Freitag, 24. März 2017

[Protagonisteninterview] Berlingtons Geisterjäger von Amalia Zeichnerin


[Wir treffen uns auf dem Anwesen von Lord Victor Berlington. Freundlich werde ich begrüßt und in den großen Salon hineingeführt. Dort treffe ich auch auf die Irin Fiona O’Reilly, die französische Witwe Giselle Butler, den amerikanischen Detektiv Eliott Breeches und  die Künstlerin Veronica Chester]
 


Hallo und herzlich willkommen zum Interview. Es freut mich wirklich außerordentlich, dass ich Sie heute hier bei mir begrüßen darf. Mich würde interessieren, wie Sie sich in drei Worten beschreiben würden.

Miss Chester: „Die Kunst ist mein Leben. Oder wie es dieser antike Philosoph mal ausgedrückt hat: Kurz ist das Leben, lang ist die Kunst.“ „War das dieser, wie hieß der doch gleich, Hippokrates?“, fragt Lord Berlington.
„War das nicht der mit dem Eid?“, überlegt Giselle Butler.
„Ich glaube, ich bin gerade vom Thema abgekommen“, überlegt der Lord. „Wie war noch gleich die Frage? Ach so ja – wir sollen uns in drei Worten beschreiben.“
„Ja, aber Miss Chester hat wesentlich mehr gebraucht“, sagt der Amerikaner Eliott. Aus seiner Miene ist nicht klar zu erkennen, ob er eher genervt oder amüsiert ist, denn er hat ein Pokerface aufgesetzt. „Ich versuch‘s mal mit drei Worten – Berufswechsel, Skeptiker, Schnüffler.“
„Er meint, er ist ein Privatdetektiv, der vorher bei der Polizei war und sich kein X für ein U vormachen lässt“, verrät Lord Berlington mir.
„Und, können Sie sich in drei Worten beschreiben?“, fragt Eliott ihn feixend.
„Adlig, Alleinstehend, Übermüdet?“, erwidert der Lord ohne groß nachzudenken.
Eliott grinst, als er das hört. „Würde passen. Trinken Sie noch einen Tee, gegen die Müdigkeit.“
Giselle Butler: „Drei Worte zu mir: Witwe, Französin, Spiritistin.“
„Drei Worte? Hmm... sensibel, naturverbunden, Hexe“ , sinniert Fiona O‘Reilly.

Sie sind eine Hexe, Miss O'Reilly?

Wenn ich Ihnen mehr darüber verraten würde, müsste ich Sie anschließend mit einem Vergessenszauber belegen.


Interessant. Ich denke, ich ziehe meine Frage lieber zurück. Wer weiß, was ich sonst noch alles vergesse?! [An Mrs. Butler gerichtet] Was bedeutet die Abkürzung D.I.P.P. und was darf man sich darunter vorstellen?

Das D.I.P.P. Ist eine Erfindung der Gründerin unserer spiritistischen Gesellschaft, den Friends of the Departed (deutsch: Die Freunde der Dahingeschiedenen). Es handelt sich um ein Gerät zur Erforschung paranormaler Phänomene [englisch: Device for the Investigation of Paranormal Phenomena]. Man kann damit Ektoplasma lokalisieren, außerdem hilft es dabei, Geister und Schattenwesen aufzuspüren. Weltweit gibt es bisher nur vier solcher Geräte, soweit mir bekannt ist.

Darf ich fragen, warum Sie, Lord Berlington, die Friends of the Departed angefordert haben?

Ach, bitte, nennen Sie mich nicht Lord. Ich habe mich nie an diesen Titel gewöhnen können.
Sagen Sie einfach Victor zu mir.

Ein Adliger, der sich mit Vornamen ansprechen lässt? Das ist aber ungewöhnlich.

Nun, wir sind hier ja in England. Sie werden hier auf so manchen Exzentriker treffen, die sind bei uns recht häufig. Kommen Sie nur mal auf einen Halloween-Kostümball, dann werden Sie sehen, was ich meine. [Er lacht].

Also, die Friends of the Departed wurden mir von einem Bekannten empfohlen. Wissen Sie, Spiritismus ist ja hierzulande der letzte Schrei seit einer Weile, also dachte ich mir, irgendwas muss doch dran sein und vielleicht könnten mir die Mitglieder dort durch eine Séance oder auch andere Mittel weiterhelfen, denn die Geister meiner Eltern rauben mir in letzter Zeit den Schlaf.

Verstehe... [an den amerikanischen Detektiv gewandt] Mister Breeches, wie stehen Sie zu dieser Organisation und die wichtigste Frage an alle: Glauben Sie tatsächlich an Geister?

Eliott Breeches streicht sich mit nachdenklicher Miene über seinen Schnurrbart. „Also ganz ehrlich, ich neige dazu, eher nur an das zu glauben, was ich sehen kann. Und ich hab schon einiges seltsames gesehen, seit ich als Privatdetektiv arbeite. Aber Geister waren bisher nicht dabei. Deshalb bin ich doch sehr skeptisch, was diese Gespenstergeschichten angeht. Ich meine, die sind ja ganz unterhaltsam, aber...“

Giselle Butler: „Wissen Sie, mir geht es ganz anders als unserem skeptischen Detektiv. Als ich Witwe wurde und meinen Mann wiedersah – als Geist, versteht sich –  fing mein Interesse für den Spiritismus und paranormale Phänomene erst an. Und ich habe danach noch eine ganze Reihe anderer Geister gesehen, z.B. in Séancen.“

Victor Berlington: „Sehen Sie, Eliott? Das ist keine Frage des Glaubens! Ich kann mich Giselle nur anschließen - ich habe die Geister meiner Eltern doch selbst gesehen! Oder denken Sie vielleicht, ich hätte mir das nur ausgedacht? Ich mag ja exzentrisch sein, aber so sehr dann doch nicht.“ Er wendet sich mir zu und erzählt: „ Außerdem gibt es in jedem zweiten hochherrschaftlichen Haus in London ein Gespenst. Fragen Sie nur mal in der Nachbarschaft herum, da wird Ihnen Hören und Sehen vergehen!“

Gibt es tatsächlich eine Parallelwelt, wohin man nach dem Tod kommen kann?
Fiona O‘Reilly: „Sie meinen, das Jenseits?“
„Oder die Hölle?“, meint Eliott Breeches mit einem schiefen Grinsen. „Ich habe in meinen Leben schon einige Leute getroffen, die sicher nach ihrem Tod dort landen. Bloody hell!“
„Mäßigen Sie Ihren Tonfall, Mister Breeches!“, meint Giselle Butler. „Das ist nicht gerade die feine englische Art.“
Er zuckt mit den Achseln. „Ich bin Amerikaner, schon vergessen?“
„Wie könnte ich das?“, erwidert sie mit säuerlichem Lächeln. „Ihr Akzent ist schließlich kaum zu überhören.“
„Ihrer auch nicht“, meint Breeches, und sein Grinsen wird noch breiter.
Fiona O‘Reilly wirkt peinlich berührt. „Möchte jemand noch eine Tasse Tee?“ fragt sie und greift nach der Teekanne.
Nica Chester dagegen blickt amüsiert zwischen dem Amerikaner und der französischen Witwe hin und her.
Victor Berlington meint nun: „Kommen Sie schon, das gehört doch jetzt nicht hierher. Aber ich nehme gern noch eine Tasse Tee, danke, Miss O‘Reilly.“ Einen Moment lang rührt er in seiner Teetasse, nachdem sie ihm nachgeschenkt hat. Dann meint er: „Also, wenn Sie mich fragen, früher wollte ich gern wissen, was uns nach dem Tod erwartet. Aber seit meine eigenen Eltern mich als Geister heimsuchen, frage ich mich eher, ob mich nach meinem Ableben ein ähnliches Schicksal erwartet… man stelle sich vor, im Haus der eigenen Kinder zu spuken. Apropos Kinder, soweit bin ich ja noch nicht, dabei bin ich schon sechsundzwanzig und sollte mittlerweile zumindest geheiratet haben. Aber sehen Sie, es ist so, die Liebe meines Lebens, die habe ich noch nicht getroffen. Und ich möchte nun mal gern aus Liebe heiraten und nicht aus Standes- oder Geldgründen.“
„Mein lieber Lord Berlington“, sagt Giselle Butler mit einem aufmunternden Lächeln „Ich bin mir sicher, irgendwann werden Sie eine liebenswerte Frau finden.“
„Naja, wissen Sie, das scheint gar nicht so einfach zu sein. Ich habe durchaus schon einige Frauen kennengelernt, die ich interessant und sympathisch fand. Aber verliebt habe ich mich trotzdem nie in eine.“ Er runzelt die Stirn und macht einen etwas ratlosen Eindruck.
„Ach, wie schade“, sagte Miss Chester leise.
Breeches dagegen sagt: „Trösten Sie sich, Victor, ich hatte bisher auch nicht viel Glück mit den Damen. Aber das ist eine lange Geschichte, das gehört nicht hierher...“
Einen Moment lang schweigen alle ein wenig nachdenklich und nur das leise Klirren der Porzellantassen und der Teelöffel ist zu hören.
„Also, was dieses Thema mit der Parallelwelt betrifft, nach der Sie fragen“, meint die rothaarige Fiona schließlich, „wissen Sie, dass es in der keltischen Mythologie aus meiner Heimat tatsächlich eine mystische Parallelwelt gibt? Wir nennen sie die ‚Anderswelt‘ – das Reich der Feen und anderer erstaunlicher Wesen. Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das nur Geschichten sind, oder ob etwas Wahres daran ist.“

Nun komme ich auch schon zu meiner letzten Frage: Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
Victor Berlington wirkt ein wenig verlegen, als er antwortet: „Also, wie ich vorhin schon erwähnte, ich würde mich gern einmal verlieben.“
„Seien Sie geduldig“, meint Eliott Breeches. „Sie sind doch noch jung, gewiss finden Sie jemanden, der zu Ihnen passt. Ich habe da auch noch nicht die Hoffnung aufgegeben, und ich bin um einiges älter als Sie.“ Einen winzigen Moment lang sieht er Fiona an, ehe er sich wieder mir zuwendet. „Ansonsten freue ich mich immer über Detektivaufträge, also wenn Sie mal eine Ermittlung brauchen, hier ist meine Karte.“ Er reicht mir eine Visitenkarte.

„Aber Sie fragten ja nach unseren Wünschen für die Zukunft“, sagte Gisele.  „Ich hoffe, unsere spiritistische Gesellschaft hat weiterhin Bestand. Ich meine, wie viele Geister wollen schließlich Kontakt aufnehmen mit ihren Verbliebenen?  Oder auch umgekehrt, also die Lebenden mit den Toten? Verstehen Sie, mit unseren Séancen können wir für diese Leute vermitteln.  Außerdem wünsche ich mir, dass ich noch lange das Glück haben werde, meinen Mann zu sehen – auch wenn er ja nun leider ein Geist ist.“

Nica Chester trinkt währenddessen ihren Tee aus und meint: „Was mich angeht, ich bin mit der Kunst verheiratet – mehr oder weniger.“ Sie streift Fiona O‘Reilly mit einem Seitenblick, ehe sie fortfährt: „Also von daher hoffe ich einfach, dass ich auch in Zukunft mein Leben als Künstlerin bestreiten kann und mir die Inspirationen nicht ausgehen. Nehmen Sie nur einmal die liebe Miss O‘Reilly hier – sie hat mich zu einem Bild inspiriert, welches eine Gestalt aus der keltischen Mythologie zeigt. Sie hat mir dafür Modell gesessen. Ich muss gestehen, ich würde ja zu gern herausfinden, ob es diese mythische Anderswelt tatsächlich gibt...“ Einen Moment lang starrt sie verträumt in die Ferne.
Fiona lächelt. „Wer weiß, vielleicht finden wir es ja eines Tages heraus?“

Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview!

„Sehr gern“, Victor Berlington lächelt. „Wenn Sie möchten, zeige ich Ihnen noch meine kleine Kunstsammlung, bevor Sie gehen.“
Miss Chester meint: „Oh, die würde ich mir auch gern noch einmal ansehen.“
„Ich hoffe, das Interview wird nicht in einer Zeitung veröffentlicht?“, fragt Fiona.
„Warum denn nicht?“, fragt Giselle.
„Es muss ja nicht jeder wissen, dass ich eine Hexe bin“, erwidert Fiona leise. „Stellen Sie sich nur mal vor, wenn das allgemein bekannt werden würde, dass es Magie gibt...“
Eliott Breeches' Mundwinkel zucken. „Haha, ich schätze, eher landen wir in einer Irrenanstalt, als das uns das irgendjemand glaubt.“


Neugierig geworden auf das Buch?
Link zur Rezension

Die Autorin: Amalia Zeichnerin
Das Cover des Buches
Berlingtons Geisterjäger 1
Anderswelt

[Protagonisteninterview] Die zweite Finsternis von E.S.Schmidt



Interview

E.S.Schmidt und Kaleb


zum Buch "Die zweite Finsternis"







[Wir befinden uns in einem Café.]


Claudia: Hallo und herzlich willkommen zu diesem Interview. Es freut mich, dass du Zeit hattest vorbei zu kommen und dich meinen Fragen zu stellen, liebe Esther.
Esther:   Gerne, ich freue mich, hier zu sein. Danke für diese Gelegenheit, Kaleb vorzustellen.

Claudia: Oh, toll du hast auch einen deiner Hauptprotagonisten mitgebracht. Grüß Gott, Bruder Kaleb.
Kaleb:    (verneigt sich stumm, die Hände in den Ärmeln der Kutte. Setzt sich.)
Esther:   Gleich zur Vorwarnung: Kaleb ist nicht besonders gut im Beantworten von Fragen. Überhaupt habe ich bei der Überarbeitung des Buches mindestens die Hälfte seiner Redetexte streichen müssen, weil er einfach sehr wortkarg ist.

Claudia: Es freut mich wirklich außerordentlich euch zu treffen. Also gleich einmal zur ersten Frage: Wie geht  es euch heute?
Kaleb:    Gut.
Esther:   Wunderbar. Ich habe gerade eine Woche Urlaub hinter mir, in der ich an meinem neuen Projekt arbeiten konnte – eine ganz andere Geschichte, in einer ganz anderen Welt. Eher Richtung Fantasy – aber wie bei der Zweiten Finsternis geht es mir mehr um die „kleinen Leute“, nicht um die großen Herrscher, Zauberer und Helden.

Claudia: Trotzdem ist Kaleb ja so etwas wie ein Held.
Esther:   Würde ich auch sagen. (zu Kaleb) Oder wie siehst du das?
Kaleb:    Ich tue, was notwendig ist.

Claudia: Esther, wie kamst du auf die tolle Idee mit diesem doch eher düsteren Setting? Ich habe da ja so meine eigenen Ideen, auf welche Filme oder Serien du anspielen willst.
Esther:   Tatsächlich lasse ich mich oft von Filmen inspirieren. Was mir missfällt, verändere ich, und was ich mag, versuche ich besonders herauszuarbeiten. In diesem Prozess entsteht dann eine völlig neue, eigenständige Geschichte. Bei der Zweiten Finsternis war es die Figur des Kaleb und die Grundstimmung, die mir besonders wichtig waren. Ich selber würde die Stimmung übrigens eher als melancholisch bezeichnen.

Claudia: Kaleb, hältst du dich für melancholisch?
Kaleb:    Nein.

Claudia: Dir wird ja eine ganz spezielle Rolle in dem Buch zu Teil. Warum wird der Klerus so hochgestellt oder anders gefragt, wie wichtig ist die Rolle des Klerus tatsächlich im Kampf gegen diese Gefahr?
Kaleb:    Wir Erwählten sind die einzigen, die sich den Reapern entgegenstellen können. Das ist unsere Aufgabe.
Esther:   Da die Reaper telepathisch sind, braucht es besondere geistige Fähigkeiten, um gegen sie kämpfen zu können. Die Erwählten sind aus genetischen Versuchen mit der Reaper-DNA hervorgegangen und können ihre Gedanken abschirmen. Sie haben sich in zwei Klassen geteilt: den Hochklerus, der die Macht in den Städten hat, und die „niederen“ Mönche, die zum Kämpfen gezüchtet und ausgebildet werden.

Claudia: Kaleb, hast du ein Problem damit, dass du aus einem Zuchtprogramm hervorgegangen bist?
Kaleb:    nein.

Claudia: (nach einer Pause) Möchtest du dazu noch mehr sagen?
Kaleb:    Es war notwendig.
Esther:   (verdreht die Augen) Das ist ein Teil des Settings. In Zeiten der Not verschiebt sich die Moral. Der Mensch tut, was zum Überleben nötig ist, und rechtfertigt es irgendwie. Ob das OK ist, muss der Leser für sich selbst entscheiden – und in den Kommentaren zum Buch gehen die Meinungen dazu auch auseinander.
Im Grunde sind die meisten Geschichten – gerade im Bereich von Fantasy und Science Fiction – so etwas wie Sozialexperimente. Man erschafft als Autor ein bestimmtes Umfeld und beobachtet, wie sich Figuren und Gesellschaft darin entwickeln.

Claudia: Also haben Figuren tatsächlich ein Eigenleben?
Esther:   Wenn die Figur „dreidimensional“ ist, wie es so schön heißt, dann kann man sie bestimmte Dinge einfach nicht mehr tun lassen, weil es sich schon beim Schreiben „falsch“ anfühlt. Nicht mal für ein Interview. (Wirft Kaleb einen bösen Blick zu)

Claudia: Wie kann man sich denn diese Reaper vorstellen? Diese Wesen klingen ja gruselig und gefährlich.
Esther:   Im Grunde sind es schwarze Drachen ohne Flügel. Bei ihrer Geburt sind sie etwa so groß wie ein Schäferhund, aber sie wachsen bis zu ihrem Tode – und niemand weiß, wie alt so ein Reaper werden kann. Der Reaper, der Kaleb in Raffaels Hütte gegenüberstand, war in etwa sechzig Jahre alt und so groß wie ein Kleinbus. (zu Kaleb) Kommt das hin?
Kaleb:    (unbeeindruckt) In etwa.
Esther:   Und wie gesagt, Reaper haben bestimmte geistige Fähigkeiten. Das hat zwei Wirkungen: Zum einen können sie die Absichten eines Gegners im Voraus erkennen, und zum anderen können sie ihre geistigen Kräfte auf einen einzigen Punkt ihres Körpers konzentrieren, so, wie buddhistische Mönche es tun. Dadurch – und durch ihre Schuppen – werden sie praktisch immun gegen punktuelle Waffen wie Messer oder sogar Kugeln.

Claudia: Kaleb, wie kann man nur gegen diese Wesen kämpfen und ihnen nicht unterlegen sein?
Kaleb:    Mit Disziplin und Fokus.

Claudia: Aber hast du keine Angst, wenn du ihnen gegenübertrittst?
Kaleb:    Wenn Menschen auf dich zählen, musst du funktionieren. Angst hilft da nicht weiter.
Esther:   (lächelt) Ah, er taut auf.
Die Schwäche der Reaper ist, dass sie trotz all ihrer geistigen Fähigkeiten Tiere sind, also eher instinktgesteuert, und nicht über die menschliche Form von Intelligenz verfügen. Dadurch sind sie manipulierbar – wenn man über die Fähigkeiten eines Erwählten verfügt. Das ist schwer zu erklären, das muss man miterlebt haben. Ich beschreibe einen solchen Kampf relativ früh im Buch.

Claudia: Wie kamen die Reaper eigentlich auf unsere Welt? Und gibt es eine Vorgeschichte zu dem Orden, wo du Mitglied bist?
Esther:   Die Reaper entkamen aus einem havarierten Raumschiff. Da der Absturz irgendwo in der kanadischen Wildnis stattfand, konnten sie sich unbemerkt vermehren, und als den Menschen klar wurde, was da passiert ist, war es schon zu spät. Viel mehr wird im Buch eigentlich auch nicht dazu gesagt – der Fokus liegt ganz darauf, wie die Menschen mit der neuen Situation fertig werden. (Zu Kaleb) Die Frage mit dem Orden ging an dich.
Kaleb:    Laut den Lehren der Kirche wurde der ersten Erwählte von einer Jungfrau geboren. Von ihm stammen alle Erwählten ab. Aber es gibt nicht viele Aufzeichnungen aus der dunklen Zeit. Wir kennen nicht einmal seinen Namen.
Esther:   Ich schon. Aber das ist eine andere Geschichte, und die soll ein andermal erzählt werden.

Claudia: Das heißt, du wirst noch einmal mit Kaleb in die Gegend von Selimsburgh zurückkehren?
Esther:   Ideen dazu habe ich schon. Ich würde eine Fortsetzung gerne dazu verwenden, die Vorgeschichte näher zu beleuchten, die Entstehung des ersten Erwählten und so weiter. Vom Handwerklichen wäre es sicher herausfordernd, zwei Zeitebenen so miteinander zu verschränken, dass trotzdem eine einheitliche Geschichte entsteht.

Claudia: Um schön langsam zum Ende zu kommen möchte ich noch eine letzte Frage an euch stellen, nämlich was wünscht ihr euch für die Zukunft oder was würdet ihr gerne in Zukunft noch erleben wollen?
Kaleb:    (schweigt, trinkt seinen Kaffee).
Esther:   (flüsternd) Wir sollten ihn besser nicht nach Eunice fragen. (Lauter) Ich selbst habe noch einige Projekte in der Pipeline und wünsche mir eigentlich nur, dass ich es schaffe, konstant und produktiv daran zu arbeiten.

Claudia: Herzlichen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt für dieses sehr aufschlussreiche Interview.
Esther:   Ich danke dir – auch im Namen von Kaleb. 

[Protagonisteninterview] Das Glitzern des Glücks von Serena Avanlea




Protagonisteninterview 
"Das Glitzern des Glücks" 
von Serena Avanlea





[Wir treffen uns in einem Park in der Nähe des Einkaufsviertels. Cassie, Robert und Peter kommen jeweils aus verschiedenen Himmelsrichtungen auf mich zu.]


Hallo und herzlich willkommen zum Interview. Es freut mich wirklich außerordentlich, dass ich Euch heute hier bei mir begrüßen darf.
Wie geht es Euch heute?

Robert: (zischend) Geht so.

Cassie: Sehr gut, danke der Nachfrage. Vor einem Jahr hätte ich das niemals geglaubt, aber die Trennung von Robert hat mir sehr gut getan und ich denke, ich kann wirklich sagen, dass ich lange nicht so glücklich war, wie heute.

Peter: (lächelt Cassie an) Da kann ich mich nur anschließen….

Ich glaube ich habe mich verhört, ihr zwei seid nicht mehr zusammen Cassie und Robert? Warum denn das?
Robert (geht sofort auf Peter zu und versucht ihn wegzuschubsen. Peter weicht jedoch geschickt aus): Das ist alles nur seine Schuld, er hat mir meine Freundin ausgespannt!

Cassie (schüttelt heftig den Kopf): Also, so war das ja nun wirklich nicht.

(Peter lacht einfach nur und wehrt weiterhin geschickt Roberts Angriffe ab.)

Okay, so funktioniert das anscheinend nicht. Man sieht, dass du gerne unser Interview verlassen würdest, Robert. Ich wünsche dir noch viel Erfolg mit deiner Band Poison Polecats.
[Robert rauscht beleidigt ab.]

Nun habt ihr mich aber neugierig gemacht! Was war denn nun wirklich los? Wie kam das alles?
Peter: Puh, das ist aber wirklich eine lange Geschichte.

Cassie: … und eine sehr komplizierte dazu. Wir haben wahrscheinlich die ungewöhnlichste Kennlerngeschichte, die man sich vorstellen kann.
Peter (legt beschützend einen Arm um Cassie): Aber wir können es ja mal versuchen. Eigentlich fing alles damit an, dass Cassie in der Keksfabrik meines Vaters gejobbt hat. Und ich habe die leidige Aufgabe, dort immer alle Maschinen zu reparieren.

Das kannst du so einfach?
Peter: Ja, irgendwie schon. Ich habe unter anderem Physik studiert und so eine Maschinenlogik lässt sich recht leicht durchschauen, wenn man ein Mal die Grundprinzipien verstanden hat.

Cassie (lachend): Eigentlich gibt es nichts, was er nicht kann….

Peter: Naja, jetzt wollen wir mal nicht übertreiben. Auf jeden Fall standen gerade an einem Feiertag mal wieder die Maschinen still und Cassie wurde dazu verdonnert, mich von zu Hause abzuholen. Leider war ich nämlich so in der Arbeit versunken, dass ich telefonisch nicht zu erreichen war. Und so kam es dann…
Cassie: … dass ich gezwungen war bis zu seinem Labor im Keller vorzudringen. Dabei habe ich ihn dann bei den Experimenten mit seiner wichtigsten Erfindung beobachtet.
Peter: Ja, meine Zeitreisemaschine.

Was war dein erster Gedanke, als du diese Maschine gesehen hast, Cassie?

Cassie: Also erstmal konnte ich das natürlich gar nicht richtig einordnen. Das kam erst später, nachdem ich mit meiner Freundin Vicky gesprochen habe, die ebenfalls Physik studiert. Dann war mir schnell klar, dass diese Maschine der Schlüssel zu all meinen Problemen sein könnte. Ich könnte einfach zurückreisen und alles besser machen…Hättest du, Peter, Cassie jemals so eine Aktion zugetraut?

Peter: Nein, auf keinen Fall hätte ich vermutet, dass sich jemals jemand freiwillig in eine noch nicht fertig getestete Zeitmaschine setzt…
Cassie (schlägt die Hände vors Gesicht): Ich war soooo dumm damals…
Peter: (streichelt Cassies Rücken und küsst sie sanft) Als ich Cassie in der Maschine habe verschwinden sehen, habe ich auf jeden Fall ganz schöne Panik bekommen!


Hatte das vielleicht auch etwas damit zu tun, dass du damals schon in Cassie verliebt warst?

Peter (nachdenklich): Vielleicht. Aber richtig bewusst war mir das damals noch nicht. Ich wusste nur, dass sie ein ganz besonderer Mensch ist. Aber bis sich daraus die Liebe entwickelt hat…
Cassie: Ja, das hat noch ein wenig gedauert. Ich denke, das kann man auch am besten in unserem Buch "Das Glitzern des Glücks" nachlesen. Alles andere würde den Rahmen des Interviews wahrscheinlich sprengen.
Nun komme ich auch schon zu meiner letzten Frage: Was sind eure Wünsche für die Zukunft?
Peter: Auf jeden Fall, das wir weiterhin so glücklich sind….

Cassie: … und vielleicht noch, dass niemand es je schafft ebenfalls eine Zeitreisemaschine zu erfinden.
Peter (nickend): Ja, das führt einfach zu nichts Gutem. Man sollte die Vergangenheit lieber auf sich beruhen lassen.
Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview!
Peter & Cassie: Sehr gerne!

Sonntag, 12. Februar 2017

Protagonisteninterview Blutiges Land von Wolfgang Thon

 



Protagonisten - Interview 






Herzlich Willkommen zum Interview!

[Wir befinden uns im Rosengarten der Familie von Villesen, bei mir befinden sich Auguste und Maria von Villesen und Eik Schmalens]

Wie würden Sie sich in drei Worten selbst beschreiben?

„Zunächst einmal Herzlich Willkommen auf Schloss Villesen, Madame Claudia. Wie mutig, dass Sie in diesen unruhigen und gefährlichen Zeiten das Wagnis auf sich genommen haben, zu reisen.“ Maria von Villesen lächelt und schüttelt dann den Kopf. „Es behagt mir nicht, von mir selbst zu reden, aber …“ Sie seufzt. „Wenn es denn sein soll.“ Sie denkt nach. „In drei Worten? Soviele?“ Sie lächelt. „Pflichtbewusst.“ Sie nickt. „Stolz.“ Sie blickt ihre Tochter an. „Und zäh. Was übrigens für alle Villesens …“

Augusta legt ihr die Hand auf den Arm. „Drei Worte, Mutter.“

„Das waren auch schon drei, Augusta“, mischt sich Eik ein und grinst.

Die beiden Frauen werfen ihm einen tadelnden Blick zu.

„Also gut, kommen wir zu mir“, sagt Augusta. „Mutig. Klug.“ Sie überlegt kurz und sieht Eik an. „Leidenschaftlich!“, sagt sie dann.

Eik verzieht den Mund. „Pflichtbewusst, ach nein, das hatten wir schon.“ Er runzelt die Stirn. „Ruhig. Zielstrebig. Und … loyal.“

Mir ist vor allem eine Szene in Erinnerung geblieben, als Sie Freifrau von Villesen, Cornet Eik Schmalens halfen zu fliehen um seine Familie zu retten. Was bewog Sie dazu, sich in Gefahr zu bringen und warum ließen Sie sich darauf ein? 

„Ich muss gestehen, liebe Madame Claudia, in diesem Moment, und Sie spielen gewiss auf die Szene in unserem Schlosshof an, habe ich nur daran gedacht, dass ich unmöglich zulassen konnte, wie Eik … ich meine, einer der Unsrigen von jemandem wie diesem arroganten Rittmeister so brutal behandelt wurde. Und mir gefielen auch seine Pläne nicht, diese sogenannten Feinde des Kaisers in unser Dorf zu verfolgen. Immerhin war Bruchhausen unser Dorf und die Menschen dort unsere Bauern und Handwerker und Arbeiter, und als Gutsherrn können wir nicht nur die Früchte ihrer Arbeit genießen, sondern tragen auch die Verantwortung für jene, die sich unserem Schutz unterstellen. Daran, dass ich in Gefahr sein könnte, habe ich ehrlich gesagt gar nicht gedacht. Und wie wir ja wissen, war es richtig, dass ich Eik Schmalens ermöglicht habe, zum Dorf zu reiten und die Bewohner zu warnen.“ Nach einer kleinen Pause fährt sie fort: „Und auch wenn ich keine persönlichen Gründe für mein Verhalten gehabt hätte, hätte ich wohl bei jedem anderen ebenso gehandelt.“

Was fühlten Sie, Herr Cornet Eik, denn das Ende war gewiss anders geplant?

„Ich war zugegebenermaßen überrascht, dass sich Freifrau von Villesen so konsequent und mutig für mich eingesetzt hat.“ Er verneigt sich in Augustas Richtung. „Vielleicht darf ich Euch an dieser Stelle noch einmal um Verzeihung bitten, Augusta, dass ich jemals an Eurer Aufrichtigkeit gezweifelt habe.“ Er sieht Madame Claudia an. „Und zudem hat mich das Verhalten von Augusta von Villesen zutiefst berührt, auch wenn ihr Mut und meine Bemühungen letzten Endes nichts haben ausrichten können. Aber, wie gesagt, mein Bild von Augusta von Villesen hat sich in diesem Moment doch erheblich verändert.“

Nun zu einem anderen Thema: Sie durften, jeder von Ihnen, große Persönlichkeiten kennenlernen. Welche von diesen ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben und warum?

„Nun, diese Frage kann ich euch sofort und ganz klar beantworten, Madame Claudia.“ Augusta von Villesen hob eine Braue. „Wie Ihr wisst, hat das Schicksal mich ja kurzzeitig nach Paris verschlagen, und ich bin dort in Begleitung von Albert Montfine, dem Marquis de Berny, auch im Palais de Louvre gewesen, dem Hof des französischen Königs. Dort habe ich einen Mann kennengelernt, den ich ganz gewiss nicht so schnell vergessen werde, und ich meine damit nicht den König, falls Ihr das erwartet habt, Madame Claudia.“ Augusta lacht. „Ich meine Kardinal Richelieu. Ich habe dort etliche Männer kennengelernt, die mir den Eindruck zu vermitteln suchten, sie wären die intelligentesten Diplomaten, Politiker oder Militärs Frankreichs. Aber Richelieu hat es geschafft, mich während meiner Gespräche mit ihm immer wieder glauben zu machen, ich wäre der intelligenteste Gesprächspartner, mit dem er sich je unterhalten hätte.“ Augusta wedelt mit der Hand. „Kein Wunder, dass dieser Mann ein so überaus erfolgreicher Politiker und gefährlicher Widersacher ist.“

Eik räuspert sich. „Ich kann zwar nicht mit so vornehmen Persönlichkeiten aufwarten, aber mir ist vor allem der schwedische Gesandte Graf Horn in Erinnerung geblieben, der für Gustav Adolf von Schweden die Verhandlungen mit den Emissären des Kardinals Richelieu führte. Das Verhandlungsgeschick des Grafen hat letztlich dazu geführt, dass Gustav Adolf überhaupt in der Lage war, in dieser kurzen Zeit eine so schlagkräftige Armee aufzustellen, mit der er dem Kaiser so viel Angst gemacht hat, dass der und seine Kurfürsten Wallenstein förmlich angebettelt haben, zurückzukehren und den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen wieder zu übernehmen.“

Wie fühlten Sie sich bei Ihren Reisen, Schlachten und Beobachtungen, welche Sie gezwungen waren mitzuerleben und teilweise nicht eingreifen konnten?

„Es gab etliche Situationen, zugegebenermaßen, in denen ich daran zweifelte, ob ich wirklich das richtige tue.“ Eik reibt sich die Schläfen, als er sich erinnert. „Gewiss, am Anfang war ich machtlos und wollte nur überleben. Und ich war froh, dass ich Leute gefunden hatte, die mir halfen.“ Sein Blick zuckt zu Augusta. „Aber ich habe schnell gemerkt, dass dieser Krieg einem nicht erlaubt, sich herauszuhalten. Denn wenn man nicht versucht, dafür zu kämpfen, dass es Frieden gibt, dann wird man einfach nur von denen überrollt, die aus vielerlei Gründen an einem Frieden gar kein Interesse haben. Und man braucht einen starken Glauben, wenn man angesichts all der Gräuel und der Schrecken an seiner Liebe zu den Menschen festhalten will. Ich dachte lange, das Schlimmste, wäre gewesen, mitansehen zu müssen, wie meine Eltern starben. Aber jetzt, in der Rückschau, kann ich sagen, dass es noch viel schlimmer war, so viel Leid und Ungerechtigkeiten zu sehen, die im Namen der Religion begangen wurden und bei denen es doch nur um Machtgewinn ging. Und vor allem ist es schrecklich, wenn der ständige Anblick dieser schrecklichen Auswirkungen auf die unschuldige Bevölkerung sogar dazu führt, dass man selbst abgestumpft wird und irgendwann vergisst, warum man diesen Krieg eigentlich führt.“ Eik sieht Augusta an und dann wieder Madame Claudia. „Aber das schlimmste …“, seine Stimme klingt heiser, „war für mich, aus dem Munde von De Lemos zu erfahren, welche Schicksal seine Tochter erlitten hat. Dass ich das nicht verhindert habe, war für mich die schlimmste Erfahrung in diesem Krieg.“

Augusta wischt sich verstohlen eine Träne aus im Auge, bevor sie sich an Madame Claudia wendet. „Ich war ja in einer sehr privilegierten Lage, da ich im Schutze der französischen Gesandtschaft durch dieses Kriegsgebiet gereist bin, und selbst erst am Ende dieser Reise, in Magdeburg, in größte Gefahr geriet. Aber Eik Schmalens hat recht, mit ansehen zu müssen, unter welch grausamen Umständen und unter welch unwürdigen Bedingungen die einfache Bevölkerung ihr Leben fristet und von einer vollkommen enthemmten Soldateska drangsaliert wird, war nur schwer zu ertragen. Ebenso wie das ohnmächtige Gefühl, ihnen letztendlich nicht helfen zu können.“ Augusta hebt die Hände. „Jedenfalls nicht befriedigend. Was nützt einem Bauern in seinem niedergebrannten Hof, wenn man ihm einen Taler in die Hand drückt? Und wenn es nirgendwo im weiteren Umkreis einen Ort gibt, wo er sich von diesem Taler etwas Essbares für sich und seine Familie kaufen könnte?“

Maria von Villesen ergreift das Wort. „Dieser Krieg uns deutlich gemacht, wie hilflos und wie zerbrechlich der einzelne Mensch in diesem Mahlstrom aus Gewalt und Blut ist. Wenn alle Menschlichkeit und Vernunft plötzlich von der Welt verschwunden zu sein scheinen.“ Sie schüttelt den Kopf. „Umso wichtiger war es mir, mich nicht einfach einem Fatalismus hinzugeben und zu sagen, was kann ich unbedeutender Menschen tun, sondern im Gegenteil, meinem Handeln noch mehr als vorher Bedeutung beizumessen und einzugreifen und zu helfen, wo ich kann und sei es auch nur durch eine winzige Geste.“

Glauben Sie an Gott?
„Das tue ich.“ Eik nickt. „Wenn man ansieht, was mit unserem Land geschieht, im Namen der einzig wahren Religion, muss man daran zweifeln, dass das nur Menschenwerk sein soll.“

„Aber bei allem Leid, das Gott uns auferlegt“, fährt Maria von Villesen fort, „dürfen wir nicht vergessen, dass seine Wege für uns Menschen unergründlich sind …“

„Womit sich seine Wege allerdings nur unwesentlich von denen einiger Menschen unterscheiden, die unsere Geschicke steuern“, setzt Augusta von Villesen hinzu, der diese Bemerkung ein missbilligen zwischen ihrer Mutter und ein beifälliges Schnauben von Eik Schmalens einbringt.

Welche Dinge oder Aktionen bereuen Sie am meisten?

„Dass es mir nicht gelungen ist, eine Person zu retten, die ich ursprünglich als Konkurrentin betrachtet, später aber doch zu schätzen gelernt habe“, sagt Augusta. „Und dass ich meinen Bruder Valerian so lange darüber im Unklaren gelassen habe, wer Eik Schmalens wirklich ist.“

„Das ist eine Schuld, mein Kind, die ich ebenfalls auf mich geladen habe und das noch in viel größerem Maß als du.“ Maria von Villesen ringt die Hände. „Es wäre vielleicht vieles anders gekommen, wenn wir in diesem Punkt mehr und früher auf den gesunden Menschenverstand deines Bruders und auf seine Liebe zu seiner Familie vertraut hätten.“

Eik Schmalens hält den Blick gesenkt, als er antwortet. „Was ich bereue, dass ich einen Freund verloren habe, weil ich ihn voreilig verurteilt habe.“ Er seufzt und hebt den Kopf. „Und dass ich den Tod zweier unschuldiger Menschen auf dem Gewissen habe, eine Bürde, die ich den Rest meines Lebens mit mir herumtragen werde.“

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?


Die drei Personen, Maria von Villesen, Augusta von Villesen und Eik Schmalens sehen sich kurz an und nicken.

„Dass dieser grausame Krieg“, beginnt Eik, unter zustimmendem Nicken von Augusta und Maria, „endlich zu Ende gehen möge, damit die Verwüstung Deutschlands aufhört.“

„Und das Gott all die Unschuldigen beschützen möge“, fährt Maria von Villesen fort, „die in diesen Krieg ohne eigenes Zutun hineingeraten und der grausamen Willkür der Söldner und ihrer Herren ausgeliefert sind.“

„Amen“, sagt Augusta von Villesen und legt ihre Hand auf den Arm von Eik Schmalens.


Herzlichen Dank für das Interview und mögen Ihre Wünsche in Erfüllung gehen.


Freitag, 10. Februar 2017

Protagonisteninterview Verwandte Seelen von Nica Stevens






Protagonisteninterview „Verwandte Seelen“ 

von Nica Stevens








Hallo ihr Lieben!
Herzlich willkommen zu diesem Interview!
Liebe Nica, ich freue mich, dass du dir heute Zeit für uns nimmst und auch gleich die Hauptprotagonisten deiner Verwandte-Seelen-Trilogie mitgebracht hast.


Nica: „Vielen Dank für die Einladung. Ich denke, ich kann auch für Samantha (Sam), Jake, Ryan und Grimmt sprechen, dass wir gern bei dir sind.”

Sam: „Nica hat uns von der Fantasywoche erzählt. Wir finden dieses Event richtig toll und freuen uns auf das Interview.”
(Sie blickt zu Jake, der sie anlächelt und ihr zunickt.)

Grimmt: „Gibt es hier auch etwas zu essen?”

Ryan: „Unser Grimmt ist heute wieder sehr charmant. Wo bleiben nur deine Manieren?”

Grimmt: „Halt bloß deine unsterbliche Klappe.”

Nica: „Ähm … Vielleicht sollten wir einfach mit dem Interview anfangen, bevor die beiden sich mal wieder streiten.” (Sie zwinkert mir zu.)

Okay … Als Erstes möchte ich von euch wissen, wie ihr euch selber in drei Wörtern beschreiben würdet.

Ryan: „Grimmt ist ein Sturkopf, aber auch eine ehrliche Haut und ein treuer Freund.”

Grimmt: „Du Hornochse sollst nicht mich beschreiben, sondern dich selbst.” (Er verdreht die Augen.)

Jake: „Ich finde es gut, wenn wir uns gegenseitig einschätzen.” (Er schaut Sam tief in die Augen.) „Sam ist freundlich, gütig und hat sich durch ihren Gerechtigkeitssinn und ihr Mitgefühl schon oft in Gefahr gebracht.”

Sam: (Sie streicht ihm das Haar aus der Stirn.) „Jake ist liebenswürdig, respektvoll und mutig. Er ist selbst für die anderen Clanführer eine Leitfigur.”

Ryan: „Hatte ich schon erwähnt, dass ich Grimmt charmant finde?”

Grimmt: (knurrt) „Und Ryan ist ein selten komischer Unsterblicher, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mir auf die Nerven zu gehen.”

(Alle lachen, nur Grimmt nicht.)

Jake, Sam sagt, du bist eine Leitfigur. Was glaubst du? Ob man verbitterte Personen wieder auf einen Weg der Vernunft bringen kann, auch wenn es immer wieder Berater gibt, welche diese wieder von einer weltoffeneren Sichtweise abbringen?

Jake: „Eine Bedrohung geht nie allein nur von denen aus, die Böses wollen, sondern auch von denen, die wegsehen und es somit zulassen. Es wird immer das Bestreben unseres Clans sein, anderen die Augen zu öffnen und sie zum Handeln zu ermutigen. Wir werden unsere Gesichter zeigen, unsere Stimmen erheben und vorangehen.”

Einen Moment lang herrscht Schweigen, ehe ich zögernd meine nächste Frage stelle: Könntet ihr die Seelenverwandtschaft der Unsterblichen in Worten beschreiben?

Sam: „Sie ist die reinste Form von Bestimmung – für ein vorhergesehenes, gemeinsames Schicksal.”

Jake: „Zwischen Seelenverwandten herrscht eine unwiderrufliche Anziehungskraft. Die Art ihrer Begegnung ist mit keiner anderen vergleichbar. Sie spüren ihre tiefe, naturgegebene Verbundenheit.” (Er küsst Sam zärtlich auf die Schläfe.)

Sam: „Wir teilen unsere Sinne, unsere Gefühle, unsere Seelen.”

Ryan: „Die Vereinigung der Seelen ist ein Bündnis, das der Ehe der Menschen ähnelt. Aber es ist so viel mehr. Sie gehören den Rest ihres unsterblichen Daseins zusammen und sind nie wieder dazu in der Lage, ohne einander glücklich zu sein.”

Grimmt: „Ihr habt vergessen, dass die Herzen der Seelenverwandten im gleichen Rhythmus schlagen.” (Er seufzt theatralisch und schaut mich an.) „Können wir das Thema wechseln? Diese Gefühlsduselei macht einen ja irre.”

Ryan: (lacht) „Irgendwann machen wir aus dir auch noch einen Romantiker.”

Grimmt: „Träum weiter …”

Nica, gibt es eigentlich Lieblingscharaktere unter deinen Protas?

Nica: „Hm … Das ist eine schwierige Frage.” (Sie schaut in die Runde.)

Grimmt: „Ach, komm schon. Nur keine falsche Scheu. Du kannst ruhig zugeben, dass Jake deine Nummer eins ist.” (Er krault sich durch den Vollbart und grient übers ganze Gesicht.)

Nica: „Natürlich finde ich Jake ganz toll. Wer von uns Frauen wünscht sich nicht so einen unwiderstehlichen Seelenverwandten. Sam ist etwas ganz Besonderes. Ich mag sie unheimlich gern, schließlich war sie diejenige, die uns mit auf diese abenteuerliche Reise genommen hat. Ryan ist ein treuer Freund und ich war mehr als einmal froh darüber, dass er Jake zur Seite stand. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass er auch viele Herzen zum Schmelzen gebracht hat. Sally und Matt möchte ich an dieser Stelle nicht vergessen. Sie haben uns amüsante Momente beschert, ebenso wie wir mit Dexter und Conner traurige Szenen erlebt haben. Marie, Silas, Nancy, Sophia, Will … Irgendwie sind sie alle zu einer großen Familie zusammengewachsen und jeder, der in ihre Welt eingetaucht ist, mit ihnen. Und Grimmt, der aufbrausende und doch gutmütige Brummbär …”

Grimmt: „Sie hat mich jetzt nicht wirklich Brummbär genannt, oder?”

Ryan: „Haha. Ich lach mich schlapp. Unser charmanter Teddy …”

Grimmt: „Du hinterhältige Brut eines Unsterblichen. Ich reiß dir gleich den Kopf ab.”

Sam: „Das geht den ganzen Tag so, wenn die beiden aufeinandertreffen.” (Sie schüttelt den Kopf.)

Jake: „In Wahrheit mögen die zwei sich mehr, als ihnen lieb ist.”

Nica: „Mich lässt mal wieder keiner ausreden. Ich wollte vorhin eigentlich sagen, dass Grimmt im Geheimen meine Nummer eins ist.” (Sie schaut ihn schmunzelnd an.)

Grimmt: „Ich?”

Jake: „Das ich das noch erleben darf. Mein bester Freund wird tatsächlich rot.”

Grimmt: (gibt sich empört) „Ich werde nicht rot.”

Ryan: „Das kommt gerade voll charmant rüber.”

Sam: „O nein, ihr werdet jetzt nicht schon wieder streiten. Wenn ihr euch nicht benehmen könnt, nimmt Nica uns nie wieder zu einem Interview mit.”

Damit erübrigt sich wohl meine nächste Frage, ob deine Protas sich manchmal selbstständig gemacht haben?

Nica: (lacht) „Sie sagen und machen, was sie wollen. Ich habe da nur ganz selten Einfluss drauf.”

Grimmt: „Hey … Wir sind eigenständige Persönlichkeiten. Ich lasse mir von niemandem vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe. Nicht einmal von Nica.”

Ryan: „Naja, bei mir war Nica ziemlich hartnäckig. Sie hat nicht aufgegeben, bis sie mich mit Sophia verkuppelt hatte.”

Sam: „Und mir hat sie immer beigestanden. Ohne sie hätte ich manche Situation nicht überstanden.”

Jake: „Sie hat mir Sam geschenkt. Das ist alles, was für mich zählt.”

Ein guter Stichpunkt für meine letzte Frage. Jake und Sam, ihr seid einfach toll zusammen. In den vielen Rezensionen kann man nachlesen, wie traurig alle sind, dass eure Geschichte zu Ende ist. Können wir vielleicht doch noch auf ein weiteres Abenteuer mit euch hoffen?

Sam: „Diejenigen, die die Verwandte-Seelen-Trilogie gelesen haben, haben alles gemeinsam mit mir durchlebt und haben gefühlt, was ich gefühlt habe. Sie wissen, welch großes Glück und zugleich große Bürde die Seelenverwandtschaft bedeuten kann. Meine Abenteuerlust ist daher für eine Weile gestillt.”

Jake: „Wir mussten immerzu für unsere Liebe kämpfen. Nichts ist selbstverständlich. Doch wir haben nicht aufgegeben, und haben uns unser Happy End verdient.”

Grimmt: „Freut euch nicht zu früh. In letzter Zeit hängt Nica ständig mit Jenna und Jared zusammen. Irgendetwas hecken die aus.”

(Alle schauen gleichzeitig zu Nica.)

Nica, hiermit erteile ich dir das Schlusswort.

(Nica lächelt und schweigt.)

Ryan: „Komm schon, raus mit der Sprache.”

Jake: „Diesen Blick kenne ich, das hat nichts Gutes zu bedeuten.”

Sam: „Nica? Sag was.”

Nica: „Na gut … Ich gebe es zu. Irgendwie schaffe ich es nicht, euch ganz loszulassen. Dafür habt ihr mein Leben zu sehr auf den Kopf gestellt.”

Sam: „Aber unsere Geschichte ist doch zu Ende erzählt …”

Nica: „Das stimmt. Aber … Jenna und Jared werden ihr eigenes Abenteuer bekommen. Es wird eine eigenständige Geschichte sein, ohne dass man die Verwandte-Seelen-Trilogie vorher gelesen haben muss. Allerdings wird es dabei für alle Fans auch ein Wiedersehen mit euch geben.”

Grimmt: „Die Götter stehen uns bei!”


Ich danke für das Interview und freue mich auf ein baldiges Wiedersehen. (Nica hat mir verraten, dass es voraussichtlich in diesem Jahr soweit sein wird)

Das Copyright des Covers liegt beim Drachenmondverlag bzw. Phantasmal Image Fotografie.!