Sonntag, 21. April 2019

[Autoreninterview] Nadja Losbohm

AUTORENINTERVIEW
Nadja Losbohm

Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Hallo zusammen, ich bin Nadja, 36 Jahre alt, lebe und schreibe in Berlin Geschichten für jedes Alter, am liebsten mit einer großen Tasse Stracciatella-Cappuccino zur Hand.
Wie bist du zum Schreiben gekommen? 
Ich habe schon seit Kindheitstagen an gerne gemalt und gezeichnet. Als ich dann im Alter von neunzehn Jahren die Arbeiten eines Künstlers/Schauspielers kennenlernte, der so viele verschiedene kreative Dinge machte und sich nicht nur auf ein, zwei beschränkte, inspirierte es mich dazu, auch mal etwas Neues auszuprobieren. So fing ich mit dem Schreiben meines ersten Fantasyromans an.
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns bzw. die Reihen in max. 5 Sätzen beschreiben? 
Bisher sind von mir erschienen ein Fantasy-Abenteuer, das sich um eine magische Blüte handelt, eine sechsteilige Fantasy-Romance-Reihe namens „Die Jägerin“, deren Heldin mit einer großen, frechen Klappe, ein paar Pfunden zu viel auf den Hüften und einem Dickschädel daherkommt und die sich mit einem sagenhaft alten, der aber nicht danach aussieht, Priester herumschlagen muss. Dass da Rambazamba vorprogrammiert ist und auch ein bisschen Liebelei ;-), ist verständlich. Außerdem ist das Kinderbuch „Hamster Stopfdichvoll & seine Freunde“ mit Kurzgeschichten und Gedichten, in denen Themen behandelt werden, die mir persönlich am Herzen liegen wie Mut, Respekt, Toleranz, erschienen, auf das dann ein historischer Fantasyroman mit dem Priester aus „Die Jägerin“ folgte, einfach aus dem Grund, weil meine weibliche Leserschaft einen kleinen Narren an ihm gefressen hat und gerne mehr über sein phänomenales Leben erfahren wollte. Und schließlich erschien mein kleines Überraschungsbuch, die Kurzgeschichten-Sammlung „Die Magie der Bücher“, in der die Bücher selbst die Hauptrolle spielen. Überraschung deshalb, weil ich nie damit gerechnet hätte, dass die märchenhaften Geschichten so gut ankommen und es für sie eine Nominierung für den Deutschen Phantastik Preis in 2017 geben würde. Das war einfach nur verrückt.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Im geheimen Schreib-Kämmerlein werkele ich schon an einer neuen Kurzgeschichten-Sammlung, die sich mit Themen befassen soll, über die man nicht besonders gerne laut spricht, mit denen aber durchaus mehr Menschen zu kämpfen haben, als wir wahrhaben wollen. Außerdem bereite ich die Arbeit am zweiten Band meiner historischen Fantasy-Reihe „Die Tagebücher des Michael Iain Ryan“ vor.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Ich lese wahnsinnig gern oder gehe spazieren oder schaue mir „The Vampire Diaries“ auf DVD in der Dauerschleife an. J
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Einen bestimmten Lieblingsautor habe ich so nicht. Es gibt einfach zu viele wunderbare AutorInnen. Aber ich lese sehr, sehr gerne die Bücher von Brent Weeks oder Walter Moers. Als Lieblingsbücher würde ich jedoch tatsächlich die „His-Fair-Assassin“-Reihe von Robin LaFevers nennen. Die habe ich schon zweimal gelesen und freue mich auf das dritte Mal. Einfach wunderbar geschrieben.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Einen festen Schreib- oder Arbeitsplatz habe ich eigentlich nicht mehr. Früher habe ich sehr gerne an meinem Schreibtisch gesessen, der am Fenster steht. Wenn es mal beim Schreiben hakte, habe ich einen Blick nach draußen geworfen und die wunderbarsten Ideen fielen mir dabei ein. Mittlerweile sitze ich eher am Couchtisch, der wesentlich größer ist. Dort kann ich mich hervorragend ausbreiten mit all meinen Notizen. Im Sommer sitze ich aber auch gerne draußen in der Sonne und schreibe.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Einen normalen Tag gibt es bei mir so nicht. Fakt ist jedoch, dass ich immer früh aufstehe und eine Tasse Stracciatella-Cappuccino beim Schreiben muss auch sein. Ob ich dann aber schon nach dem Aufstehen gleich den Stift in die Hand nehme, ist fraglich. Es gibt so Phasen, da funktioniert das Schreiben morgens, wenn noch alles ruhig um mich ist, am besten. Und dann wieder schreibe ich nachmittags oder abends. Ich lege mich da auch nicht fest. Wenn eine Geschichte geschrieben werden möchte, dann meldet sie sich bei mir und ich höre auf ihre Wunschzeit, wann ich sie aufschreiben soll. ;-)
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben ist es Fantasy. Ich lese wahnsinnig gern in diesem Genre, ob düster oder romantisch, gerne auch aus dem Jugendbuchbereich. Ich selbst schreibe ja auch Gemischtes: romantisch, düster, historisch oder märchenhaft.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Mein Lieblingszitat stammt aus „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde und lautet: „Jeder von uns hat Himmel und Hölle in sich.“ Ich verstehe es so, dass niemand nur gut und niemand nur schlecht ist. Jeder von uns, egal wer und wie viel man von sich selbst halten mag, hat eine helle und eine dunkle Seite. Das hilft vielleicht dabei, Verständnis zu haben füreinander.
Was das Zitat aus meinen eigenen Büchern angeht – hm, vielleicht dieses hier: „Ich habe vieles durchgemacht, viel Schmerz erfahren und Enttäuschung. Doch all das Schlechte hat mich zu dir geführt.“ Ich habe in den letzten Jahren auch viel Schlimmes mitgemacht, was mich verändert hat und nach wie vor beeinflusst. Gleichzeitig nutze ich einiges daraus, um es in meine Bücher einzufügen, und es hat meinen Schreibstil sicherlich verändert und beeinflusst, was ein Stück weit vielleicht positiv ist, denn ohne all das gäbe es manche Geschichten von mir gar nicht. Und doch muss ich sagen, dass ich auf diese Erfahrungen und Erlebnisse aus jener Zeit gerne verzichten würde.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Ich liebe Großbritannien. Ich mochte schon immer die englische Sprache, die Legenden, die Burg- und Klosterruinen. Ich habe schon fast jede Ecke des Landes bereist, bis auf Wales. Vielleicht klappt das nochmal irgendwann.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Das kommt darauf an, wie die Kritik vorgebracht wird. Der Ton ist wichtig und die Wortwahl. Heutzutage verwechseln viele die freie Meinungsäußerung mit Beleidigungen. Wenn man etwas sachlich vorträgt und erklärt, ist das etwas ganz anderes, als wenn man einfach Kraftausdrücke verwendet und in die unterste Schublade greift. Mit Worten kann man nicht nur Schönes beschreiben, sondern auch viel Schaden anrichten und verletzen. Ich musste den Umgang mit Kritik erst lernen. Das fällt am Anfang schwer, aber man muss damit auch rechnen, wenn man, wie in meinem Fall oder in denen vieler anderer AutorInnen, mit seinen Geschichten an die Öffentlichkeit geht.
Warum hast du dich entschieden Selfpublishing zu machen und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Eine bewusste Entscheidung war es ehrlich gesagt nicht. Ich würde gerne bei einem großen Verlag, besonders bei meinem Lieblingsverlag, unterkommen. Ich habe meine Manuskripte auch eingesendet an diverse Verlagshäuser, aber entweder bekam ich keine Antwort oder Absagen. Heißt das nun, dass meine Geschichten schlechter sind als die, die angenommen wurden? Keine Ahnung. Die LeserInnen, die ich bisher erreichen konnte, sagen überwiegend anderes. Selfpublishing war die Lösung für mich, damit meine Geschichten, die bisweilen anders und ungewöhnlicher sind als das, was man in der Buchhandlung findet, nicht in der Schublade versauern. ;-)
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Zum einen möchte ich mich bei euch bedanken, dass ihr mir eure Zeit geschenkt habt, indem ihr das Interview lest. Zum anderen möchte ich euch ermutigen, falls ihr meine Bücher noch nicht kennt, einfach mal reinzuschauen und etwas Neues auszuprobieren. Zugegeben, weder meine Geschichten noch ich sind perfekt, aber wir haben dir eine Menge zu erzählen.

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