Sonntag, 10. September 2017

[Buchvorstellung + Protagonisteninterview] Tote machen Träume wahr von Vera Nentwich

Buchvorstellung und Protagonisteninterview


Wir (Claudia und Diana) treffen uns gerade in einer kleinen Bäckerei in Grefrath, um unseren Beitrag für den Crime day zu besprechen, als ein gut aussehender junger Mann in Polizeiuniform hereingestürmt kommt. Er bestellt und wartet auf seine Bestellung.
Diana stößt mich an. »Das könnte er doch sein, oder?«
Ich drehe mich zu dem Polizisten und dann wieder zurück. »Das ist er. Bestimmt.« Wir mustern den Polizisten, der die Blicke bemerkt. »Kann ich Ihnen helfen?«, fragt er.
Diana stupst mich wieder an und ich schüttele den Kopf. »Wieso ich?«, raune ich ihr zu. »Mach du doch.« Diana verzieht das Gesicht. »Feigling«, zischt sie mir zu. Dann dreht sie sich zu dem Polizisten.
Entschuldigen Sie, wir sind Diana und Claudia und beschäftigen uns gerade mit dem neuesten Buch von Vera Nentwich. Sie sind doch der Jochen Berten in dem Buch, oder?
(Jochen sieht das Buch auf dem Tisch und verzieht das Gesicht.) Ja, das bin ich. Leider.
Wieso leider? Dann sind Sie der Freund von Sabine Hagen?
Leider, weil es mir unangenehm ist, dass mein Privatleben breitgetreten wird. Meine Kollegen ziehen mich ständig auf. Aber ja, Biene ist meine Freundin. War es das? Meine Kollegin wartet im Wagen.
Nur noch eine Frage bitte. Kennen Sie das Buch über ihren neuesten Fall?
Ja, natürlich. Ich muss ja wissen, was da so über mich geschrieben wird.
Und was sagen Sie zum neuesten Fall?
Sie meinen den Mord an Herrn Tönnies? Eine verrückte Geschichte. Als ich davon hörte und erfuhr, dass sich da Biene mal wieder reinhängen wollte, musste ich wirklich an mich halten. Dieser verdammte Dickkopf! Aber ich muss gestehen, ohne sie hätten wir den Fall vielleicht nicht gelöst und womöglich wären weitere Menschen in Gefahr gewesen. (Holt sich seine Bestellung an der Theke ab.) So, jetzt muss ich aber wirklich los.
Eine allerletzte Frage bitte. Wie stehen Sie eigentlich zu dem Beruf ihrer Freundin?
(Jochen verzieht das Gesicht.) Wie schon gesagt, sie ist ein ziemlicher Dickkopf. Ich könnte es ihr nicht ausreden, selbst wenn ich wollte. Da bleibt mir gar nichts anderes übrig, als sie zu unterstützen. Viel Spaß noch hier in Grefrath. (Eilt aus der Bäckerei.)
Wir besprechen das Gehörte, als sich die Tür zur Bäckerei erneut öffnet und Vera Nentwich und Sabine Hagen eintreten. Sie bestellen sich je eine Latte macchiato. Sabine bemerkt, das Buch auf unserem Tisch macht Vera darauf aufmerksam. Sie kommen zu uns herüber.
»Ich hoffe, das Buch gefällt Ihnen«, wendet sich Vera an uns.
Wir berichten, dass wir Bloggerinnen sind, und über das Buch schreiben möchten.
Echt toll, dass wir euch zwei heute auch hier treffen. Ist das Du in Ordnung? Habt ihr noch Zeit für ein kleines gemeinsames Interview?(Beide nicken.)Vera: Na klar.
Sabine, vorhin haben wir schon Jochen getroffen. Habt ihr gemeinsame Wünsche und Ziele, die ihr erreichen wollt?
(Sabine sieht zu Vera und dann zu uns.)Sabine: Das ist eine schwierige Frage. Derzeit sind wir wohl noch in der Findungsphase, würde ich sagen. Ich möchte mir mit der Detektei etwas aufbauen und bin mir nicht immer ganz sicher, ob dies Jochen recht ist. Andererseits weiß ich, dass ich immer auf ihn zählen kann.
Sabine, du hast ja einen äußerst außergewöhnlichen Beruf. Wie kam es dazu?
(Sabine grinst.) Das ist eine lange Geschichte. Eigentlich ist Judith dran schuld. Kaum zu glauben, dass ich ausgerechnet meiner Erzfeindin mal eine entscheidende Wendung in meinem Leben verdanke. Sie ist vor zwei Jahren umgebracht worden und alle hatten damals vermutet, dass ich es gewesen war. Mir blieb also gar nichts anderes übrig, als mich selbst auf die Suche nach dem wahren Mörder zu begeben. Ich habe ihn gefunden. Irgendwie haben mich seitdem die Mordfälle in Grefrath nicht mehr losgelassen. Da habe ich gedacht, kann ich es auch gleich zum Beruf machen. Wobei ich gestehen muss, dass es ohne Jagos Hilfe nicht ginge.
Auf einmal geht die Türe auf und uns ist sofort klar, das muss Jago Diaz Fernandez, der Finanzier der Detektei sein. Er kommt zu uns herüber und begrüßt uns mit seinem unwiderstehlichen Akzent.
(Sabine lächelt.) Wenn man vom Teufel spricht.
(Jago kommt an den Tisch.) Ola.
Es freut uns, auch dich noch kennenzulernen.Jago: Ganz meinerseits. Seid ihr von der Presse?
Wir erklären ihm, dass wir Bloggerinnen sind und was wir vor haben. Er erklärt sich bereit, sich zu uns zu gesellen.
Wie läuft eigentlich eure Detektei?
(Jago sieht zu Sabine und kneift ihr ein Auge.)
Jago: Sagen wir mal so, ein Anfang ist gemacht. Aber es braucht Zeit, bis man so ein Geschäft aufgebaut hat.
Jagos Handy klingelt und er sendet uns einen entschuldigenden Blick. Dann spricht er kurz in das Telefon. »Frau Gerhard braucht unsere Hilfe«, wendet er sich an Sabine, nachdem er das Gespräch beendet hat. »Okay«, sagt Sabine. »Tut uns leid, aber wir müssen los. Die Klienten rufen«, sagt sie in unsere Richtung. Dann verlassen sie uns.Wir bleiben mit Vera Nentwich zurück. Natürlich nicht, ohne ihr noch einige Fragen zu stellen.
Vera, was kannst du uns über deine Lieblingsprotagonisten noch so erzählen, jetzt wo sie wieder alle weg sind?
Ist doch ein netter Haufen, oder? Ich liebe sie jedenfalls alle. Obwohl Biene die Frau in der Runde ist und sie daher vielleicht für die Schwächste gehalten werden könnte, bestimmt sie, wo es langgeht. Die Jungs drehen sich mehr oder weniger um sie, und sie genießt es. Aber sie macht sich die Konstellation nicht immer bewusst und handelt dann doch recht häufig eher unbedacht. Für Jochen ist das besonders schlimm, denn er ist eigentlich ein sehr verletzlicher Mensch, der sich nach Nähe und Geborgenheit sehnt. Auch Jago sucht den Ankerpunkt in seinem Leben. Deshalb hat es ihn ja auch in die dörfliche Idylle nach Grefrath gezogen. Aber er verbirgt doch sehr, was in ihm vorgeht.
Welche ist deine absolute Lieblingsszene, welche das Buch am allerbesten beschreibt?Oh, da kann ich mich nicht auf eine Szene beschränken. Ich liebe die turbulenten Szenen. Der Beginn, als Biene versucht, den Ladendieb zu fassen. Auf meinen Lesungen spiele ich diese Szene immer vor. (Sie lacht.) Die Gespräche zwischen Jochen und Biene und ihr ständiger Kampf um ihre Beziehung gehen mir auch jedes Mal zu Herzen. Aber wenn ich so darüber nachdenke, vergesst, was ich gesagt habe. Die wahren Highlights sind die Gespräche an Omas Küchentisch.
Steckt in dem einen oder anderen Charakter etwas mehr Vera, als für außenstehende Personen erkennbar?
Ich glaube schon, dass die Menschen, die mich kennen, die Parallelen sehen. Außenstehende können das natürlich nicht. Biene hat von mir das Träumen und den Glauben, diese auch real werden lassen zu können. Wobei ich nicht wie Biene Widerstand aus meiner Umgebung spüre, sondern meine eigenen Zweifel der Widerstand sind. Jochen hat von mir die Sensibilität und das Bemühen, seine verletzliche Seite möglichst gut zu schützen. Jago ist dagegen der Teil von mir, der manchmal eine Rolle spielt, um nicht wirklich erkannt zu werden.
Als abschließende Frage möchten wir noch folgende stellen. Wann wird es den nächsten Fall mit Biene Hagen geben?
Ich arbeite bereits am Konzept und mein Plan ist, den nächsten Teil im Frühjahr 2018 zu veröffentlichen. Zuvor arbeite ich noch an einem Liebesroman, dem ich den Arbeitstitel »Amanda und die Unmöglichkeit von Liebe« gegeben habe und von dem ich bereits beim Schreiben Teile bei Snipsl und auch auf meinem Blog veröffentliche. Die Protagonistin ist übrigens eine Selfpublisherin, die unter Pseudonym Liebesromane schreibt und dann mit etwas Gewalt auf die Hochzeit eines Fans gerät. Dieser Roman wird noch im Herbst erscheinen.
Herzlichen Dank für das Interview!
Ich danke euch. Schaut euch noch etwas in Grefrath um. Das Freilichtmuseum Dorenburg ist beispielsweise immer einen Besuch wert.

Natürlich habe ich das Buch auch gelesen!
Hier gehts zur Rezension!


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