Dienstag, 4. Mai 2021

[Buchvorstellung einmal anders] Tr├Ąumen am Meer von Rosita Hoppe



Buchvorstellung einmal anders

Heute ist ein komischer Tag ­čśŐ Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autorin Rosita Hoppe, aber sie kommt nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus, ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.

Ich drehe den Kindle hin und her und ├Âffne schlie├člich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das, um das es heute gehen soll. „Tr├Ąumen am Meer“ von Rosita Hoppe. Ich beginne ein wenig darin zu schm├Âkern. Nach einigen Minuten h├Âre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn ├╝berhaupt keine Fragen? Sie wird nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit B├╝chern zu reden und wer wei├č neben der Autorin am meisten ├╝ber das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los. ­čśŐ

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um mit mir zu reden.
Soll ich dir etwas verraten? Es sollten viel mehr Leser bzw. Leserinnen mit B├╝chern reden. Ich finde, das passiert viel zu selten. Dabei w├╝rden wir so gern mal das eine oder andere loswerden, was nicht auf unseren Seiten steht. Also sch├Ân, dass du dir Zeit f├╝r mich nimmst. ­čśŐ
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen k├Ânnen?
Na klar kann ich das. Ich hei├če „Tr├Ąumen am Meer“, aber das hast du ja schon auf meinem Cover entdeckt. Also ganz ehrlich, ich bin total verliebt in dieses rote duftige Kleid, dass die Dame mit den nackten Beinen tr├Ągt. Ich w├╝rde gerne mal die ganze Frau sehen. Echt bl├Âd, dass der Grafiker, der das Cover gestaltet hat, mir das verwehrt. Irgendwann werde ich mich dar├╝ber beschweren. Aber nun zu deiner Frage. Sorry, dass ich eben abgeschweift bin. Es geht in dem Roman, den Rosita geschrieben hat um Greta. Greta ist geb├╝rtige Amrumerin, die in ihrer Jugendzeit durch ein ganz schlimmes Schicksal – leider darf ich nicht n├Ąher darauf eingehen, sonst w├╝rde ich zu viel verraten – Amrum verlie├č und sich schwor, niemals zur├╝ckzukehren. Und doch steht sie auf der F├Ąhre – nach ├╝ber siebzehn Jahren. Ihre beste Freundin Merle hat Greta als Trauzeugin auserkoren und es damit geschafft, dass sich Greta tats├Ąchlich auf den Weg macht. Neben Merles Hochzeit st├╝rmt eine Menge auf Greta ein. Sie muss sich der Vergangenheit stellen und beginnt auf der Insel damit, das damals Geschehene aufzuarbeiten. Und dann ist da noch ihre Tante Agnes, mit der sie au├čer einem Geburtstags- oder Weihnachtsgru├č kaum Kontakt pflegte. Auch das gilt es nachzuholen. Sehr schnell sp├╝rt sie, dass ihr die Tante etwas verschweigt. Und dann ist da noch der Mann, dem sie immer wieder begegnet und der sich als zweiter Trauzeuge entpuppt. Sie f├╝hlen sich zueinander hingezogen, doch sich ausgerechnet auf Amrum verlieben steht nicht auf Gretas Plan. Und dann erreicht sie eine schlimme Nachricht aus ihrem Wohnort und das Schicksal von damals scheint sich zu wiederholen.
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter f├Ąllt sie durch einfache, sch├Âne oder schwierige, d├╝stere Zeiten und Situationen zu f├╝hren?
Ich sch├Ątze, das ist ganz unterschiedlich. Allerdings habe ich beim Schreiben gemerkt, dass es ganz arg von ihrer pers├Ânlichen Stimmung abh├Ąngt. Wenn sie ├ärger hat – welcher Art auch immer – dann kann sie ganz wunderbar den Figuren schlimme Dinge antun. Also nicht ermorden, oder so. Sie schreibt ja keine Krimis. Aber in solchen Momenten schreibt sie lieber unsch├Âne Szenen, die ihre Figuren wiederum gar nicht sch├Ân finden. Aber nat├╝rlich schreibt Rosita auch gern wundersch├Âne romantische Szenen. Oder auch – nun komm mal n├Ąher, ich muss dir das ins Ohr fl├╝stern – sie kann auch prickelnd, sexy, wenn du wei├čt, was ich meine.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen w├╝rdest?
Du verlangst ernsthaft von mir, dass ich mich f├╝r EINE Lieblingsstelle entscheiden soll? Also das kann ich wirklich nicht. So zwei oder drei musst du mir schon gestatten. ­čśë
Also erstens: Ich finde die Szene auf der ersten Seite, wo Greta noch auf der F├Ąhre steht super.
Seit sie dieses F├Ąhrschiff betreten hatte, sp├╝rte sie ihn - diesen dicken, fiesen Knoten, der ihre Eingeweide zusammenkrampfte und der so schwer wie ein Felsbrocken wog. Der Druck st├Ąrkte sich, je mehr sie sich ihrer Heimatinsel n├Ąherte. Amrum – wie lange war sie nicht mehr dort gewesen? Genau siebzehn Jahre, vier Monate und dreiundzwanzig Tage. Seit sie sich zu der Entscheidung durchgerungen hatte, diese Reise anzutreten, die ihr alles abverlangte, flackerten die Bilder von damals auf und lie├čen ihr Herz wieder weinen. Wieso hatte sie sich von Merle ├╝berreden lassen? Mit Sicherheit hatte ihre Schulfreundin ├╝berhaupt keine Vorstellung davon, was sie ihr damit antat.
Sie k├Ânnte immer noch umkehren. In Wittd├╝n einfach auf dem Schiff bleiben und zur├╝ck zum Festland fahren. Zwar w├╝rde sie damit Merle und auch Ole vor den Kopf sto├čen, aber sie w├╝rde sich nicht mit dem konfrontieren m├╝ssen, vor dem sie seit so vielen Jahren davonlief.
Greta suchte nach einem Punkt, auf den sie sich konzentrieren konnte, damit die Erinnerungen nicht ├╝berhandnahmen. Sie fixierte den F├Ąhranleger. Das blaue Stahlgebilde wirkte wie ein Tor, das jeder Reisende passieren musste, der das F├Ąhrschiff verlassen und auf die Insel wollte. „Herzlich willkommen auf Amrum“ konnte sie inzwischen entziffern. Der Willkommensgru├č galt f├╝r alle anderen Ankommenden, nur nicht f├╝r sie, denn sie konnte die Insel einfach nicht betreten. Vor einigen Tagen noch hatte sie geglaubt, die Vergangenheit ausblenden zu k├Ânnen. Wie hatte sie so naiv sein k├Ânnen?

Zweitens: Peter streckte seine Hand ├╝ber den Tisch hinweg nach ihr aus und strich ihr liebevoll ├╝ber die Wange. „Wie k├Ânnte es f├╝r mich zu weit und zu stressig sein, wenn am Ziel meiner Reise du auf mich wartest?“ Er ├╝berraschte sie immer wieder. Greta schluckte trocken, blinzelte aufsteigende Tr├Ąnen weg, so sehr ber├╝hrten sie Peters Worte.

Oder auch: „K├╝ss mich nochmal, damit ich diesen Kuss f├╝r den Rest des Tages mitnehmen kann.“
Wei├čt du wie viel Rosita tats├Ąchlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt?
Also in mir steckt vor allem Rositas Liebe zum Meer und zur Insel Amrum. Die Figuren, die sie in mir zum Leben erweckt hat, haben ansonsten nicht viel mit ihr gemeinsam.
Wie w├╝rdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Greta ist anfangs ├╝berfordert mit der Situation und damit, dass sie sich der Vergangenheit stellen muss. Aber es wurde h├Âchste Zeit, dass sie zur├╝ckkommt und letztendlich tut ihr diese Reise gut. Sie hat halt damals viel mitmachen m├╝ssen.
Tante Agnes ist eine ganz liebe Frau und so verst├Ąndnisvoll Greta gegen├╝ber. Dabei h├Ątte sie allen Grund sich zu beschweren, weil Greta sie damals im Stich gelassen hatte.
Und Peter, der m├Ąnnliche Hauptpart – der ├╝brigens schon in den Vorg├Ąngerb├╝chern kurz auftauchte, ist ein toller Mann. Er f├Ąngt Greta auf als sie zusammenbricht und ist ihr eine wirkliche St├╝tze. Er hat sich gleich bei der ersten Begegnung in Greta verliebt. Und im Vertrauen, keine Ahnung, ob ich das sagen darf, ich finde ihn als Mann auch echt toll. Schade, dass ich ein Buch bin und keine Frau.
Und Merle als Gretas beste Freundin ist der Hit. So eine Freundin h├Ątte ich auch gern und w├╝nscht sich wohl jeder. Sie sorgt ja daf├╝r, dass Greta zur├╝ck in ihre Heimat kommt und da sogar … ups, fast h├Ątte ich das Ende verraten.
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses ver├Ąndert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Gerade bei mir tat sich Rosita schwer den richtigen Titel zu finden. Da ich ja bereits der dritte Teil ihrer Amrum-Reihe bin und die ersten Titel „… am Meer“ hei├čen, sollte es wieder etwas mit …am Meer“ werden. Einige ihre Favoriten konnten leider nicht genommen werden, weil es diese Titel bereits gab. Letztendlich hat sie gleich mehrere Vorschl├Ąge an den Verlag gegeben und nun hei├če ich „Tr├Ąumen am Meer“.
Bist du zu 100% zufrieden mit deinem Cover / Outfit oder w├╝rdest du nachtr├Ąglich gerne etwas ├Ąndern wollen?
Ehrlich gesagt musste ich mich erst damit abfinden, dass ich nicht blau bin. F├╝r einen Nordsee- oder Inselroman erwartet man einfach die Farbe Blau im Cover. Auch Rosita war sich anfangs nicht sicher, ob dieses das richtige war. Aber inzwischen sind wir beide happy mit meinem Outfit. Sag selbst, zwischen all den blauen Nordseeb├╝chern f├Ąllt mein rotes Kleid doch erst richtig auf, oder? Und dieser Goldton rundherum … hach, richtig romantisch.
Kannst du uns vielleicht auch schon verraten, ob die Autorin viele echte Pl├Ątze eingebaut hat oder ob die Orte im Buch der Fantasie entspringen?
Die Insel mit ihren Orten, der Strand, der Leuchtturm, die Himmelseiter - alles real. Lediglich die Pension Jule gibt es nicht. Die H├Ąuser von Merle und Tante Agnes sind ihrer Fantasie entsprungen und die Buchhandlung hei├čt in Wirklichkeit anders. Gretas Wohnung in N├╝rnberg gibt es in echt auch nicht.
Zum Abschluss w├╝rde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Sehr gern. ­čśŐ Manchmal muss man im Leben ein Wagnis eingehen. Und vielleicht ist es der beste Schritt, den man gehen kann.
Und: Gl├╝ck ist, ├╝ber den eigenen Schatten zu springen.
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb h├Âre ich auf zu reden und l├Ąchle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz zum Buch »Danke, f├╝r deine Geduld und Antworten« zuzufl├╝stern.
Ich freue mich so sehr, dass du es tats├Ąchlich gewagt hast, in der ├ľffentlichkeit mit mir zu sprechen und dich auch durch die neugierigen Blicke der Vor├╝bergehenden nicht hast irritieren lassen. Danke daf├╝r. Und schick mal wieder ein paar Leute vorbei – damit ich auch mit denen ein bisschen quatschen kann.
Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.

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