Montag, 2. März 2020

[Autoreninterview] Mari März

Autoreninterview
Mari März


Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?

Autorin. Lektorin. Freigeist.
Mein Lieblingswort ist MENSCH: Pur. Klar. Genderfrei.
So steht es in meinen Social-Media-Profilen. 😊
Was dort nicht steht: Ich bin ein kontrollwütiger Pedant und als Tochter einer Pädagogin passionierte Klugscheißerin. 2013 machte ich die Not zu einer Tugend und mich selbständig. Mein bürgerliches Ich (Marion Mergen) ist Lektorin, die quasi fürs Klugscheißen bezahlt wird. Mein kreatives Ich (Mari März) kann in ihren Geschichten all die Facetten ihrer Persönlichkeit ausleben, die sie im wahren Leben wohl in die Klapsmühle bringen würden. Ich mag keine Schnörkel und bringe Dinge gern auf den Punkt, selbst wenn ich dafür bisweilen viele Buchstaben benötige.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Viele Autoren sagen immer, sie hätten schon als Kind geschrieben. Das habe ich auch, aber darüber spreche ich nur selten. Warum? Weil es nie mein Wunsch war, Autorin zu werden. Weniger aus mangelnder Leidenschaft, sondern begründet durch die Tatsache, dass ich immer glaubte, Schriftsteller wären ausnahmslos die mit den großen Namen und/oder fetten Verlagsverträgen. Als ich vor sieben Jahren mein Leben neu startete, kam mir zum ersten Mal der Gedanke, ein Buch zu schreiben. Nicht um erfolgreich zu werden, da war und bin ich realistisch, nein, sondern weil ich etwas zu sagen habe. Diese Intention blieb. Natürlich möchte ich mit dem Schreiben gern Geld verdienen und ich freue mich über jeden Leser, aber nicht um jeden Preis. Damals brachte ich einige Ideen zu Papier und schickte sie diversen Verlagen. Einige meldeten sich sogar und wollten seinerzeit das Manuskript von KLIPP KLAPP ... Bis dato war es allerdings nur in meinem Kopf. Ich wollte erst schreiben, wenn mir jemand mit Ahnung sagte, dass ich es könnte. Offensichtlich war das Anfang 2014 der Fall und so begann ich mit dem Schreiben.
Welche Bücher sind bis jetzt von dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
PSYCHOPAT: Die Geschichte einer Frau zwischen Licht und Schatten. Pat war Model, ihr Leben bestimmt von Blitzlicht und Glitzer. Glanz & Gloria! Doch dann gehen die Scheinwerfer aus und sie ist gezwungen, sich ihrer bipolaren Persönlichkeitsstörung zu stellen ... und ihrer Vergangenheit.

DER TÄNZER: Eine Gay-Geister-Geschichte. Ein Blick in die Vergangenheit. Eine Hommage an die sexuelle Freiheit. Gegen das Vergessen!

2025 – WENN DAS LICHT ERFRIERT: Meine Vision von einer Zukunft, wie sie uns niemals widerfahren sollte. Doch stehen die Zeichen gut, dass die Eindimensionalität gewinnt, Hass und Gewalt die Welt regieren, die Hoffnung stirbt – jeden Tag ein bisschen mehr – und das Licht erfriert.

PLANET DER ALTEN: Inspiriert von »Der Planet der Affen« (Original: La Planète des singes) von Pierre Boulle. Diese Novelle entstand im Strange Tales Club für unsere zweite Anthologie #EREIGNISHORIZONT. Eine Dystopie. Eine Ode an die Vernunft. Eine Warnung an uns alle.

REDRUBI: Mein Märchen für Erwachsene. Was, wenn Rotkäppchen gar nicht unschuldig war? Es ist die Geschichte vom Mädchen mit dem roten Haar. Inspiriert von keltischer Mythologie, entstanden an den Ufern der Irischen See. Eine fantastische Geschichte, die Bestandteil meiner MondZauber-Reihe ist.

MondZauber #1 – VERWANDLUNG: Die Geschichte einer Hybridin – halb Gestaltwandler/halb Hexe. Lyra erfährt im ersten Teil, warum sie anders ist als ihre Klassenkameraden, anders als ihre beste Freundin Emily. Und nein, sie verwandelt sich nicht in einen Wolf. Sie ist aber auch kein artiges Miezekätzchen! Glitzerfreie Urban-Fantasy an realen Orten, die ich alle besucht habe.

MondZauber #2 – VERSUCHUNG: Lyra hat sich damit abgefunden, anders zu sein. Doch was bedeutet das überhaupt? Sie flieht aus Brandenburg, lebt in Irland gemeinsam mit einem Rudel Werwölfen und begibt sich nach Venedig, wo sie nicht nur sich selbst, sondern auch eine Nymphe, einen Faun und REDRUBI kennenlernt.

MAD-MIX: Hier findet ihr alle meine Kurzgeschichten in einem Sammelband. So auch meine ROSE – Die Grande Dame des Bio-Recyclings oder MissVerständnis – die durchgeknallte Ratgeberautorin, die nicht mehr ratgeben will.

KOMÖDIE INFERNALE: Diese bitterböse Kurzgeschichte ist ebenfalls in meinem MAD-MIX enthalten. In ihr will kein Geringerer als Adolf Hitler der Hölle entfliehen, die mittlerweile digitalisiert ist. Genau wie der Himmel. Weder Gott noch der Teufel sind begeistert von Adi, Nummer 88. Demnächst erscheint die Geschichte separat als E-Book und vielleicht auch als Bonus im satirischen Roman eines lieben Kollegen. Näheres hierzu, wenn der Drops gelutscht ist.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk? 
Ja, und es macht höllischen Spaß. Nachdem meine MissVerständnis so gut ankam, mache ich derzeit aus den drei Kurzgeschichten einen Roman. Genauer gesagt habe ich mich breitschlagen lassen, der Story ein Etikett zu verpassen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich meine Bücher nicht für Schubladen, sondern lieber fürs Regal schreibe. Und doch ließ ich mich dazu hinreißen, mich in diesem Fall für nur ein Genre zu entscheiden. Es wird ein Psychothriller. Düster. Durchgeknallt. Dramatisch. Die Rohfassung ist fast fertig, dann geht das Manuskript an meine von mir sehr geschätzte Kollegin Marion Krafzik, die mir bereits bei PSYCHOPAT großartige Tipps für die Dramaturgie gegeben hat, sowie an zwei Testleserinnen, die mit der Persönlichkeitsstörung Borderline Erfahrungen haben. Denn meine MissVerständnis ist eine Grenzgängerin, die in den dunklen Abgrund ihrer Seele blickt. Schwarz ist die Abwesenheit von Licht.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten? 
In meiner Freizeit schreibe ich. Erfolgt ist nach meiner Auffassung die Summe aus Leidenschaft, Fleiß und Prioritäten. Ginge es nach mir, würde ich mich ein komplettes Jahr verkriechen, um all das aufzuschreiben, was mir seit Jahren durch den Kopf geistert. Täglich kommen Ideen hinzu, das macht mich bisweilen echt fertig. Aber da ist natürlich meine Familie, mein Mann, mein Sohn, meine Mutter, meine Schwestern und auch meine Freunde. Sie verstehen mich, geben mir Raum. Und deshalb ist es mir wichtig, ihnen ab und zu etwas zurückzugeben: Zeit. Gemeinschaft. Dann gehe ich gern brunchen, ins Theater und erfreue mich an einem guten Essen mit netten Menschen. Zudem verreise ich gern und dank meines Mannes auch oft, stille meinen Wissensdurst in Museen, anderen Ländern. Am liebsten bin ich am Meer. Dort fließen meine Gedanken. Die raue Natur schenkt mir Frieden und die Illusion von Freiheit.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautor, mit dem du gern einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Nein. Ich war noch nie jemand, der Idole besaß. Selbst als Teenager habe ich den Hype um irgendwelche Stars nicht verstanden. Ich respektiere ihn und damit Menschen, die ihren Idolen zujubeln. Mir macht das tatsächlich Angst, weshalb ich mich auch mit Fankontakten schwer tue. Ich definierte mich schon immer über Leistung, habe aber verstanden, dass Glanz & Gloria irgendwie wichtig sind. Natürlich in erster Linie für meine Leser. Deshalb stelle ich mich meiner Angst und trete in Interaktion, obwohl ich mich viel lieber verkriechen würde. 
Und Lieblingsbücher? Nun, ich schätze gute Bücher, komme aber seit Jahren kaum noch privat zum Lesen. Als Lektorin entwickelte ich eine gewisse Berufskrankheit, die mir dieses wunderbare Hobby zunehmend vermiest. Ich sehe nur die Fehler, kann nicht mehr entspannen und unvoreingenommen in die Geschichten abtauchen. Leider! Dafür habe ich den besten Job ever. Irgendwas ist schließlich immer. 😉
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Seit Mai 2019 schreibe ich am liebsten in unserer kleinen Ferienwohnung an der Ostsee. Mein Mann kaufte sie und hat leider oder zum Glück wenig Zeit. Letztes Jahr durfte ich dort vier Monate allein verbringen, in denen ich viel arbeiten aber auch viel schreiben konnte. Unser Sohn wird im September volljährig, weshalb ich meine Pflichten nach und nach zurückschrauben und mich an meinen Lieblingsplatz zurückziehen kann. 42 Quadratmeter Schreiboase, klein aber fein und vor der Tür der Bodden. Mein Element ist das Wasser, weshalb ich nirgendwo lieber bin als am Meer. Im April werde ich zehn Tage in Dänemark sein. Wie schon 2018 lassen meine Jungs mich in einem Ferienhaus allein zurück, während sie in Norwegen angeln. Damals schrieb ich PSYCHOPAT, dieses Jahr könnte es sein, dass mich die Muse küsst und ich BIPOLAR angehe. Worum es geht? Um Psychologie. Und Rache. Lasst euch überraschen!
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen? 
Ich arbeite zu Hause. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, dass ich ab etwa 8:00 Uhr am Schreibtisch sitze – mit einer großen Tasse Kaffee, ungeschminkt und in Wohlfühlklamotten. Für mich der wahre Luxus. 24 Jahre habe ich im öffentlichen Dienst gearbeitet, 14 davon im Deutschen Bundestag, auch für namhafte Politiker. Da konnte ich nicht im Schlabberlook aufkreuzen und für den Weg zur Arbeit brauchte ich täglich mehr als zwei Stunden. Heute sind es zwei Minuten. Sehr geil!
Der Nachteil? Ich bin immer präsent – für den Haushalt, den Postmann, Handwerker, Nachbarn, Alltagsprobleme ... Die Waschmaschine läuft, während ich bis etwa 14:00 Uhr über meinen Aufträgen als Lektorin oder Ghostwriterin sitze. Dann koche ich (meistens) und esse mit meinem Sohn. Nachmittags geht es zurück an den Schreibtisch. Weiter mit dem Lektorat, einem Artikel oder dem Schreiben eines Sachbuchs oder aber ich kümmere mich um die #BookBitches, den Strange Tales Club, Werbung in eigener Sache, der vierteljährlichen Umsatzsteuervoranmeldung oder Interviews wie diese. Geschrieben habe ich bislang immer nur in Auszeiten, weil dann mein Kopf frei ist für die eigenen Gedanken. Allerdings gab es diese Auszeiten eigentlich nie wirklich, weshalb ich seit 2020 dazu übergegangen bin, abends mindestens zwei Stunden in meine Buchprojekte zu investieren. Und so endet ein ganz normaler Arbeitstag meistens gegen 20:00 Uhr. Dann widme ich mich wieder dem Haushalt und meinem Mann. Mein fester Vorsatz für dieses Jahr lautet: wenigstens ein freier Tag in der Woche und im Urlaub keine Aufträge. Allerdings fällt mir das wirklich schwer. In meiner TEXTWERKSTATT bin ich bis Januar 2021 ausgebucht und dann sind da eben die vielen Ideen in meinem Kopf ... Ich muss definitiv weniger Zeit in den sozialen Netzwerken verbringen und hoffe hier auf euer Verständnis.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben? 
Sowohl als auch: Thriller. Kein spermatöses Gemetzel. Ich hasse es, wenn Gore oder Splatter immer öfter als Thriller verkauft werden. Als Lektorin respektiere ich diese Genres, lese auch gern mal Horror – guten Horror. Aber meine Passion liegt in der Spannungsliteratur. Klassische. Und ganz besonders Psychothriller. Wie wird ein Mensch zum Mörder? Wer sind die Opfer, wer die Täter? Was ist Gut und Böse? Gibt es diese scharfen Grenzen überhaupt oder ist es nicht viel interessanter, wenn sie ineinander übergehen? Mindfucking – das ist mein Thema. Skurrile Settings. Schräge Geschichten. Abnorme Charaktere, die jene Grenzen der Normalität sprengen, die sowieso nur eine Illusion sind. Ich liebe intelligente Dialoge, den Blick auf die Kehrseite der Medaille und Wortkreationen – egal, ob im Buch oder Film. Derzeit suchte ich die Serie »Hannibal«. Schon in den Neunzigern verfiel ich Thomas Harris, seit so vielen Jahren schweigen die Lämmer ... großartig! Darüber hinaus lese (oder las) ich gern den frühen Sebastian Fitzek, Jussi Adler-Olsen, Cody McFadyen, Stieg Larsson. Einer meiner Lieblingsfilme ist »Shutter Island« oder auch »The Sixth Sense«. Subtile Stories, die durch ihre Komplexität fesseln. Als Autorin will ich genau SO schreiben, auch wenn ich dafür noch etwas üben muss.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Ich verwende gern Zitate. Mein Problem ist nur, dass ich sie immer wieder vergesse. Es sind so viele! Aber ich habe für euch mal in meiner PSYCHOPAT geblättert und das hier gefunden:
»Pat rannte, ignorierte den Regen, die Kälte. Trotzte dem Wetter, den guten Ratschlägen ihres Bruders …
FREIHEIT!
Keine Konventionen, keine Verpflichtungen, keine Bevormundungen, keine Medikamente, keine Angst. Sie lief über die Düne, hin zum Leuchtturm. Niemand war hier, der sie aufhalten konnte. Keine Ärzte, keine Agenten, kein Alex … kein Patrick.
An einer riesigen Eiche machte sie halt. Riss sich die Mütze vom Kopf, zog die Jacke aus, dann die Schuhe, Hose, Socken, Pullover, Shirt, Slip … und rannte zum Ufer der Ostsee. Steine und Muscheln schmerzten unter ihren nackten Füßen.
Egal.
Der Regen wurde stärker. Die Tropfen hämmerten wie Kristalle auf ihre Haut.
Egal.
Die tosenden Fluten empfingen sie mit eisigen Klauen. Gischt schäumte an ihren Beinen empor. Pat lief weiter … hinein in das wogende Meer, hinein ins Wasser, das sie reinwaschen oder ihr den Tod bringen würde.
FREIHEIT!
Nichts war mehr wichtig, als ihr Körper untertauchte. Flach lag sie auf dem Bauch, spürte den Meeresboden unter sich. Inseln aus Tang umkreisten sie wie Satelliten.
Hier war sie der Mittelpunkt ihres Seins.
Hier musste sie keine Rücksicht nehmen, sich nicht zusammenreißen, keine Show spielen.
Hier, in den eisigen Fluten der Ostsee, war sie weder Pat noch Triz. Namen waren nicht wichtig. Nicht hier! Das einzige, was jetzt zählte, war sie.
Endlich!
Kein Gestern. Kein Heute. Kein Morgen.
Schwerelos!«
Besagte Eiche gibt es übrigens wirklich. Ich kenne sie von meinen diversen Besuchen in Dänemark. Sie steht am Ufer der Ostsee an der nördlichsten Spitze von Langeland.
Hast du ein Lieblingsland und warum?
In den vergangenen Jahren bin ich viel gereist. Für jedes Erlebnis bin ich sehr dankbar. Ich durfte vier Mal in Irland sein. Seine Weite, seine Mythologie und die Freundlichkeit seiner Menschen haben mich nachhaltig begeistert und nie wieder losgelassen. Aber auch Dänemark gehört zu meinen Favoriten, obwohl ich diese stringente Entscheidung eigentlich nur treffen könnte, wenn ich alle Orte dieses Planeten bereist hätte. Aber ja, die Dänen ähneln in Vielem den Iren, wenngleich die Bewohner der grünen Insel weniger pragmatisch veranlagt sind. Das für mich Sympathischste an den Iren ist, dass sie allesamt so wunderbar musisch sind. Die Leute dort singen. Einfach so. Beim Arbeiten, beim Shoppen, auf der Straße ... Sie sind unvoreingenommen und wissbegierig. Ja, ich denke, Irland ist mein Lieblingsland.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Sehr schlecht, das gebe ich gern zu. Ich nehme sie an, aber es dauert. Ich bin kein spontaner Ja-Sager, aber durchaus fähig, Fehler einzugestehen oder Wachstumsbereiche zu erkennen. Meine lieben Autorenkolleginnen Marion Krafzik und auch Alexandra Mazar können das sicherlich bestätigen. Ich schätze sie sehr für ihre Geduld mit mir. Nicht nur einmal kam es vor, dass sie etwas in Frage stellten, was ich zuerst vehement verteidigte, dann aber – nach einer Weile des inneren Konfliktes – durchaus als legitim erachtete und ... nun, die konstruktive Kritik annahm. Ähnlich verhält es sich bei Rezensionen. Ich habe das große Glück, bisher wenig schlechte erhalten zu haben, aber ich nehme sie mir durchaus zu Herzen. Nicht immer konstruktiv. Früher habe ich bei einer negativen Rezi wütend geheult, heute ertrage ich sie mit einem Zähneknirschen. Es kommt darauf an, wie Kritik geübt wird. Wenn jemand schreibt, ich hätte ihn nicht begeistern können, dann ist das sein oder ihr Ding. Im Laufe meines (Autoren-)Lebens habe ich mich davon befreit, es jedem rechtmachen zu müssen; zumal ich noch nie Everybody’s Darling sein wollte. Erklärt aber jemand schlüssig etwaige Defizite in meinen Geschichten, dann bin ich dankbar dafür, auch wenn es eine Weile dauern kann.
Warum hast du dich entschieden, Selfpublisher zu werden und nicht zu einem Verlag zu gehen?
Nun, ich habe meine Erfahrungen mit zwei Verlagen gesammelt. Einem großen Publikumsverlag, der anno 2014 das Wesen meiner Geschichte ändern wollte. Damals konnte ich die Kurve kriegen, bevor ich meine Seele verkaufte. Zwei Jahre später widerfuhr mir etwas ganz Ähnliches mit einem kleinen Verlag. Auch hier bin ich dankbar, aus der Sache raus zu sein. Mehr schlecht als recht. Es gab ... nun, sagen wir ... Kollateralschäden. Besagte Geschichte habe ich für mich sterben lassen müssen, da mir der Umstand, die Veröffentlichungsrechte nicht zurückzuerhalten, nicht nur furchtbar wehtat, sondern mir jegliche kreative Energie raubte. Deshalb zog ich einen brachialen Schlussstrich und widmete mich Neuem. Das Gute daran ist, dass ich all meine Erfahrungen zumindest fiktional verarbeiten kann – die positiven wie die negativen. Wie? Nun, ich kann die Arschlöcher in meinem Leben sterben lassen. 😉
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Ich hoffe, einige davon werden meine Leser ... oder sind es schon. 😊
Nein, im Ernst: Ich danke dir für deine Zeit, deine Leidenschaft, dein Engagement. Ohne euch fleißigen Blogger wären gerade wir Selfpublisher nur einsame Geschichtenerzähler ohne Publikum. In einer Zeit, da der Buchmarkt übersättigt ist, erhält eure Arbeit einen komplett neuen Stellenwert. Ihr seid die Trüffelschweinchen, und das meine ich ausschließlich positiv. Ihr trennt die Spreu vom Weizen, schafft Licht im Chaos des Übermaßes. Ihr helft den Lesehungrigen da draußen, nicht nur satt zu werden, sondern stilvoll zu speisen. Manchmal wünsche ich mir einen Blogger, wenn ich bei Kaufland vor einem zehn Meter langen Regal stehe und zwischen den Myriaden Sorten meinen Lieblingssenf suche. In meinen Augen ist genau das eure Aufgabe. Also nicht der Senf, sondern Bücher. Ihr trefft eine Vorauswahl und schaut bisweilen hinter die Kulissen, motiviert uns Autoren und sensibilisiert bestenfalls die Leser für die literarischen Delikatessen. Danke dafür.

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