Freitag, 6. März 2020

[Reiheninterview] Marc Anderson-Reihe von Jörg H. Trauboth

   

Reiheninterview 
Marc Anderson – Reihe 
von Jörg H. Trauboth


Heute treffe ich mich mit Jörg H. Trauboth, um mit ihm über seine Reihe rund um Marc Anderson zu sprechen.
Hallo, danke, dass Sie heute Zeit haben, um mit mir über Ihre Reihe zu reden.
Ich danke Ihnen, dass Sie sich auch für den 3. Band der Trilogie interessieren.
Können Sie uns die Reihe, bestehend aus den Büchern „Drei Brüder“, „Operation Jerusalem“ und „Omega“, mit wenigen Worten vorzustellen? 
Gern. Die Trilogie beschreibt den Weg des Elitesoldaten Marc Anderson und den seiner beiden besten Freunde, die sich alle „Brüder“ nennen. Marc Anderson trifft bereits im ersten Band seine große Liebe Karina Marie. Diese Liebe wird in den beiden Nachfolgebänden im Kampf um Leben und Tod eine zentrale Rolle spielen. Die Bücher sind vor allem Polit-Thriller. Sie greifen Themen wie den Terror, die Entführungsgefahr, die politische Situation in Deutschland und die Nah-Ost Politik der USA auf. Ich operiere jedoch in einer neuen Zeit, also auch mit politischen Führern in der Zukunft, die sich in allen drei Bänden wiederfinden und von den aktuellen Personen unserer Gegenwart sehr unterscheiden. Meine Leser finden es finde es erschreckend, dass einige meiner fiktiven Szenarien gerade aktuelle Realität werden. Darüber werde ich auch auf der anstehenden Buchmesse in Leipzig reden, wo übrigens die Trilogie auch als Hörbuch Premiere hat.
Die Charaktere wachsen mit ihren Aufgaben, entwickeln sich weiter, bestehen so manche Situation. Fällt es Ihnen leichter, sie durch einfache, lustige oder schwierige, düstere Zeiten und Situationen zu führen?
Die Charaktere wachsen, wie der Autor zweifelsohne mit ihnen. Marc zeigt bereits im ersten Buch eine weiche Seite, die sich in den Folgebüchern verstärkt. Ich wollte keinen langweiligen Einheitshelden aus der Retorte schaffen, der in allen Lebenslagen zielt und trifft, sondern einen Menschen, der auch zweifelt, weint und den Boden unter den Füssen verliert. Das spitzt sich besonders in OMEGA zu. Für jeden Charakter pflege ich ein Profil zu entwickeln. Oft mit Foto und einer Vita wie auf einem Personaldatenblatt. Ein Plot hat bei mir gern einen Umfang von zehn Seiten oder mehr. Nichts darf in einem Thriller dem Zufall überlassen bleiben. Jeder ad hoc Einfall muss auf Stimmigkeit geprüft werden. Besonders wichtig ist das bei der Darstellung der Protagonisten vom ersten bis zum dritten Buch. Dieses ist eine Trilogie über ein außergewöhnliches Team, über das Bewältigen von extremen Lebenssituationen, über Freundschaft, Verrat, Tod und Hoffnung. OMEGA war für mich bisher größte schriftstellerische Herausforderung. Ich wollte das Genre Thriller und die seelsorgerische Arbeit so miteinander verbinden, dass die Glaubwürdigkeit erhalten bleibt und die Spannung nicht verloren geht. Dieser Plot, an dem ich lange gearbeitet habe, war also ziemlich schwierig. Wenn ich dann beim Schreiben des Buches merkte, dass ein Teil übergewichtig wurde, wechselte ich auf die andere Seite. Vielleicht macht gerade dieses Wechselspiel den Reiz aus. Es erlaubte mir, weitgehend auf Cliffhanger zu verzichten. Ähnlich verfuhr ich mit der Sprache. Im sensiblen Bereich sind die Sätze daher ausführlich beschreibend, im Action-Teil fast schon Stakkato. Das Wagnis scheint gelungen. Ich freue mich, dass die ersten Rezensionen bei Lovely Books zu sehr positiven Kommentaren führen. (Anm. der Bloggerin: https://www.lovelybooks.de/autor/J%C3%B6rg-H.-Trauboth/Omega-2421239013-w/)
Haben Sie Lieblingsstellen in Ihrer Reihe, die Sie uns gerne vorstellen würden?
In DREI BRÜDER fand ich großen Spaß daran, das abstruse Auftreten des Ministerialrates Dr. Hartwig Bloedorn zu entwickeln, der einerseits äußerlich dem Bild eines steifen Ministerialbeamten entspricht und nach Dienstschluss in einem Kaftan unter einem Sternenhimmel in der Wüste sitzt.
Es gibt eine sehr schöne emotionale Szene zwischen meiner Bundeskanzlerin Dr. Henriette Behrens („Germanys best brand“) und ihrem Verehrer, dem Verteidigungsminister Paul Voss in dessem Haus. Beide fühlen sich intellektuell zum Philosophenkaiser Marc Aurel hingezogen. Mehr darf der Leser erahnen.
Oder wie Marc nach einem Absturz mit seinem Flugzeug auf dem Mittelmeer, eine Szene, bei der er – mit Verlaub – die Hosen voll hatte, lässig mit dem geretteten Lösegeld auf der Fläche seines untergehenden Flugzeuges steht und sich vom Eigner der Segelyacht in Rufweite fotografieren lässt.
Dann fällt mir eine Szene auf Mallorca ein, wie Marc von den Entführen in die Ermita de Betlem gelotst wird und dort hinter der Sakristei einen toten Mönch mit einer Nachricht findet. Die Szene ist schaurig genug , dass ich den Ort für eine Buchlesung aussuchte.
Ganz starkes Kino für mich ist schließlich der Show Down der Protagonisten im Haus der Unternehmerfamilie Ericson, wo der wahre Täter entlarvt wird. Es gibt Stellen, bei denen die Buchstaben geradezu in den Laptop fliegen aus Sorge, ein neuer Gedanke könnte verloren gehen. Das war so eine Stelle.
In OPERATION JERUSALEM denke ich gerade an eine Szene im Atlantik, wie Marc sich mit seinem Kampfschwimmer-Team der SUNDOWNER, auf der seine Frau als Geisel genommen wurde, annähert, die fünf Männer einen Kreis um Marc bilden und skandieren „für Karina Marie!“. Gänsehaut selbst beim Schreiben.
Die Befreiung der SUNDOWNER mit Marcs Team und Unterstützung der SEALS basiert auf viel Recherche und Insider-Informationen, denn über die Kampfschwimmer ist nicht viel bekannt. Wenige Tage vor Abgabe des Buches fand ich, dass noch ein Kick fehlte. Sie dürfen jetzt gern lachen. Der zündende Gedanke kam mir in der Badewanne (!), als ich das Badewasser ablaufen ließ. Das Schicksal der SUNDOWNER war besiegelt.
Ja, und in OMEGA fällt mir eine Szene ein, wie Marc von seinem Peiniger über den Jakobsweg gejagt wird und plötzlich auf eine Hündin stößt, die verletzt in einer Schlucht liegt. Er vergisst seinen Zeitplan und rettet das Tier. Spätestens hier ist er nicht mehr wie der Marc im ersten Buch.
Eine Testleserin meinte, besonders angerührt hätte sie die Szene, wie Pias Patentante Jelke bei der Trauerfeier in der vollbesetzten Kirche den leeren Kinderwagen- kleinen Pia. Danach versucht Marcs bester Freund Tom eine vorbereitete Rede, die vollkommen misslingt, und er sehr authentisch wird. Ich finde in der Kirche folgt eine Szene nach der anderen, bei denen ich beim Schreiben selbst emotional betroffen war.
Große Freude hat mir das Szenario im Tunnel gemacht, als Ali Naz Marcs Team unter dem Einsatz von Händels Wassermusik regelrecht flutete.
Wie viel echter Jörg steckt in Ihren Büchern oder dem einen oder anderen Charakter? 
Kaum einem Autor gelingt es, sich vollkommen zu verbergen. So ist auch in dieser Trilogie überall etwas von mir enthalten. Das hängt sicherlich mit meinem ziemlich bewegten Lebensweg als Luftwaffenoffizier, Krisenmanager und Notfallseelsorger zusammen. Meine gute Seite habe ich bei Marc, Karina Marie, dem Team und Jelke ausgelebt; meine finstere bei Ali Naz. Meine Liebe zu Tieren, besonders zu Hunden, ist offensichtlich. Nicht umsonst ist meine Hündin Carla, mit der ich den Jakobsweg gegangen bin, mit mir auf dem Autorenfoto von OMEGA zu sehen. So etwas macht man vielleicht bei einem Tierbuch. Die Regel gilt für mich nicht.
Wenn ich nun Ihre Protagonisten, Antagonisten oder Nebencharaktere fragen würde, wie würden sie Sie beschreiben? 
Also gut. Beginnen wir mit dem ersten Band - DREI BRÜDER:
Bundeskanzlerin Dr. Henriette Behrens: Wie können Sie sich unterstehen, derartig aus dem Nähkästchen zu plaudern, Herr Oberst? 
Autor: Meinen Sie die militärischen Informationen? Da ist nichts, was nicht öffentlich belegt werden kann. Oder meinen Sie vielleicht Ihre Affäre mit dem Verteidigungsminister? Das würde ich wirklich nicht überbewerten. Die Liaison macht Sie doch nur noch sympathischer.
Ministerialrat Dr. Hartwig Bloedorn: Ich fühle mich von Ihnen vollkommen falsch dargestellt! Unverschämtheit!
Autor: Ich bitte um Nachsicht. Aber genauso habe ich Sie im Krisenkeller im Werderschen Markt 1 in Berlin live wahrgenommen.
Bei Band 2 - OPERATION JERUSALEM fällt mir spontan ein:
US Präsident George F. Summerhill: Musste denn diese delikate Szene im Lincoln Bedroom wirklich sein, Jörg?
Autor: Sorry Mr. President. Es musste sein. Sie wären sonst zu sehr der Gutmensch geworden.
US Präsident George F. Summerhill: ...der ich auch bin. Überhaupt haben Sie ziemlich in meine Familie hineingegriffen. Sie töten meine Liebsten und das vor dem Hintergrund eines drohenden Krieges mit dem Iran. Vollkommen utopisch!
Autor: Sorry, Mr. President. Auch das musste sein. Was Tom Clancy, John Grisham, Dan Brown und James Patterson dem Weißen Haus bisher literarisch angestellt haben, von Hollywood ganz zu schweigen, schreibt nun ein deutscher Autor, allerdings sehr viel zurückhaltender. Ich wollte auch kein House of Cards – Szenario simulieren. Ja, ich mute Ihnen Einiges zu. Nehmen Sie es bitte nicht persönlich.­­
US Präsident George F. Summerhill: Wollen Sie den Unsinn etwa auch noch verfilmen? Zugegeben, der Stoff ist interessant.
Autor: Thank you, Mr. President. Wir arbeiten daran.
Und nun Band 3 - OMEGA:
Karina Marie: Musste das sein, Jörg?
Autor: Ja, leider. Ich hatte drei Anfänge. Alle waren nicht überzeugend. Der Schock musste auf der ersten Seite passieren. Glaube mir, ich habe selbst gelitten. Mehrmals wollte ich aufgeben. Dann aber hat mich der Sog der Entwicklung selbst mitgerissen. Aber ich fand es nicht gut, dass du mich nachts aus dem Schlaf gerissen hast.
Karina Marie: Du weißt genau, warum. Da gibt es Passagen mit dieser Daniela, die mir überhaupt nicht gefallen. So ist Marc nicht.
Autor: Das stimmt, Karina Marie. Aber dein Mann ist vollkommen verstört, hat keine Bodenhaftung mehr und macht Dinge, die er unter normalen Umstanden nicht machen würde. Er hat nie aufgehört, Dich zu lieben ...
Karina Marie: ... Ich weiß ...
Thomas „Tom“: Musstest du eigentlich Marc drei Mal in eine familiäre Katastrophe schicken? Es reicht mein Lieber!
Autor: Stimmt, Tom. Mir auch!
Marc Anderson: Tom hat vollkommen recht. Du hast mich nicht wie in den ersten beiden Büchern meine Kriege führen lassen, sondern mich sofort und chancenlos in eine Katastrophe gebeamt und mir dann noch eine neurotische Depression untergeschoben. Geht’s noch?
Autor: Ich habe das schreiben müssen, weil ich dich unendlich mag. Weil du ein Mensch bist, dessen unglaubliche Stärke in der persönlichen Katastrophe vollkommen versagt. Weil du anderen auf deinem Leidensweg zeigen kannst, dass Omega eben nicht das Ende ist, sondern nur der letzte Buchstabe im griechischen Alphabet. Glaube mir, auch du hast mir schlaflose Nächte bereitet. Es hat lange gedauert, bist du verstanden hattest, was ich mit Versöhnung meinte. Aber du wolltest ja 300 Seiten lang mit dem Kopf durch die Wand.
Ali Naz: Du Ungläubiger weißt schon, dass du mit meinem Profil nah an der Wirklichkeit im Nahen Osten bist? Du wolltest einen Roman und hast ein Sachbuch geschrieben! Ich habe dich perfekt reingelegt ... hah, hah, haaah!
Autor: Nun mal langsam. Ich wollte ein fiktives Nah Ost-Szenario entwickeln. Als das Buch fertig war, legte Trump seinen Nah-Ost-Friedensplan vor, der noch schlimmer ist als der in meinem Buch. Und ich konnte auch nicht wissen, dass dein Kollege, General Soleimani, von den Amerikanern umgebracht wird, so wie auch ich dich in meinem Buch zur Strecke bringe. Allerdings war dein Ende sehr viel unangenehmer.
Ali Naz: Vollkommen egal. Ich habe auch in meinem Ende gezeigt, dass ich der Größte bin.
Autor: Es entspricht deinem Narzissmus, dass du immer das letzte Wort haben muss. Möge die reale Welt von Verrückten wie Dir verschont bleiben.
Wann fiel die Entscheidung eine Reihe zu schreibe? War es von vornherein Ihr Ziel, einen Mehrteiler zu schreiben, oder haben die Protagonisten ein Eigenleben entwickelt? 
Nicht im Traum hatte ich an eine Fortsetzung meines Debut-Romans DREI BRÜDER gedacht. Doch das Werk schlug ein, wir mussten nachdrucken, und die Leser wollten eine Fortsetzung. Der nächste Band OPERATION JERUSALEM floss mir regelrecht aus der Feder, und an dessen Ende machte ich nun bewusst die Tür für den dritten Band auf. Ziel war es, jedes Buch als eigenständiges Werk zu schreiben. Startet man allerdings mit dem ersten Buch, lässt sich die Entwicklung der Protagonisten besser verfolgen. Ich denke, dass besonders Marc Anderson eine dynamische Entwicklung vollzogen hat. Er ist – wie schon angedeutet - nicht mehr der aus dem ersten Band. Meine Leserschaft kann sich auch darauf verlassen, dass meine Werke immer positiv ausgehen, selbst wenn Menschen sterben. Im letzten Band gebe ich einen Ausblick, was aus den Protagonisten werden wird. Das wird dankbar angenommen.
Wann kamen die Titel? Waren die im Vorfeld schon klar, oder entwickelten sie sich im Laufe des Schreibprozesses?
Autor: Die Titel waren von Anfang an von mir gesetzt. Ich mag es, wenn der Titel die zentrale Botschaft des Inhaltes widerspiegelt
Wer war der Coverdesigner?
Das war jeweils ein Gesamtwerk zwischen den ratio-books-Verlag, einer Coverdesignerin und dem Autor. Die Grundfarbe blieb als Wiedererkennungsmerkmal der Trilogie Rot.
Sind Sie mit den Covern zu 100% zufrieden, oder würden Sie nachträglich noch was ändern wollen?
Autor: Die Frage ist eher, wie das Cover bei den Lesern ankommt. Da sind die Meinungen kontrovers. Bei OMEGA hätten wir besser einen älteren Marc auf das Cover gesetzt. Seine Haltung aber ist perfekt. Ich habe sie auch im Text so aufgenommen.
Zum Abschluss würden mich noch Ihre Lieblingszitate aus den Büchern interessieren.
Autor: Ich zitiere mich so ungern selbst. Wollen wir das nicht unseren Leserinnen und Lesern in der Rezension überlassen? Doch da fällt mir ein. Ich habe das Werk OMEGA - angesichts der notfallseelsorgerischen Leistung von Jelke in diesem Buch - allen ehrenamtlichen Helfern gewidmet, ohne die unser Land nicht wäre, was es ist. Und das gilt wohl nicht nur für Deutschland.
Danke für das Gespräch. 
Autor: Ich finde es wunderbar, dass Sie sich als Bloggerin wieder Zeit für mich genommen haben. Über das Verhältnis von Bloggern und Autoren wird gerade viel diskutiert. Ich fühle mich bei Ihnen sehr gut aufgehoben.

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