Donnerstag, 4. Mai 2017

[Protagonisteninterview] Sind drei einer zu viel? von Helen Marie Rosenits






Protagonisteninterview

Sind drei einer zu viel?






[Ich warte am Bahnhof auf jemanden, der mich abholt, um mich zu meinem Interview zu bringen. Da entdecke ich die Autorin des Buches am Bahnhofvorplatz.]

Hallo, Helen Marie, es freut mich dich endlich kennen zu lernen.
Hallo Claudia, ich begrüße dich sehr herzlich und freue mich, dass du Zeit für mich/für uns gefunden hast.

Allerdings dachte ich eher daran, deine Hauptprotagonisten würden mich begrüßen.
Nun, sie haben mich vorgeschickt, denn Hanna und Bernhard betreten mit dir als Interviewerin neues Terrain und sind entsprechend nervös. – Nun ja, und Paul ist noch unterwegs von Wien zu uns in die Provinz. Wenn die Autobahn-Fee gnädig war, ist er vielleicht bereits eingetroffen.

Wie kommen wir nun zu Hannas Haus?
Wenn du dich meinen Fahrkünsten anvertraust, sind wir in Kürze bei Hannas Haus – im Süden Niederösterreichs gelegen.

[Wir besteigen Helens Auto und nach kurzer Zeit befinden wir uns am Zielort.]

Dieses Haus ist ja wirklich groß, und dieser Vor-Garten bereits mit Pflanzen übervoll, einfach herrlich. Ich habe ja schon ein wenig auf deinem Garten-Blog (http://gartensehnsucht.blogspot.co.at/) gestöbert und muss sagen, dass du nicht geschummelt hast.
Oh, danke für das Lob, da lacht die Gärtnerinnen-Seele, obwohl ich zerknirscht eingestehen muss, dass durch mein Schreiben an meinen Romanen das Bloggen dort ein wenig eingerostet ist. Aber ich möchte demnächst wieder Posts veröffentlichen, denn die Verbindung von klassischer Literatur, im Speziellen eben Lyrik, mit meinen eigenen Garten-Fotos macht wirklich Freude.

[Helen Marie öffnet das Garten-Tor, doch niemand ist zu sehen, nur der im Buch erwähnte Wuffi namens Burgi hängt am Balkongeländer und bellt auf uns herunter. Da wir aus dem hinteren Gartenbereich Stimmen hören, gehen wir diesen nach und stoßen schließlich auf Hanna, Bernhard und Paul, die mich bitten, bei ihnen unter dem Nussbaum auf der Gartenbank Platz zu nehmen.]

Hallo, es freut mich wirklich euch alle drei kennen zu lernen, ich hoffe, es ist kein Problem, wenn wir uns duzen?
Hanna: Um Himmels Willen, überhaupt nicht! [Bernhard nickt bestätigend, während Paul mir ein charmantes Lächeln schenkt.]
Paul: Was die Jungen mit Nonchalance können, schaffen wir doch auch locker, nicht wahr? [Bernhard verdreht ein wenig die Augen und Hanna wirft Paul einen zustimmenden Blick zu.]

Wie geht es euch?
Hanna: danke sehr gut, jetzt, wo die Zweifel beseitigt sind, wir unser Arrangement zu dritt getroffen haben …
Bernhard [unterbricht Hanna]: … und du noch jemanden hast, den du nerven und herumkommandieren kannst.
Hanna [klopft ihrem Mann missbilligend auf den Unterarm]: … und meine beiden Männer mein Leben bereichern. Das ist für mich als Voraussetzung zum erfolgsversprechenden Schreiben so grundlegend wichtig.
Paul: Ach, übertreib nicht Bernhard, Hanna ist doch so bemüht, dir dein gewohntes Leben beizubehalten. Da hätte ich mehr Grund eifersüchtig zu sein, denn für mich hat sie definitiv weniger Zeit.
Hanna: Ruhe, meine Herren, ich tue wirklich mein Bestes. Und habt ihr mir nicht so blumig versprochen, dass der eine mein Leuchtturm und der andere meine Brandung sein will?
Bernhard: … hhmm, ja, der Schriftsteller in seiner übertriebenen Art. Ich habe bloß dazu genickt.
Paul: Meine Güte, stell dich nicht so an! Wenn’s um Gefühle geht, darf man doch im Überschwang formulieren, oder nicht?

[Jetzt sehen mich alle drei an und warten offenbar auf meinen Schiedsrichter-Entscheid. Doch diesem unausgesprochenen Verlangen verweigere ich mich und stelle lieber meine nächste Frage.]

Hanna, du gehst ja nun einer ganz anderen Beschäftigung nach, als jener, die du gelernt hast, oder? Wie kam es denn dazu?
Hanna: Ja, ich habe als Dr. iuris promoviert und nach meiner Gerichtspraxis eine Stellung gesucht, -zig Bewerbungen abgegeben, unzählige Vorstellungsgespräche absolviert, sowie Intelligenz- und Eignungs-Tests hinter mich gebracht, aber nirgends eine Zusage erhalten. Damals (im Jahr 1985) standen Personalchefs einer Anstellung von Frauen noch nicht so offen gegenüber. Vor allem nachdem Bernhard und ich geheiratet haben, hörte ich nur allzu oft: ‚Jetzt werden sie sicher Kinder kriegen und unserem Unternehmen nicht zur Verfügung stehen.‘ Oder man bezog sich auf mein nicht so repräsentatives Äußeres und lehnte mich ab. Wenn man nicht genügend Protektion hatte oder, wie man heute so verharmlosend sagt, über Networking verfügte, dann war es als Frau sehr schwer, einen passenden Job zu finden.
So wurde ich zur Nur-Hausfrau und war im Familienkreis jahrelang bei der Betreuung und Pflege im Einsatz. Nach meinem Herzinfarkt habe ich dann schreibend mein Leben aufgearbeitet und bin so zur Autorin geworden.

Hattest du da überhaupt nichts dagegen, Bernhard? Oder wie siehst du deine Rolle in diesem Buch?
Bernhard: Kennst du einen Widder? Die kann man nicht aufhalten, und Hanna schon gar nicht. Aber da ihr das Schreiben gut getan hat, ließ ich sie einfach gewähren, schließlich wird dies von den Lebensberatern und Psychologen nach einschneidenden Ereignissen doch empfohlen. Ihr Bedürfnis der Veröffentlichung konnte ich allerdings nicht nachvollziehen, habe es jedoch akzeptiert. – Meine Rolle ist der Realität entnommen. Zuerst war ich ein Bekannter, dann ein Freund, schließlich Geliebter und Ehemann – mit allen Ups and Downs, die das Leben mit sich bringt.

Paul, wie siehst du die Aufgabe, Hanna durch die ersten Wellen des Schriftstellertums zu führen? War es von Anfang an ein harmonisches Arbeiten?
Paul: In meinem Verlag ‚No Age Limit‘ habe ich der Betreuung einer Neo-Autorin zugestimmt, weil mir der Verlags-Chef dafür blanko die Veröffentlichung meiner nächsten beiden Bücher per Vorvertrag zugesichert hat. Ich hatte die Absicht, dieser Frau mein Wissen und meine Erfahrung zur Verfügung zu stellen. – Na ja, und dann kam Hanna. Sie wirkte so schüchtern und ist mir sehr unscheinbar vorgekommen.
‚Wieder eine Hausfrau, die glaubt, sie hätte die Schreib-Weisheit mit dem Schöpflöffel geschluckt und will jetzt ad hoc zur Bestsellerin werden‘, habe ich mir insgeheim gedacht und war dann von ihrer so bestimmten, teils sogar aggressiven Art überrascht. 
Meine Aufgabe war vor allem, Hanna Insider-Infos zu geben, ihr noch manche Naivität auszutreiben und ihr ganz besonders Selbstbewusstsein zu vermitteln.
Wir haben uns während unserer gemeinsamen Arbeit zusammengerauft, sind uns immer vertrauter geworden und wurden schließlich Freunde. Und wie das Leben so unverhofft spielt, eines Tages auch wesentlich mehr. – Aber das weißt du ja bereits ;-)  

Dieser Garten ist einfach wundervoll. Er erinnert mich fast an Gärten, die ich in England besucht habe. Woher nehmt ihr die Inspirationen?
Bernhard: Dank der Trafik in unmittelbarer Nähe, verfügt Hanna stets über den neuesten Garten-Lesestoff. Mein schöner Garten, Wohnen & Garten, Landhaus, Garten-Flora usw. sind eine nie versiegende Quelle der Inspirationen für meine liebe Ehefrau. [Er seufzt abgrundtief.] …. und der Arbeit für mich!
Hanna: Meine Güte, tu nicht so, als ob du alles allein erledigen müsstest. Wer hat denn voriges Jahr die zehn riesengroßen Pflanzen-Ballen von Praskac-Pflanzenland eingesetzt? Und die 70 Rosen im vorderen Teil des Gartens? [Bernhard grummelt nur angesichts von Hannas Feststellung.]
Weißt du, [Hanna atmet einmal tief durch und lächelt mich an] ich versuche die vielen Anregungen der Garten-Lektüre in unsere Gegebenheiten umzumünzen, – mit wechselndem Erfolg. Dafür ist unser Garten sicher nicht 08/15 und vermutlich kaum vergleichbar, weil die sture Hanna, sich die Kompatibilität von verwunschenem Garten und bellendem Hausgenossen vorgenommen hat.
Paul: … und das ist dir auch hervorragend gelungen, obwohl ich eher nur Nutznießer des Gartens bin als pflegender Akteur!

Nun zur letzten Frage für heute: Was sind eure Wünsche für euch oder überhaupt für eure Zukunft?
Hanna: Dass mir der Stoff, die Inspiration und das Animo fürs Schreiben nicht verloren gehen und dass Bernhard und Paul mich auf meinem Weg weiterbegleiten. [Leise fügt sie noch an.] …und Gesundheit, besonders für mein Herz.
Bernhard: Stimmt, gesund zu bleiben, wünsche ich mir vor allem. Das ist das Wichtigste. Und dass wir unsere derzeitige Situation halbwegs gut handhaben können.
Paul: Und ich wünsche mir eine weitere gute Zusammenarbeit mit Hanna auf schriftstellerischem Gebiet und eine Form der Lebensgemeinschaft, die uns beide zufrieden stellt, erfüllt und miteinander wachsen lässt.

Herzlichen Dank für dieses sehr interessante Interview!

Hanna, Bernhard und Paul beinahe unisono: Wir bedanken uns bei dir, liebe Claudia, für dein Einfühlungsvermögen, deine Geduld und deine Bereitschaft, uns deinen Lesern/Leserinnen näher zu bringen.

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