Sonntag, 26. Juli 2020

[Autoreninterview] Sylvia Halcour

Autoreninterview
Sylvia Halcour

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Hallo, ich bin Sylvia Halcour, Autorin, 37 Jahre alt, aus Köln. Ich schreibe Bücher über die Liebe – und neuerdings auch über mein Leben.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Es gab nicht das eine Schlüsselerlebnis, das mich dazu bewegt hat. Ich habe als Kind schon geschrieben, kleinere Geschichten. Und dann, als ich erwachsen war, gab es Zeiten, in denen so viel Leben war – im schlechten und im guten Sinne – dass ich es irgendwie festhalten wollte. Autorin bin ich jedoch erst geworden, als ich begonnen habe, die Geschichten zu verfremden, umzustellen, neu auszurichten. Wenn ich eine Idee gefasst habe, spinnen sich die Geschichten vor meinem inneren Auge fort, wie in einem Film, und ich versuche das, was ich sehe, so zu beschreiben, dass die Leser diesen Film auch sehen.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Meine letzten beiden Bücher sind Liebesromane im weiteren Sinne. Im weiteren Sinne, weil es Geschichten aus dem echten Leben sind. Mit Protagonisten, die manchmal straucheln und hadern und verletzte Seelen haben. Es geht nie nur um Lust und Leidenschaft, sondern auch um den Menschen, der liebt, lacht und leidet.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Gerade erscheint mein drittes Buch, eine autobiografische Erzählung über eine Fehlgeburt, die ich vor einigen Jahren erlitten habe. Ein neues Buch habe ich noch nicht begonnen, aber mir schwirrt eine Idee im Kopf herum, über einen neuen Liebesroman.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Ich schreibe oder verbringe Zeit mit meinen Kindern. Ein lang gehegter Traum von mir ist wieder Reiten zu gehen. Das schaffe ich nur zeitlich im Moment nicht.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Ich lese mich gerne durch die Spiegel-Beststellerliste. Elena Ferrantes Bücher haben mich begeistert, ich mag aber auch die Bücher von Juli Zeh. Sehr beeindruckt hat mich auch die neuere amerikanische Literatur, etwa von Lisa Taddeo und Claire Lombardo. Und zwischen den großen Namen lese ich auch gern Bücher von Indie-Autoren, so wie ich es bin.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Am liebsten schreibe ich auf meiner Terrasse. Ich wohne in der Stadt, habe aber dennoch das Glück, auf Gärten mit großen, alten Bäumen zu blicken.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Da ich nur nebenberuflich schreibe, gehe ich wochentags ganz normal zur Arbeit. Nachmittags bin ich mit meinen Kindern zusammen und widme mich meinen Projekten. In Ruhe schreiben kann ich natürlich erst abends, wenn die Kleinen im Bett sind.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Ich lese und schreibe gerne Liebesromane. Dass ich nun eine autobiografische Erzählung veröffentliche, ist Neuland für mich. Ich werde sehen, wie es sich anfühlt. Natürlich schlägt Kritik dann eher zu mir durch, da es nicht um eine von mir kreierte Figur geht, sondern um mein Leben und meine Person. Andererseits kommt man mit seinen Lesern manchmal auf eine sehr persönliche Ebene, was ich sehr genieße.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Ja, von Mark Twain: »Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du zwar weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.« 
Ein Zitat zu finden, was meine Arbeit beschreibt, ist gar nicht so einfach. Aber vielleicht passt hier ein Zitat aus meinem letzten Roman Unsichtbarer Staub. Dort sagt die Hauptfigur Mila zu ihrem Freund Kaspar: 
»Aber ich weiß auch, warum du so gefühlt hast, und zwar, weil du mich liebst. Ja, Kaspar, sieh ruhig weg, aber ich weiß es genau. Der Schmerz ist so unerträglich, weil du mich liebst.« 
Für mich sagt dieser Satz sehr viel. Vor allem: Wer liebt, der leidet auch. Wahre Liebe ist fast immer auch mit Schmerz verbunden. Und über diesen Schmerz schreibe ich.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Ich liebe Frankreich und beneide die Franzosen um ihre Leichtigkeit und Lebensfreude.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Ich bin sehr offen für Kritik. Ich habe gelernt, dass einen gerade beim Schreiben kaum etwas so sehr weiterbringt wie ein kritischer Leser. Auch wenn mir eine Kritik im ersten Moment abwegig erscheint, steckt immer ein Körnchen Wahrheit darin. Das heißt nicht, dass Kritik mich nicht treffen kann. Aber ich versuche mich auf den Inhalt zu konzentrieren.
Warum hast du dich entschieden Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Ich bin mit Leib und Seele Selfpublisherin, aus unterschiedlichen Gründen. Vor allem brauche ich die Freiheit und möchte mein eigenes Ding machen. Mittlerweile verfüge ich über alle notwendigen Kontakte (Lektoren, Designer, Testleser etc.), um meine Bücher in der Qualität, wie ich sie mir selbst von einem Buch wünsche, auf den Markt zu bringen.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Ich freue mich immer, wenn ich es schaffe, mit meinen Geschichten Menschen zu berühren. Das ist der größte Lohn für mich als Autorin.

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