Dienstag, 23. April 2019

[Buchvorstellung einmal anders] Das Geheimnis der schwedischen Briefe von Tanja Bern


Buchvorstellung einmal anders 

Heute treffe ich mich mit der Autorin Tanja Bern, um mit ihr über ihr Buch zu reden.
Danke, dass du heute Zeit findest, um für das Buch zu sprechen.
Für meine Geschichten habe ich doch immer Zeit. Ich danke dir für die Möglichkeit.
Beschreibe uns dein Buch doch in max. 5 Sätzen.
Es geht um ein großes Familiengeheimnis und um die eine große Liebe, die einen auch nach Jahrzehnten nicht loslässt. In „Das Geheimnis der schwedischen Briefe“ muss sich Emilia um ihre Urgroßmutter Johanna kümmern, die alleine nicht mehr zurechtkommt. Durch sie taucht Emilia in Johannas Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg ein und erlebt all das Leid, aber auch eine unerschütterliche Liebe zu einem Mann, von dem Emilia nie zuvor etwas gehört hat. Später reist Emilia nach Schweden, um weiter nach der Wahrheit zu forschen und findet dort viel mehr, als sie erwartet hat.
Du schickst deine Protagonisten in so manche schwierige Situation. Macht es dir Spaß deine Protagonisten auch manchmal an ihre Grenzen zu treiben?
Ich würde es nicht als Spaß bezeichnen. Es ist harte Arbeit und oft sehr emotional. Im Moment des Schreibens bin ich ja tief mit der Figur verbunden und empfinde, was sie fühlt. Da gibt es auch mal Tränen meinerseits. Ich gebe zu, dass mir spannende Szenen trotzdem meist sehr gut von der Hand gehen, und es ist erlösend, sie aufzuschreiben. Aber es ist mit sehr vielen Gefühlen verstrickt, die ich nicht immer von meinen eigenen trennen kann. Manchmal verzweifle ich auch an meinen Figuren, weil die fast immer ein Eigenleben haben und ihren Kopf durchsetzen. Das ist aber gut so, denn nur so entwickelt sich die wahre Story aus dem Exposé heraus, das ich immer als roten Faden nehme.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Diese kleine Szene liebe ich besonders, weil ich mich haargenau an diesem Ort so gefühlt habe wie Emilia. Hier taucht sie das erste Mal in die Natur Schwedens ein, und beim Schreiben war mir, als sei ich selbst wieder dort. Das war wunderbar!

Emilia lief bis zu einem nahen Trampelpfad zurück, der vom See aus in den Wald hineinführte. Es roch nach dem Harz der Nadelbäume. Sonnenschein sprenkelte den Erdboden. Ein Rotkehlchen landete vorwitzig in Emilias Nähe auf einem Ast, flog aber rasch davon, als sie vorsichtig die Hand ausstreckte. In den Baumkronen piepste und raschelte es.
Sie blieb stehen, verharrte, lauschte …
Das erste Mal seit Jahren fühlte sie vollkommene Ruhe in sich. Ihr bisheriger Lebensstil hatte sie förmlich vor sich hergetrieben. Immer erreichbar, immer bereit, allen zu helfen. Und in den wenigen Pausen ließ sie sich vom Fernsehprogramm beschallen. Nur dann konnte sie ihre sich rotierenden Gedanken abschalten. Aber hier ordnete sich auf seltsame Weise ihr Verstand. Sie fühlte sich frei und mit diesem Ort verbunden.
Emilia sah sich noch einmal zum See um, zog sich Schuhe und Strümpfe wieder an, um dem Pfad zu folgen, der von Tannennadeln bedeckt war.
Die Wanderung führte sie über Hügel voller Wurzelgeflechte, durch sumpfiges Gebiet, in dem nur ein schmaler Grat trocken hindurchführte, und auf eine Lichtung, die fast im Herbstlaub der vergangenen Jahre versank.
Vereinzelte Birkenblätter, von der Sonne beschienen, fielen wie goldene Schneeflocken auf den Waldboden. Die helle Rinde der Bäume bildete einen Kontrast zu den hohen Eichen, von denen sie umrahmt wurden. Emilia schaute durch die lichten Wipfel der fünf Birken, die wie eine Familie zusammenstanden. Die anderen Bäume umgaben sie in einigem Abstand wie geheime Beschützer.
Über ihr spannte sich ein Himmel in sattem Blau. Wind bewegte die obersten Äste. Ein Greifvogel zog hoch oben seine Kreise. Sein Ruf hallte bis zu ihr auf die Lichtung.
All dies fühlte sich für Emilia besonders an. So Vieles hatte sie gar nicht mehr wahrgenommen, weil ihr Blick wie verschleiert gewesen war.
Wie viel echte Tanja steckt in dem Buch oder in dem ein oder anderem Charakter?
Oh, ich denke, eine Menge, auf ganz unterschiedliche Weise. Das fällt mir aber erst auf, wenn ich das Buch überarbeite. Es ist also nicht bewusst so kreiert. Es sind immer so Kleinigkeiten, die ich dann selbst entdecke und total verwundert darüber bin, weil mir die Figur oft charakterlich gar nicht ähnelt. Ich finde das immer sehr interessant und auch berührend, da es oft diese Kleinigkeiten sind, die die Figur letztendlich zum Leben erweckt hat, zumindest für mich. In „Das Geheimnis der schwedischen Briefe“ steckt aber auch sehr viel von meiner Oma. Ihre Erzählungen vom Krieg haben mich immer inspiriert, obwohl ich dem Thema Zweiter Weltkrieg sonst eher ausgewichen bin. Durch ihre Erinnerungen ist aber schließlich die Buchidee entstanden, und sie hat mir bei der Recherche total geholfen. Für sie war es übrigens sehr tröstlich, endlich in der Intensität darüber zu sprechen, nach all der Zeit.
Wie würden dich deine Protagonisten beschreiben?
Ha ha, sie würden mich wahrscheinlich als ziemlich stur bezeichnen. Ich bin ihre schreibverrückte Geschichtenerzählerin, und wir lieben uns. Wahrscheinlich würden sie aber auch über meinen Kaffeekonsum meckern und ausplaudern, dass ich mit ihrer Hilfe gewisse Szenen sogar nachspiele, um mich einfühlen zu können. Ich denke, sie würden aber auch sagen, dass ich sehr ehrgeizig und hilfsbereit bin, für Freunde immer da sein werde, und Tiere einen hohen Stellenwert für mich haben.
Mich würde noch dein Lieblingszitat interessieren.
Ich liebe William Butler Yeats:
Come away, O human child
To the waters and the wild
with a fairy, hand in hand
For the world's more full of weeping
than you can understand.
Die Legenden um Feen und Elfen sind für mich sehr faszinierend, und die irischen Sídhe aus meiner ersten Fantasyreihe, die ich gerade umarbeite, sind mir immer ganz nah. Wenn ich sie „flüstern“ höre, komme ich mir immer vor wie das Kind in dem Gedicht.
In Schweden habe ich mich übrigens auch sehr der Natur verbunden gefühlt. Dort könnten wirklich auch heute noch Sagengestalten leben. Zumindest fühlt es sich so an, wenn man dort durch die Wälder streift.
Danke für das Gespräch! 
Ich habe zu danken! ♥ Ich freue mich immer sehr über das Interesse von Lesern und Bloggern.

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