Mittwoch, 24. März 2021

[Anthologievorstellung] In 18 Morden um die Welt von Hrsg. Fenna Williams und Petra K. Gungl



Anthologievorstellung „In 18 Morden um die Welt“


Heute treffe ich mich mit den Herausgeberinnen der Anthologie „In 18 Morden um die Welt“ (Buch, E-Book + Hörbuch!): Fenna Williams und Petra K. Gungl.

Herzlichen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt, für dieses tolle Projekt zu antworten. Jeder Autor / jede Autorin hat eine Kurzgeschichte beigesteuert. Würdet ihr bitte die Kurzgeschichten ganz kurz beschreiben?
Hallo, liebe Claudia! Tatsächlich haben 20 Autorinnen an dem Projekt mitgearbeitet, für das Hörbuch und den Soundtrack zusätzlich zwei MusikerInnen-Duos (nur der Bassist ist ein Mann ;))
In Anlehnung an Jules Vernes Reise »In 80 Tagen um die Welt« nehmen wir unsere LeserInnen mit auf eine spannende Reise rund um den Globus, beginnen beim Ravenmaster im Tower of London, erleben eine dramatische Shakespearevorstellung im Wiener Burgtheater, mischen uns unter Schmuggler in Französisch-Guayana, sind beim Jahreswechsel in Rio live dabei und essen Jaleb in Neu-Delhi oder Meerschweinchen in Peru.
Was hat dich angetrieben, bei dieser Anthologie dabei zu sein?
Pandemiebedingt haben viele Verlage die Buch-Neuerscheinungen um ein halbes oder ganzes Jahr verschoben, da ging es uns genauso wie vielen KollegInnen, wir bekamen keine neuen Aufträge, weil die alten noch auf ihre Veröffentlichung warten. Zudem fielen alle Lesungen aus und zusätzliche Buchprojekte wuchsen auch nicht gerade am Wegesrand. Wir wollten deswegen selbst etwas auf die Beine stellen und haben uns um Fördergelder beworben – als die Hessische Stiftung für Kultur unser Gruppen-Projekt auswählte, haben wir die Korken knallen lassen vor Freude!
Hast du eine Lieblingsstelle in diesem Buch oder in deiner Geschichte, die du uns jetzt schon vorstellen möchtest?
Uh, das ist schwer – da gibt es einfach zu viele! Unsere großartige Verlegerin vom Leinpfad-Verlag, Angelika Schulz-Parthu, hat eine Stelle für den Klappentext gewählt, die direkt unter die Haut geht. Sie stammt aus der Geschichte „Dem Himmel so fern“ von Thea Lehmann, Tatort ist die Kalahari in Namibia:
»Es gab nur diesen einen Schlüssel und den besaß sie. Dieser Stollen war ihr Geheimnis. Alle anderen, die davon wussten, waren längst tot. Sie war die Einzige, die Zugang zur Hölle hatte.«
Wie viel echte Fenna oder Petra steckt in deiner Geschichte oder sogar in dem einen oder anderen Charakter?
Fenna: Mein Protagonist fährt über den Grenzfluss Maroni zwischen Französisch-Guayana und Suriname, Ländern in Südamerika, die kaum jemand auf dem Schirm hat, und die gerade deshalb noch immer viel kolonialen Geist atmen. Französisch-Guayana verdankt seines Existenz einer Strafkolonie – und deren Nachkommen. Da gibt es jede Menge Stoff für Geschichte. Von »Papillon« bis zu meinen »Grenzgängen«.
Petra: In »Wiener Masken« zerstört ein charismatischer Schauspieler einigen Prominenten ihre verlogene Fassade. Nachdem wir in Österreich um Skandale jeder Art nicht verlegen sind, ist mir die Auseinandersetzung mit »Schein & Sein« ein Bedürfnis.
Gibt es ein persönliches Lieblingszitat in deiner Geschichte oder in der gesamten Anthologie, das du uns vorstellen möchtest?
Petra:
»Haben Sie die Menschen erst ohne Maske gesehen, wissen Sie, wie viel Sie selbst wert sind.«
(Aus: »Wiener Masken«, von Petra K. Gungl)
Fenna:
»Ich bin Ernie, der Freund eines Freundes des Stiefbruders vom Cousin deines Chefs. Du kannst mir vertrauen«, stellte der Mann aus Französisch-Guayana sich vor. »Und das ist Bert aus Suriname, mein Blutsbruder. Familie ist alles.«
Oder:
»Piranhas sind wie Moskitos, die interessiert nur Blut.«
»Können Fische denn riechen?«
»Blut«, antwortet Bert düster. »Blut können sie riechen.«
(Aus: »Grenzgänge« von Fenna Williams)
Welche Geschichte ist dein persönliches Highlight der Anthologie, wenn du nicht deine eigene nennen darfst?
Das kann man unmöglich sagen! Die Geschichten sind derart vielfältig, - wir haben von einem realen Cold Case, über Thriller bis hin zu „Götter & Schamanen“ alles vertreten, was spannend ist.
Wie habt ihr die Autoren gefunden, die euch hier unterstützt haben?
Sehr viele der Autorinnen sind Mitglieder der »Mörderischen Schwestern e.V.«, dem Verein zur Förderung von Spannungsliteratur aus Frauenhand, der uns bei dem Projekt auch ganz großartig unterstützt hat. Aber natürlich hat man auch Kolleginnen, von denen wir wussten: Die lebt in USA oder Irland oder Ungarn, oder hat lange Zeit in Brasilien oder Peru oder Südafrika zugebracht. Da waren wir sicher: Diese Kolleginnen wissen wovon sie schreiben und können die LeserInnen dorthin entführen, ihnen die Gebräuche, das Flair, die Kultur nahebringen. Das Buch zu einer echten Weltreise machen.
Leser sind ja immer neugierig, wer gerade meine Fragen beantwortet hat. Würdest du dich bitte in eigenen Worten vorstellen?
Fenna: Ich bin Reisejunkie, weshalb ich seit über vierzig Jahren neben dem Schreiben als Reiseleiterin versuche die Welt zu er-fahren. Von jeder Tour bringe ich unzählige Ideen mit, aus denen Romane oder Kurzgeschichten entstehen können. Wenn ich die dann zu Papier bringe, ist es, als ob ich wieder dort bin. Deshalb ist auch mein Schreibmotto: Krimis auf Reisen. Pflaster gegen Langeweile.
Petra: Ich bin leidenschaftliche Wienerin, gelernte Juristin und beobachte allzu gern Menschen. Daraus entstehen meine Geschichten. Außer es ist Zeit für‘s Kung Fu -Training – dann schnüre ich meine Sportschuhe und kicke der Welt ein Loch. Ich nenne es: »Kung-Fu-Writing«, weil dabei mein Kopf leer wird und Raum für neue Ideen entsteht.
Und um die Schwierigkeit noch etwas zu erhöhen: Wie würden dich deine Protagonisten beschreiben?
Petra: Sie behält die Nerven, selbst wenn wir ihr den Plot auf den Kopf stellen. J
Fenna: Sie will gegenüber ihren Protagonisten immer Recht behalten. Wem das nicht passt, den tötet sie!

 

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