Freitag, 25. Juni 2021

[Schnipseltime] Das Lied der Engel von Junina Swan

 

Eine Ewigkeit schien vergangen zu sein, bis sie Daniels Schritte im Flur näherkommen hörte. Ihr Herz zog sich zusammen und warf sich im nächsten Moment hart gegen ihren Brustkorb. Da zuckte glühender Schmerz durch ihren Oberkörper. Sie hatte unverändert Angst vor diesem Mann und trotzdem war er alles, was sie auf der Welt besaß. Der Gedanke, dass er sie hier in England bei Ajdin, vor dem sie sich grenzenlos fürchtete, zurückließ, ängstigte sie gewaltig. Daniel war der Einzige, der sie jemals beschützt hatte. Wenn er morgen aufbräche, gäbe es für sie keine Zuflucht mehr und sie wäre wieder der Willkür fremder Menschen ausgeliefert. Ihr Magen krampfte sich zusammen. Jede ihrer Zellen schrie lautlos nach Hilfe. Dieser Aufruhr vereinigte sich zu einem schrillen Kreischen, das wie ein Hornissenschwarm in ihren Ohren summte. Sie presste die Augen zu, als er die Tür öffnete. Wie so oft überlagerte die Vergangenheit die Gegenwart und Erinnerungsbilder zuckten durch ihren Kopf: Mahmuds Schritte. Ihr Puls raste, als wollte er ihre Blutbahnen aufreißen. Da wurde die Tür geschlossen. Leise schlich er zum Tisch und stellte eine Lampe ab. Ihr inneres Toben übertönte die Geräusche, die er machte, fast vollständig. Dennoch hörte sie, wie er sich entkleidete. Gleich packt er mich. Ihre Zähne klapperten und sie biss sie zusammen, um sich nicht zu verraten. Ich will weg!

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