Samstag, 25. März 2017

[Protagonisteninterview] The wild hunt von M.H.Steinmetz

[Wir sitzen hier gemütlich auf der Terrasse des Atchafalaya Rose in der Gegend von Butte la Rose. Bei mit befinden sich Mason Astley, Eric, Nina, die Familie Lafayette und M.H.Steinmetz. Die Abendsonne funkelt auf dem Atchafalaya River.]

Hallo und herzlich willkommen zum Interview. Ich freue mich wirklich sehr, dass du, lieber Mario, Zeit hattest zum Interview vorbeizukommen.

Mario (legt die Speisekarte zur Seite, setzt die Sonnenbrille ab und lächelt): War nicht gerade einfach mit der langen Anreise. Aber wieder hier zu sein, weckt alte Erinnerungen an schwüle Sommertage in Butte la Rose. Erinnerungen, die mich dazu inspiriert haben, eine Geschichte zu schreiben. Und ich werde wieder das hervorragende Gumbo essen … Ehrlich, Sie sollten es auch probieren!

Wie ich sehe, hast du auch einige deiner Protagonisten mitgebracht. Willst du sie uns nicht vorstellen? Oder besser stellt euch selbst vor mit drei Worten.

Die Bedienung, eine große, attraktive Frau, tritt derweil an den Tisch, um die Bestellungen aufzunehmen.

Mario (lacht und nippt an seinem JD mit Eis): Das überlasse ich meinen Freunden lieber selbst. (blickt die Bedienung an) Ich nehme das Gumbo und einen Jack Daniels mit viel Eis.
Eric (zwinkert Nina zu): Ich komme eigentlich aus Deutschland und arbeite mit Nina's Firma zusammen an einem großen Projekt als Ingenieur.  Für mich bitte ebenfalls das Gumbo und'n Root Beer.
Nina: Im übertragenen Sinn bin ich Erics Vorgesetzte (kichert). Nicht einfach für eine Frau. Ich mag vielleicht dünn sein und nicht besonders groß, aber ich habe verdammt spitze Ellbogen … Gumbo, der alten Zeiten willen. Und einen Eistee.
Mason: Ich arbeite als Reporter bei einer namhaften Tageszeitung. Das ist es, was ich tue. Mit Leib und Seele. (Er kramt sich umständlich eine Zigarette aus einer zerdrückten Packung und sieht in die Runde) Ja, ich weiß, verdammt, sollte es mir abgewöhnen … für mich bitte nen Kaffee, mehr brauch ich nicht.
Poebe Lafayette: Wir Lafayettes leben schon seit Generationen in diesem Land. Es ist archaisch, in den Sümpfen zu leben, es ist hart, aber zugleich auch wunderschön. Hier wirst du zu einem Teil der Natur, kannst Mutter Erde nah sein. Wir sehen uns als Bewahrer der Wälder, deswegen sind wir hier. Ich denke, mein Mann Chander und meine Tocher Yuna sind da einer Meinung mit mir (zustimmendes Nicken der Beiden) … einen Salat, Süße …
Yuna: Gumbo und … hm … ein kaltes Alligator Beer.
Chander (lächelt): Steak, blutig … und diesen trockenen, französischen Rotwein bitte.

Interessant, was man da so alles erfährt.
Lafayette? Moment, dieser Name sagt mir doch etwas! Mario, warum hast du ausgerechnet dieses Adelsgeschlecht gewählt?
Mario: Ich bin das erste Mal auf den Namen aufmerksam geworden, als ich in Louisiana unterwegs war und an der Stadt Lafayette vorbei kam. Louisiana ist französisch geprägt. Besiedelt wurde es durch die Arkadians, das waren französische Einwanderer, die in Kanada ihr Glück versuchten, dort scheiterten und dann nach Louisiana gingen. Dort wurde der Marquis de Lafayette zu einer Schlüsselfigur. Er war schon früh ein glühender Verfechter der Freiheit aller Menschen. Selbst adlig, kämpfte er dennoch auf Seiten der Liberté während der französischen Revolution. Als diese sich radikalisierte, ging er nach Amerika und schloss sich Washington an. Ich könnte viele Seiten mit dieser faszinierenden Persönlichkeit füllen.

Und warum lässt sich ein Marquis de Lafayette ausgerechnet hier im Nirgendwo nieder?
Chander (räuspert sich, sieht kurz zu seiner Frau, die ihm aufmunternd zunickt): Das erzähle ich am besten selbst. Wir haben für Washington unser Blut im Krieg gegen die Engländer gegeben und ihm zum Sieg verholfen. Als Amerika unabhängig war, zeigte er seine Dankbarkeit mit der Überschreibung dieses Stück Lands an meine Familie. Es war Ehre und Herausforderung zugleich, denn Louisiana war zu dieser Zeit ein sehr wildes, ursprüngliches Land. Also bauten wir das Fort und begannen mit der Ansiedlung von Familien, die sich dieser Herausforderung stellten.
Poebe (spielt mit einer langen, kastanienbraunen Strähne): Ich wusste sofort, dass dieses Land etwas Besonderes ist. Es hat mich und Chander zusammengeführt und uns gelehrt, im Einklang mit der Natur zu leben. Mit allem, was die Sümpfe zu bieten haben. Das war nicht immer einfach und wir mussten sogar für viele Jahre unserem Land den Rücken kehren, aber letztendlich konnte sich immer das starke Blut der Familie durchsetzen.
Chander: Gegen alle Neider … (nickt und nippt an seinem Rotwein)

Neider? Also war doch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen?
Chander: Anfangs war es eine harte Zeit, bis sich alles gefestigt hatte. Zwischen den Familienclans wurde viel Blut vergossen. Sie kennen das bestimmt, Auge und Auge, Zahn um Zahn und Blut für Blut. Deswegen mussten wir nach Frankreich fliehen. Dort lernten wir, dass man durch Weglaufen keine Probleme aus der Welt schaffen kann. Also gingen wir wieder nach Atchafalaya zurück und stellten uns unserem erbittertsten Feind.

Nun zu euch Mason, Eric und Nina, was führt euch in diese verlassene Gegend?
Die Bedienung stellt die Teller auf den Tisch ...
Eric (zwinkert Nina zu): Wow, das Gumbo sieht ja noch besser aus, als das letzte Mal. Lasst es euch schmecken … Und wenn ich den Anfang machen darf. Wir sind hier, weil wir das sagenhafte Gumbo im Atchafalaya Rose genießen wollen. Also Nina und ich. Und … (er räuspert sich verlegen) … um uns besser kennenzulernen. Dann hatte ich die dumme Idee, den Sumpf zu erkunden ...
Nina (nimmt sich Besteck und zieht den Teller zu sich heran): Hätte es nicht besser ausdrücken können. Allerdings bin ich bei solchen Abenteuern immer recht skeptisch, denn man weiß ja nie, was einen in den Sümpfen erwartet. Da gibt es ne Menge Geschichten. Und was Erics Sumpftour betrifft, nun, die hat uns am Ende zu dem gemacht, was wir heute sind ...
Mason (schüttet sich ne Menge Zucker in den Kaffee, rührt um): Ist bei mir ne rein berufliche Sache, denn wer will schon freiwillig in diese verdammten, moskitovereuchten Sümpfe. Ich will groß rauskommen, die Story meines Lebens abliefern. Da kommen mir diese Hillbillys in den Wäldern gerade recht. (zögert, nippt an seinem Kaffee und denkt einige Sekunden nach)

Um das Interview nicht zu lange werden zu lassen, habe ich noch eine Frage. Was ist bitte ein Rougarou und warum haben sogar die Chitimacha-Indianer davor Angst?
Yuna (isst, während sie erzählt): Dazu muss ich jetzt mal was sagen, einfach, weil ich mich schuldig an ihrem Niedergang fühle. Die Chitimacha bewohnen schon seit Urzeiten das Mississippi Delta. Wir Lafayettes sind ja im Herzen Franzosen und die waren nicht immer nett zu den Ureinwohnern. (schiebt ihren Teller beiseite, trinkt und nickt anerkennend) Wow, das war wirklich lecker … Also, wo war ich gleich. Ach ja ...Erst das Blut hat uns zusammengeführt. Von ihnen erfuhren wir von der Sage um den Rougarou. Er lebt die meiste Zeit unauffällig unter uns, geht seinen Tätigkeiten nach wie normale Menschen auch. Doch wenn der Vollmond am Himmel steht, zieht ihn das Blut in die Wälder, wo er sich in ein Monster verwandelt, halb Mensch, halb Wolf. Dann sucht er sich die arglosen Wanderer, um ihnen das Fleisch von den Knochen zu nagen. Das ist aber noch nicht alles. Wenn du gebissen wirst, bleiben dir 101 Tage Zeit, um den Fluch zu lösen. Gelingt dir das nicht, wirst du beim nächsten Vollmond zum Rougarou.

Also ist der Rougarou so etwas wie ein Werwolf?
Yuna: Du meinst, wie der Loup Garou in Frankreich? Für euch mag das so sein. Für uns verkörpert er die Seele Louisianas. Und das Herz. Mindestens … Durch ihn erfuhren wir, was es bedeutet, hier zu leben. Ich
Poebe (legt ihrer Tochter eine Hand auf den Arm): Es reicht, Yuna. Ich möchte nicht, dass du dich in Rage redest, denn du weißt was dann geschieht, nicht wahr?
Yuna: Aber Mum, es ist die Botschaft des Blutes. Wir müssen sie in die Welt …
Chander (wischt sich den Mund ab): Hör auf deine Mutter. Wir haben schon zu viel gesagt. Das sind die Geschichten für die Menschen aus der Stadt.
Nina: Ich kann da ein anderes Lied von singen. Und, wenn du erlaubst, ich lebe in ner verdammt großen Stadt. Aber mal ne andere Frage. Dauert das hier noch lange, denn ich habe nen tierischen Hunger.

Und nun zur letzten Frage: Was wünscht ihr euch vom weiteren Leben? Welche Ziele und Wünsche habt ihr?
Chander: Die Zukunft unserer Familie liegt in den Händen unseres Sohnes Jaro. An ihm liegt es, unser Blut zu erhalten. Und die passende Frau dazu hat er auch schon gefunden, ein ganz außergewöhnliches Mädchen.  (Sein ernster Blick mustert die Anwesenden reihum)
Nina: Eric und ich, nun, ich könnte mir gut vorstellen, dass es was werden könnte. Jedenfalls leben wir jetzt in Baton Rouge. Was wir in den Sümpfen erlebt haben, hat uns auf ewig verbunden. Eric meint, wir sollten nach Europa gehen. (Sie lehnt sich mit verträumtem Blick zurück und sieht zum River, den Bäumen am gegenüberliegenden Ufer)
Eric (grubbelt nervös am Etikett seiner Root Beer Flasche): Ja, einfach, um Abstand zwischen uns und Butte la Rose zu bringen. Wegen dem, was dort vorgefallen ist.
Mason: Ich wünsche mir inzwischen gar nichts mehr (lacht)
Mario: Na ja, in meinem Kopf gibt es noch so viele Geschichten, die ich schreiben muss. Deswegen wünsche ich mir jede Menge Zeit und (lacht) einen geneigten Verleger(lächelt und denkt einen Augenblick nach) Und irgendwann ist meine Tochter alt genug, um sich an nem gemütlichen Abend meinen geistigen Abenteuern zu widmen. Ich bin mir sicher, sie wird ne Menge von mir selbst zwischen den Zeilen herauslesen können.


Herzlichen Dank für dieses sehr interessante Interview!

[Protagonisteninterview] Rodinia von Laurence Horn

[Wir befinden uns irgendwo in der Stadt Ilmathori. Laurence Horn, Kyrian, Mirabella und Valhelia sitzen mir gegenüber.]
  
Hallo und herzlich willkommen zum Interview. Ich freue mich wirklich sehr, dass du, lieber Laurence, Zeit hattest zum Interview vorbeizukommen.

Laurence: „Hallo Claudia, ich darf doch Claudia sagen? Auch ich freue mich sehr, hier sein zu dürfen. Momentan bin ich zwar geringfügig im Stress durch die Messevorbereitungen. Ich habe immerhin gleich zwei Lesungen auf der LBM, ein Agententreffen und ein Meet&Greet. Dann steht die Veröffentlichung der Anthologie `U-Files – Die Einhorn Akten´ aus dem Talawah Verlag (mit einer Kurzgeschichte von mir) an und ich stecke mitten im Schreibprozess von Rodinia Band zwei. Aber es hat ja glücklicherweise geklappt und hier bin ich.“

Wie ich sehe, hast du auch einige deiner Protagonisten mitgebracht. Willst du sie uns nicht vorstellen? Oder besser stellt euch selbst vor mit drei Worten.

Laurence: „Jaaa …“ *beugt sich vor und flüstert*: „Ich weiß jetzt nicht, ob das so eine gute Idee war, … Kyrian und Valhelia auf engstem Raum …“ *Zuckt die Schulter und deutet, die Charaktere mögen beginnen*
Kyrian *nickt mit angespannter Mine*: „Kyrian der Schwarze“
Valhelia *schaut Kyrian direkt an*: „Valhelia, dein Untergang!“
Mira: „Also ich bin Mira, Mirabella Hafermann. Ach so, das waren jetzt mehr als drei Worte … Entschuldigung.“
Valhelia *rollt mit den Augen*: „Wofür entschuldigst du dich?“
Mira: „Aber es waren nur drei Worte verlangt. Und ich habe mehr gesagt.“
Valhelia: „Das war doch bestimmt nur eine rhetorische Frage. Ach ja, du kommst ja vom Lande, dann erkläre ich es dir. Das, mit den drei Worten, war sicher nicht ernst gemeint.“
Mira: „Aber ihr habt doch auch nur drei Worte verwendet.“
Valhelia *rollt erneut mit den Augen*: „Das dauert mir zu lange, es zu erklären. Vergiss es. “
Kyrian: „Lass dich nicht anmachen, Mira.“
Mira *lächelt Kyrian an*
Kyrian wendet sich an Valhelia: „Und du: Lass sie in Ruhe.“
Laurence *lächelt unsicher*: „Ja, jetzt haben wir uns ja alle vorgestellt.“
Valhelia: „Nicht ganz.“ *schaut zur Interviewmoderatorin Claudia* „Meinen Namen nannte ich bereits. Meine Freunde nennen mich Val. Also für alle Anwesenden hier: Valhelia.“

Was für eine wunderbare Welt, in die du uns da entführst. Wie hast du dieses wundervolle Land entdeckt und [an die Protagonisten gewandt] habt ihr immer schon hier gelebt?
Laurence: „Entdeckt ist gut. Rodinia ist sehr alt. Mir hat der Name gefallen und es handelt sich um unseren hypothetischen Urkontinent. Hypothetisch, weil sich die Wissenschaftler nicht zwischen Pangäa und Rodinia einigen können. Wie ich schnell feststellte, regieren hier die Magier und herrschen über eine Vielzahl an Völkern. Ich habe bei weitem noch nicht über alles berichtet, was ich in Rodinia oder darüber hinaus entdeckt habe. Aber in Band zwei und drei werde ich noch vieles offenbaren.“ *beugt sich vor und flüstert verschwörerisch*: „Es ist sogar ein vierter Band, eine Vorgeschichte zur weißen Magierin, geplant. Aber das ist noch nicht spruchreif.“ *zwinkert Claudia zu*
Valhelia: „Darf ich jetzt? Danke. Ich lebe mein ganzes Leben bereits in Königstadt; im Magierviertel, dort wo die Elite wohnt, versteht sich. Ich kann mit Stolz behaupten, die Schülerin des Magisters zu sein. Ein ganz wunderbarer Mensch. Es bringt schon erhebliche Vorteile, was das Leben und den Stand in der Gesellschaft angeht, wenn man die oberste Ebene des Magierturmes bewohnt.“
Kyrian *Schaubt verächtlich*: „Ich kannte diese Welt nur aus Büchern, aus unseren Legenden. …“
Valhelia: „Unseren Legenden? Es gibt noch mehr von euch Zauberern?“
Kyrian: „Das werde ich meinem Feind mit Sicherheit nicht auf die Nase binden. Und wenn es nach mir geht, werde ich dieses Land vernichten.“
Mira: „Kyrian, sag so etwas nicht …“
Kyrian: „Warum? Sie haben meine Freunde getötet. Da ist es doch legitim, sich zu rächen.“
Valhelia *schnellt in die Höhe*: „Du bist unrechtmäßig in unser Reich eingedrungen und bist eine Gefährdung für diese unsere Welt!“
Kyrian *springt ebenfalls auf*: „Ich kam in Frieden!“
Valhelia: „Ach, eine fremde Welt erobert man also im Frieden …“
Kyrian: „Ich folgte einer Vision. Es geschieht Unrecht in dieser Welt durch sogenannte Eisnächte in denen hunderte von armen Menschen sterben.“
Valhelia: „Und das gibt dir das Recht, diese Welt auszulöschen … mitsamt den `ach so Armen´ Menschen?“
Laurence: „Wowwowwowwow … Alle setzten sich wieder. Vielleicht lassen wir Mira auch mal zu Wort kommen.“
*Die beiden setzten sich wiederwillig.*
Mira: „Ich wurde in Birkenbach geboren, einem kleinen Dorf am Rande der Grauen Steppe. Ich war dort sehr … eigentlich war ich glücklich. Es mangelte uns an nichts. Und wahrscheinlich säße ich immer noch dort, wenn nicht die Magier in unserem Wald aufgetaucht wären. Dort nahm das Schicksal seinen Lauf und ich traf auf Kyrian.“
Valhelia: „Du …“

Mira schweigt und blickt verlegen zu Boden.

Kyrian: „Zum Glück hat sie mich gerettet.“
Valhelia: „DU …“

Wie kamst du auf diese Idee, unbedingt nach Rodinia zu wollen, Kyrian? Der Empfang war ja etwas frostig.
Kyrian: „Ja, das stimmt. Wir kamen in friedlicher Absicht und dieses Magierpack …“
Valhelia: „Vorsichtig Zauberer. Wir befinden uns in Ilmathorie, einer Hochburg der Herrschenden Magier. Immerhin gehört uns die Welt. Wir geben den Menschen Essen, Arbeit und Wohlstand. Durch uns werden die Ernten ertragreicher, weil wir das Wetter zugunsten der Bevölkerung verbessert haben.“
Kyrian: „Ihr kontrolliert das Wetter und unterdrückt damit das Volk!“
Valhelia: „Woher willst du das wissen? Du bist nicht einmal von hier. Du stammst doch aus der Außenwelt!“
Kyrian: „Ihr werdet euch noch alle wundern. Meine Welt ist größer als alles, was ihr euch vorstellen könnt. Und wir Zauberer sind mächtiger als ihr Magier.“
„Valhelia: „Ha! Also gibt es doch mehr von euch?!“
Laurence: „Ruhig Blut. Wir sind hier zu einem Interview eingeladen worden. Neutraler Boden also. Wir sind Gäste. Kyrian, warum erzählst du nicht die ganze Wahrheit. Ich kann dich ja verstehen, wir hatten das Thema schon einmal. Fehlende Anerkennung durch den Vater. Missverstanden von der Familie.“
Kyrian: „Ich kann für mich selbst reden!“ *Kyrian atmet tief durch* „Ja, es ist wahr. Ganz uneigennützig bin ich nicht hierhergekommen. Irgendwie wollte ich meinen Vater beeindrucken. Aber letztendlich folgte ich, wie bereits erwähnt, einem Hilferuf. Von einer weißen … Magierin.“
Valhelia: „Einem Hilferuf? Ha, das ich nicht lache. Wer sollte das sein?“*lauernd schaut sie zu Kyrian*
Mira: „Das kann ich … bestätigen. Kyrian ist nicht so … wie er sich gibt. Lernt ihn kennen, dann versteht ihr seine wahren Beweggründe.“
*Valhelia lacht laut auf und schüttelt verächtlich mit dem Kopf.*

Wie war denn das erste Aufeinandertreffen?
Kyrian: „Wir fuhren tagelang durch diesen verfluchten Nebel. Und irgendwann riss er auf. Wir sahen eine schroffe Felsenküste mit einem Gebirge, welches die Gestirne fast berührt. Und dann …“ *Kyrian schluckt, schüttelt sich leicht* „Versenkt hat man unser Schiff. Heimtückisch mit Magie wurden wir angegriffen und irgendein Wesen hat alle außer mich getötet.“
Valhelia: „In der Tat. Es ist mir ein Rätsel, warum das Wächterwesen dich verschont hat.“
Kyrian: „Dafür werdet ihr bezahlen!“

Was wünscht ihr euch für eure weitere Zukunft?
Mira: „Ich wünsche mir ein Leben in Frieden und vielleicht mit …“ *sie blickt schüchtern in Kyrians Richtung*
Valhelia: „Tze. Da Scheiße ich einen großen Haufen drauf. Ich wünsche … nein ich werde dich zur Strecke bringen!“
Kyrian: „Versuch es doch. Komm. Greif mich an.“
Laurence: „Ja, haha … Was wünsche ich mir wohl. Eine Südseeinsel, ein neues Auto … nein Spaß beiseite.“ *Er macht eine beschwichtigende Geste zu beiden Streithähnen* „Naja, ich wünsche mir, dass der Leser Spaß hat und dass ich vielleicht sogar auf die Short-List des Deutschen Phantastik Preises mit >Rodinia – Die Rückkehr des Magiers< gelange. Dort bin ich nämlich in gleich drei Kategorien nominiert. Bester Roman, bestes Debüt und beste Grafikerin (Melanie Philippi). Das wäre wirklich eine sehr große Ehre für mich. Vielleicht … mag ja der eine oder andere noch seine Stimme abgeben? https://eveeno.com/Phantastikpreis-Phase1*lächelt überzeugend J *

Kyrian *murmelt zu sich selbst*: „Ich will eigentlich nur noch zurück in meine Welt.“
Laurence *flüstert ebenso leise zu Kyrian*: „Wir finden eine Lösung, in Band zwei.“

Und die letzte und wichtigste Frage: Wird man wieder die Möglichkeit haben nach Rodinia zurückzukehren?
Laurence: „Aber natürlich werden die Leser nach Rodinia zurückkehren. Die Sache ist noch nicht beendet. Ich befürchte, die Konstellationen werden nicht unbedingt konfliktlos ablaufen aber am Ende siegt doch immer das Gute. Oder?“ *blickt von Kyrian zu Valhelia* „Wenn es nach mir geht, erscheint Band zwei zum Winter 2017 und Band drei folgt kurz darauf, allerdings hängt das von vielen Faktoren ab. Gut Ding braucht Weile, heißt es so schön.“
Valhelia *schaut auf Kyrian*: „Ja, das Gute hat gesiegt, wenn dieser Zauberer endlich hinter Schloss und Riegel sitzt.“ *Sie beugt sich vor und zischt flüsternd*: „Früher oder später gehört dein Arsch mir.“
Kyrian: „Wohl kaum.“
Mirabella: „Ich glaube fest daran, dass letztendlich Frieden einkehrt und alle glücklich zusammen leben.“
Valhelia: „Für den Frieden werden wir Magier schon sorgen, verlass dich drauf.“
Kyrian *erhebt sich*: „Ich habe noch etwas zu erledigen und empfehle mich.“ *Er konzentriert sich und ist im nächsten Moment verschwunden.*
Valhelia springt auf. „Dieser Bastard. Er hat sich nicht an die Abmachung gehalten. Er hat gezaubert! Wachen!“ *Die Magierin stürmt aus dem Zimmer*
Laurence: „Ich habe es befürchtet, dass sich die beiden in die Haare kriegen.“
Mira murmelt leise: „Hoffentlich stößt ihm nichts zu. Ich wünschte Rahia wäre hier.“

Herzlichen Dank für dieses sehr interessante Interview!
Laurence: „ Ich habe zu danken. Und ich wünsche einen schönen Tag.“

Mira: „Auf Wiedersehen, es hat mich sehr gefreut, sie kennen zu lernen.“

Freitag, 24. März 2017

[Protagonisteninterview] Berlingtons Geisterjäger von Amalia Zeichnerin


[Wir treffen uns auf dem Anwesen von Lord Victor Berlington. Freundlich werde ich begrüßt und in den großen Salon hineingeführt. Dort treffe ich auch auf die Irin Fiona O’Reilly, die französische Witwe Giselle Butler, den amerikanischen Detektiv Eliott Breeches und  die Künstlerin Veronica Chester]
 


Hallo und herzlich willkommen zum Interview. Es freut mich wirklich außerordentlich, dass ich Sie heute hier bei mir begrüßen darf. Mich würde interessieren, wie Sie sich in drei Worten beschreiben würden.

Miss Chester: „Die Kunst ist mein Leben. Oder wie es dieser antike Philosoph mal ausgedrückt hat: Kurz ist das Leben, lang ist die Kunst.“ „War das dieser, wie hieß der doch gleich, Hippokrates?“, fragt Lord Berlington.
„War das nicht der mit dem Eid?“, überlegt Giselle Butler.
„Ich glaube, ich bin gerade vom Thema abgekommen“, überlegt der Lord. „Wie war noch gleich die Frage? Ach so ja – wir sollen uns in drei Worten beschreiben.“
„Ja, aber Miss Chester hat wesentlich mehr gebraucht“, sagt der Amerikaner Eliott. Aus seiner Miene ist nicht klar zu erkennen, ob er eher genervt oder amüsiert ist, denn er hat ein Pokerface aufgesetzt. „Ich versuch‘s mal mit drei Worten – Berufswechsel, Skeptiker, Schnüffler.“
„Er meint, er ist ein Privatdetektiv, der vorher bei der Polizei war und sich kein X für ein U vormachen lässt“, verrät Lord Berlington mir.
„Und, können Sie sich in drei Worten beschreiben?“, fragt Eliott ihn feixend.
„Adlig, Alleinstehend, Übermüdet?“, erwidert der Lord ohne groß nachzudenken.
Eliott grinst, als er das hört. „Würde passen. Trinken Sie noch einen Tee, gegen die Müdigkeit.“
Giselle Butler: „Drei Worte zu mir: Witwe, Französin, Spiritistin.“
„Drei Worte? Hmm... sensibel, naturverbunden, Hexe“ , sinniert Fiona O‘Reilly.

Sie sind eine Hexe, Miss O'Reilly?

Wenn ich Ihnen mehr darüber verraten würde, müsste ich Sie anschließend mit einem Vergessenszauber belegen.


Interessant. Ich denke, ich ziehe meine Frage lieber zurück. Wer weiß, was ich sonst noch alles vergesse?! [An Mrs. Butler gerichtet] Was bedeutet die Abkürzung D.I.P.P. und was darf man sich darunter vorstellen?

Das D.I.P.P. Ist eine Erfindung der Gründerin unserer spiritistischen Gesellschaft, den Friends of the Departed (deutsch: Die Freunde der Dahingeschiedenen). Es handelt sich um ein Gerät zur Erforschung paranormaler Phänomene [englisch: Device for the Investigation of Paranormal Phenomena]. Man kann damit Ektoplasma lokalisieren, außerdem hilft es dabei, Geister und Schattenwesen aufzuspüren. Weltweit gibt es bisher nur vier solcher Geräte, soweit mir bekannt ist.

Darf ich fragen, warum Sie, Lord Berlington, die Friends of the Departed angefordert haben?

Ach, bitte, nennen Sie mich nicht Lord. Ich habe mich nie an diesen Titel gewöhnen können.
Sagen Sie einfach Victor zu mir.

Ein Adliger, der sich mit Vornamen ansprechen lässt? Das ist aber ungewöhnlich.

Nun, wir sind hier ja in England. Sie werden hier auf so manchen Exzentriker treffen, die sind bei uns recht häufig. Kommen Sie nur mal auf einen Halloween-Kostümball, dann werden Sie sehen, was ich meine. [Er lacht].

Also, die Friends of the Departed wurden mir von einem Bekannten empfohlen. Wissen Sie, Spiritismus ist ja hierzulande der letzte Schrei seit einer Weile, also dachte ich mir, irgendwas muss doch dran sein und vielleicht könnten mir die Mitglieder dort durch eine Séance oder auch andere Mittel weiterhelfen, denn die Geister meiner Eltern rauben mir in letzter Zeit den Schlaf.

Verstehe... [an den amerikanischen Detektiv gewandt] Mister Breeches, wie stehen Sie zu dieser Organisation und die wichtigste Frage an alle: Glauben Sie tatsächlich an Geister?

Eliott Breeches streicht sich mit nachdenklicher Miene über seinen Schnurrbart. „Also ganz ehrlich, ich neige dazu, eher nur an das zu glauben, was ich sehen kann. Und ich hab schon einiges seltsames gesehen, seit ich als Privatdetektiv arbeite. Aber Geister waren bisher nicht dabei. Deshalb bin ich doch sehr skeptisch, was diese Gespenstergeschichten angeht. Ich meine, die sind ja ganz unterhaltsam, aber...“

Giselle Butler: Wissen Sie, mir geht es ganz anders als unserem skeptischen Detektiv. Als ich Witwe wurde und meinen Mann wiedersah – als Geist, versteht sich –  fing mein Interesse für den Spiritismus und paranormale Phänomene erst an. Und ich habe danach noch eine ganze Reihe anderer Geister gesehen, z.B. in Séancen.“

Victor Berlington: „Sehen Sie, Eliott? Das ist keine Frage des Glaubens! Ich kann mich Giselle nur anschließen - ich habe die Geister meiner Eltern doch selbst gesehen! Oder denken Sie vielleicht, ich hätte mir das nur ausgedacht? Ich mag ja exzentrisch sein, aber so sehr dann doch nicht.“ Er wendet sich mir zu und erzählt: „ Außerdem gibt es in jedem zweiten hochherrschaftlichen Haus in London ein Gespenst. Fragen Sie nur mal in der Nachbarschaft herum, da wird Ihnen Hören und Sehen vergehen!“

Gibt es tatsächlich eine Parallelwelt, wohin man nach dem Tod kommen kann?
Fiona O‘Reilly: „Sie meinen, das Jenseits?“
„Oder die Hölle?“, meint Eliott Breeches mit einem schiefen Grinsen. „Ich habe in meinen Leben schon einige Leute getroffen, die sicher nach ihrem Tod dort landen. Bloody hell!“
„Mäßigen Sie Ihren Tonfall, Mister Breeches!“, meint Giselle Butler. „Das ist nicht gerade die feine englische Art.“
Er zuckt mit den Achseln. „Ich bin Amerikaner, schon vergessen?“
„Wie könnte ich das?“, erwidert sie mit säuerlichem Lächeln. „Ihr Akzent ist schließlich kaum zu überhören.“
„Ihrer auch nicht“, meint Breeches, und sein Grinsen wird noch breiter.
Fiona O‘Reilly wirkt peinlich berührt. „Möchte jemand noch eine Tasse Tee?“ fragt sie und greift nach der Teekanne.
Nica Chester dagegen blickt amüsiert zwischen dem Amerikaner und der französischen Witwe hin und her.
Victor Berlington meint nun: „Kommen Sie schon, das gehört doch jetzt nicht hierher. Aber ich nehme gern noch eine Tasse Tee, danke, Miss O‘Reilly.“ Einen Moment lang rührt er in seiner Teetasse, nachdem sie ihm nachgeschenkt hat. Dann meint er: „Also, wenn Sie mich fragen, früher wollte ich gern wissen, was uns nach dem Tod erwartet. Aber seit meine eigenen Eltern mich als Geister heimsuchen, frage ich mich eher, ob mich nach meinem Ableben ein ähnliches Schicksal erwartet… man stelle sich vor, im Haus der eigenen Kinder zu spuken. Apropos Kinder, soweit bin ich ja noch nicht, dabei bin ich schon sechsundzwanzig und sollte mittlerweile zumindest geheiratet haben. Aber sehen Sie, es ist so, die Liebe meines Lebens, die habe ich noch nicht getroffen. Und ich möchte nun mal gern aus Liebe heiraten und nicht aus Standes- oder Geldgründen.“
„Mein lieber Lord Berlington“, sagt Giselle Butler mit einem aufmunternden Lächeln „Ich bin mir sicher, irgendwann werden Sie eine liebenswerte Frau finden.“
„Naja, wissen Sie, das scheint gar nicht so einfach zu sein. Ich habe durchaus schon einige Frauen kennengelernt, die ich interessant und sympathisch fand. Aber verliebt habe ich mich trotzdem nie in eine.“ Er runzelt die Stirn und macht einen etwas ratlosen Eindruck.
„Ach, wie schade“, sagte Miss Chester leise.
Breeches dagegen sagt: „Trösten Sie sich, Victor, ich hatte bisher auch nicht viel Glück mit den Damen. Aber das ist eine lange Geschichte, das gehört nicht hierher...“
Einen Moment lang schweigen alle ein wenig nachdenklich und nur das leise Klirren der Porzellantassen und der Teelöffel ist zu hören.
„Also, was dieses Thema mit der Parallelwelt betrifft, nach der Sie fragen“, meint die rothaarige Fiona schließlich, „wissen Sie, dass es in der keltischen Mythologie aus meiner Heimat tatsächlich eine mystische Parallelwelt gibt? Wir nennen sie die ‚Anderswelt‘ – das Reich der Feen und anderer erstaunlicher Wesen. Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das nur Geschichten sind, oder ob etwas Wahres daran ist.“

Nun komme ich auch schon zu meiner letzten Frage: Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
Victor Berlington wirkt ein wenig verlegen, als er antwortet: „Also, wie ich vorhin schon erwähnte, ich würde mich gern einmal verlieben.“
„Seien Sie geduldig“, meint Eliott Breeches. „Sie sind doch noch jung, gewiss finden Sie jemanden, der zu Ihnen passt. Ich habe da auch noch nicht die Hoffnung aufgegeben, und ich bin um einiges älter als Sie.“ Einen winzigen Moment lang sieht er Fiona an, ehe er sich wieder mir zuwendet. „Ansonsten freue ich mich immer über Detektivaufträge, also wenn Sie mal eine Ermittlung brauchen, hier ist meine Karte.“ Er reicht mir eine Visitenkarte.

„Aber Sie fragten ja nach unseren Wünschen für die Zukunft“, sagte Gisele.  „Ich hoffe, unsere spiritistische Gesellschaft hat weiterhin Bestand. Ich meine, wie viele Geister wollen schließlich Kontakt aufnehmen mit ihren Verbliebenen?  Oder auch umgekehrt, also die Lebenden mit den Toten? Verstehen Sie, mit unseren Séancen können wir für diese Leute vermitteln.  Außerdem wünsche ich mir, dass ich noch lange das Glück haben werde, meinen Mann zu sehen – auch wenn er ja nun leider ein Geist ist.“

Nica Chester trinkt währenddessen ihren Tee aus und meint: „Was mich angeht, ich bin mit der Kunst verheiratet – mehr oder weniger.“ Sie streift Fiona O‘Reilly mit einem Seitenblick, ehe sie fortfährt: „Also von daher hoffe ich einfach, dass ich auch in Zukunft mein Leben als Künstlerin bestreiten kann und mir die Inspirationen nicht ausgehen. Nehmen Sie nur einmal die liebe Miss O‘Reilly hier – sie hat mich zu einem Bild inspiriert, welches eine Gestalt aus der keltischen Mythologie zeigt. Sie hat mir dafür Modell gesessen. Ich muss gestehen, ich würde ja zu gern herausfinden, ob es diese mythische Anderswelt tatsächlich gibt...“ Einen Moment lang starrt sie verträumt in die Ferne.
Fiona lächelt. „Wer weiß, vielleicht finden wir es ja eines Tages heraus?“

Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview!

„Sehr gern“, Victor Berlington lächelt. „Wenn Sie möchten, zeige ich Ihnen noch meine kleine Kunstsammlung, bevor Sie gehen.“
Miss Chester meint: „Oh, die würde ich mir auch gern noch einmal ansehen.“
„Ich hoffe, das Interview wird nicht in einer Zeitung veröffentlicht?“, fragt Fiona.
„Warum denn nicht?“, fragt Giselle.
„Es muss ja nicht jeder wissen, dass ich eine Hexe bin“, erwidert Fiona leise. „Stellen Sie sich nur mal vor, wenn das allgemein bekannt werden würde, dass es Magie gibt...“
Eliott Breeches' Mundwinkel zucken. „Haha, ich schätze, eher landen wir in einer Irrenanstalt, als das uns das irgendjemand glaubt.“


Neugierig geworden auf das Buch?
Link zur Rezension

Die Autorin: Amalia Zeichnerin
Das Cover des Buches
Berlingtons Geisterjäger 1
Anderswelt

[Protagonisteninterview] Die zweite Finsternis von E.S.Schmidt



Interview

E.S.Schmidt und Kaleb


zum Buch "Die zweite Finsternis"







[Wir befinden uns in einem Café.]


Claudia: Hallo und herzlich willkommen zu diesem Interview. Es freut mich, dass du Zeit hattest vorbei zu kommen und dich meinen Fragen zu stellen, liebe Esther.
Esther:   Gerne, ich freue mich, hier zu sein. Danke für diese Gelegenheit, Kaleb vorzustellen.

Claudia: Oh, toll du hast auch einen deiner Hauptprotagonisten mitgebracht. Grüß Gott, Bruder Kaleb.
Kaleb:    (verneigt sich stumm, die Hände in den Ärmeln der Kutte. Setzt sich.)
Esther:   Gleich zur Vorwarnung: Kaleb ist nicht besonders gut im Beantworten von Fragen. Überhaupt habe ich bei der Überarbeitung des Buches mindestens die Hälfte seiner Redetexte streichen müssen, weil er einfach sehr wortkarg ist.

Claudia: Es freut mich wirklich außerordentlich euch zu treffen. Also gleich einmal zur ersten Frage: Wie geht  es euch heute?
Kaleb:    Gut.
Esther:   Wunderbar. Ich habe gerade eine Woche Urlaub hinter mir, in der ich an meinem neuen Projekt arbeiten konnte – eine ganz andere Geschichte, in einer ganz anderen Welt. Eher Richtung Fantasy – aber wie bei der Zweiten Finsternis geht es mir mehr um die „kleinen Leute“, nicht um die großen Herrscher, Zauberer und Helden.

Claudia: Trotzdem ist Kaleb ja so etwas wie ein Held.
Esther:   Würde ich auch sagen. (zu Kaleb) Oder wie siehst du das?
Kaleb:    Ich tue, was notwendig ist.

Claudia: Esther, wie kamst du auf die tolle Idee mit diesem doch eher düsteren Setting? Ich habe da ja so meine eigenen Ideen, auf welche Filme oder Serien du anspielen willst.
Esther:   Tatsächlich lasse ich mich oft von Filmen inspirieren. Was mir missfällt, verändere ich, und was ich mag, versuche ich besonders herauszuarbeiten. In diesem Prozess entsteht dann eine völlig neue, eigenständige Geschichte. Bei der Zweiten Finsternis war es die Figur des Kaleb und die Grundstimmung, die mir besonders wichtig waren. Ich selber würde die Stimmung übrigens eher als melancholisch bezeichnen.

Claudia: Kaleb, hältst du dich für melancholisch?
Kaleb:    Nein.

Claudia: Dir wird ja eine ganz spezielle Rolle in dem Buch zu Teil. Warum wird der Klerus so hochgestellt oder anders gefragt, wie wichtig ist die Rolle des Klerus tatsächlich im Kampf gegen diese Gefahr?
Kaleb:    Wir Erwählten sind die einzigen, die sich den Reapern entgegenstellen können. Das ist unsere Aufgabe.
Esther:   Da die Reaper telepathisch sind, braucht es besondere geistige Fähigkeiten, um gegen sie kämpfen zu können. Die Erwählten sind aus genetischen Versuchen mit der Reaper-DNA hervorgegangen und können ihre Gedanken abschirmen. Sie haben sich in zwei Klassen geteilt: den Hochklerus, der die Macht in den Städten hat, und die „niederen“ Mönche, die zum Kämpfen gezüchtet und ausgebildet werden.

Claudia: Kaleb, hast du ein Problem damit, dass du aus einem Zuchtprogramm hervorgegangen bist?
Kaleb:    nein.

Claudia: (nach einer Pause) Möchtest du dazu noch mehr sagen?
Kaleb:    Es war notwendig.
Esther:   (verdreht die Augen) Das ist ein Teil des Settings. In Zeiten der Not verschiebt sich die Moral. Der Mensch tut, was zum Überleben nötig ist, und rechtfertigt es irgendwie. Ob das OK ist, muss der Leser für sich selbst entscheiden – und in den Kommentaren zum Buch gehen die Meinungen dazu auch auseinander.
Im Grunde sind die meisten Geschichten – gerade im Bereich von Fantasy und Science Fiction – so etwas wie Sozialexperimente. Man erschafft als Autor ein bestimmtes Umfeld und beobachtet, wie sich Figuren und Gesellschaft darin entwickeln.

Claudia: Also haben Figuren tatsächlich ein Eigenleben?
Esther:   Wenn die Figur „dreidimensional“ ist, wie es so schön heißt, dann kann man sie bestimmte Dinge einfach nicht mehr tun lassen, weil es sich schon beim Schreiben „falsch“ anfühlt. Nicht mal für ein Interview. (Wirft Kaleb einen bösen Blick zu)

Claudia: Wie kann man sich denn diese Reaper vorstellen? Diese Wesen klingen ja gruselig und gefährlich.
Esther:   Im Grunde sind es schwarze Drachen ohne Flügel. Bei ihrer Geburt sind sie etwa so groß wie ein Schäferhund, aber sie wachsen bis zu ihrem Tode – und niemand weiß, wie alt so ein Reaper werden kann. Der Reaper, der Kaleb in Raffaels Hütte gegenüberstand, war in etwa sechzig Jahre alt und so groß wie ein Kleinbus. (zu Kaleb) Kommt das hin?
Kaleb:    (unbeeindruckt) In etwa.
Esther:   Und wie gesagt, Reaper haben bestimmte geistige Fähigkeiten. Das hat zwei Wirkungen: Zum einen können sie die Absichten eines Gegners im Voraus erkennen, und zum anderen können sie ihre geistigen Kräfte auf einen einzigen Punkt ihres Körpers konzentrieren, so, wie buddhistische Mönche es tun. Dadurch – und durch ihre Schuppen – werden sie praktisch immun gegen punktuelle Waffen wie Messer oder sogar Kugeln.

Claudia: Kaleb, wie kann man nur gegen diese Wesen kämpfen und ihnen nicht unterlegen sein?
Kaleb:    Mit Disziplin und Fokus.

Claudia: Aber hast du keine Angst, wenn du ihnen gegenübertrittst?
Kaleb:    Wenn Menschen auf dich zählen, musst du funktionieren. Angst hilft da nicht weiter.
Esther:   (lächelt) Ah, er taut auf.
Die Schwäche der Reaper ist, dass sie trotz all ihrer geistigen Fähigkeiten Tiere sind, also eher instinktgesteuert, und nicht über die menschliche Form von Intelligenz verfügen. Dadurch sind sie manipulierbar – wenn man über die Fähigkeiten eines Erwählten verfügt. Das ist schwer zu erklären, das muss man miterlebt haben. Ich beschreibe einen solchen Kampf relativ früh im Buch.

Claudia: Wie kamen die Reaper eigentlich auf unsere Welt? Und gibt es eine Vorgeschichte zu dem Orden, wo du Mitglied bist?
Esther:   Die Reaper entkamen aus einem havarierten Raumschiff. Da der Absturz irgendwo in der kanadischen Wildnis stattfand, konnten sie sich unbemerkt vermehren, und als den Menschen klar wurde, was da passiert ist, war es schon zu spät. Viel mehr wird im Buch eigentlich auch nicht dazu gesagt – der Fokus liegt ganz darauf, wie die Menschen mit der neuen Situation fertig werden. (Zu Kaleb) Die Frage mit dem Orden ging an dich.
Kaleb:    Laut den Lehren der Kirche wurde der ersten Erwählte von einer Jungfrau geboren. Von ihm stammen alle Erwählten ab. Aber es gibt nicht viele Aufzeichnungen aus der dunklen Zeit. Wir kennen nicht einmal seinen Namen.
Esther:   Ich schon. Aber das ist eine andere Geschichte, und die soll ein andermal erzählt werden.

Claudia: Das heißt, du wirst noch einmal mit Kaleb in die Gegend von Selimsburgh zurückkehren?
Esther:   Ideen dazu habe ich schon. Ich würde eine Fortsetzung gerne dazu verwenden, die Vorgeschichte näher zu beleuchten, die Entstehung des ersten Erwählten und so weiter. Vom Handwerklichen wäre es sicher herausfordernd, zwei Zeitebenen so miteinander zu verschränken, dass trotzdem eine einheitliche Geschichte entsteht.

Claudia: Um schön langsam zum Ende zu kommen möchte ich noch eine letzte Frage an euch stellen, nämlich was wünscht ihr euch für die Zukunft oder was würdet ihr gerne in Zukunft noch erleben wollen?
Kaleb:    (schweigt, trinkt seinen Kaffee).
Esther:   (flüsternd) Wir sollten ihn besser nicht nach Eunice fragen. (Lauter) Ich selbst habe noch einige Projekte in der Pipeline und wünsche mir eigentlich nur, dass ich es schaffe, konstant und produktiv daran zu arbeiten.

Claudia: Herzlichen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt für dieses sehr aufschlussreiche Interview.
Esther:   Ich danke dir – auch im Namen von Kaleb.