, indem ich die Geschichte andachte. Die Eingangsszene ist (so erschreckend das sein mag) der Realität entnommen. Einem Freund von mir ist das wirklich passiert, seine Partnerin behauptete damals, er habe schlechtes Karma. Den Rest der Story habe ich aber frei erfunden. 

Lukas: Sind wir zu 100% mit dem Cover zufrieden oder hätten wir nachträglich noch etwas ändern sollen? 
Kaia: Ich denke, es gibt sehr gut die düstere Grundstimmung der Geschichte und das winterliche Ambiente wieder. Ich bin zufrieden damit. Und du? 
Lukas: Ich bin in solchen Dingen nicht sehr kreativ – du weißt ja, ich bin ein Zahlenmensch. Ich könnte mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie es sonst aussehen sollte.
Claudia: Wisst ihr, was mich noch interessieren würde? Euer jeweiliges Lieblingszitat aus dem Buch.
Lukas: Das schwere Tor schloss sich knarrend hinter ihm. Drinnen erwartete ihn geheimnisvolles Halbdunkel. Außerhalb der Messzeiten leuchteten die vielarmigen Lampen, die von der Decke hingen, nur gedämpft. Der Mittelgang war noch in Licht getaucht, aber die Nischen und Ecken verloren sich in Düsternis. Beklommen blickte sich Lukas um. Die schemenhaften Gestalten der Heiligen und Märtyrer, die ihm aus dem Dunkel entgegenstarrten, hatten etwas Bedrohliches. Wann hatte er zuletzt eine Kirche von innen gesehen? Es musste Jahre her sein! 
Was willst du hier? Siehst du nicht, dass du an diesem Ort ein Fremder bist? Spar dir die Mühe und kehr um! 
Kaia: Um mein Image als Sadistin zu pflegen, entscheide ich mich für dieses Zitat: 
Draußen war es dunkel geworden. Von seinem Fenster aus blickte Lukas genau auf den beleuchteten Baum im Garten gegenüber. Der Lichterglanz erinnerte ihn an seine Kindheit. Die Vorfreude auf das Christkind! Der Zauber der Weihnacht! Immer hatte er gehofft, einen Blick auf einen Engel zu erhaschen, aber nie war es ihm gelungen. Wie viele Jahre waren seit damals vergangen! Wie sehr hatte er sich verändert, und welche unerwarteten Wendungen hatte sein Leben genommen! Aus Engeln waren Dämonen geworden, und obwohl er sie nicht sehen konnte, beherrschten sie sein Leben. 
Und das wird sich auch nie wieder ändern. 
Lukas schauderte bei diesem Gedanken. Er war sich selbst fremd geworden – ein Monster, das Leid und Tod verursachte, wohin es auch kam. 
Zeit, deiner wertlosen Existenz ein Ende zu bereiten. 
Zeit, seiner wertlosen Existenz ein Ende zu bereiten.
Claudia: Vielen Dank für das Gespräch.
Lukas: Sehr gern, ich danke. Es war auch für mich erhellend. 
Kaia: Hat Spaß gemacht. Danke, Claudia! Danke, Lukas!

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