Samstag, 8. Mai 2021

[Autoreninterview] Heidi Troi

Autoreninterview
Heidi Troi


Natürlich möchte ich als erstes wissen, mit wem meine Leser und ich es zu tun haben. Könntest du dich in eigenen Worten kurz vorstellen?
Gern. Ich heiße Heidi Troi, lebe und schreibe in Südtirol. Meine Brötchen verdiene ich als Theaterpädagogin am Theaterpädagogischen Zentrum Brixen – wobei das nicht nur ein Brotberuf ist, sondern meine Berufung, denn das TPZ habe ich zusammen mit meinem Mann, meiner Schwägerin und meiner Freundin aufgebaut. Bis vor kurzem war ich auch noch Grundschullehrerin. Ich schreibe nicht nur Krimis, sondern auch Kinderbücher, in denen es auch manchmal etwas kriminell zugeht.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Geschrieben hab ich tatsächlich immer schon gern und ich wollte schon in der Grundschule Kinderbuchautorin werden. Dass es so lang gedauert hat, bis mein Traum Wirklichkeit geworden ist, hängt damit zusammen, dass ich mir dazwischen ein paar andere Träume erfüllt habe: Meinen Mann zu heiraten, Kinder zu kriegen und aufzuziehen, das Theaterpädagogische Zentrum aufzubauen … Mit etwa vierzig ist mir dann der Autorenkurs von Lea Korte unter die Augen gekommen und das war ein Wink des Schicksals …
Welche Bücher sind bis jetzt von Dir erschienen? Könntest du sie uns in max. 5 Sätzen beschreiben?
Im Krimibereich sind es nur die beiden Brixenkrimis mit Lorenz Lovis, die im Servus Verlag erschienen sind. Der etwas tollpatschige Ermittler Lorenz Lovis stolpert durch seine Fälle und löst sie vor allem mit Hilfe seiner vielen Helferlein und auf eher unkonventionelle Weise. Es sind humorvolle Regiokrimis, nicht wirklich blutig und wer sie liest, kann sich wunderbar nach Südtirol träumen.
In meinen Kinderbüchern geht es mir darum, kleine Situationen aus der Gefühlswelt der Kinder zu beschreiben – ohne Zaunpfahl und dafür mit Humor – und den Kindern zu zeigen, dass sie mit ihren Schwierigkeiten nicht allein sind. In „Lola reicht’s“ sind diese kleinen Hänseleien das Thema, die von den anderen vielleicht gar nicht bös gemeint sind, aber doch sehr verletzend sein können. In „Mia mag Geheimnisse“ geht es um ein Mädchen, das einfach keine Geheimnisse bewahren kann. Sehr bald erscheint der erste Band der Reihe „Zeitreise mit den Nepomuks“ – eine Zeitreisegeschichte für Leser*innen ab 8.
Arbeitest du gerade an einem neuen Werk?
Ja, der dritte Band der Reihe um Lorenz Lovis ist im Lektorat und wird im Frühjahr 22 erscheinen und im Kopf entwerfe ich bereits den vierten Band. Zwei weitere Manuskripte warten bei meiner Agentin auf einen Verlag – ein Gardaseekrimi und ein Krimi, der in einem abgelegenen Tal in den Alpen spielt.
Wenn du Freizeit zur Verfügung hast, was machst du am liebsten?
Ich liebe die Berge und bin gern zu Fuß oder mit dem Rad dort unterwegs. Das ist naheliegend in meiner Region. Außerdem lese ich natürlich gern – und zwar beinahe alles, was mir unterkommt. Nur um sehr blutige, gewalttriefende Geschichten mache ich lieber einen Bogen.
Hast du auch Lieblingsbücher und einen Lieblingsautoren, mit denen du gerne einmal die eine oder andere Lesestunde verbringst?
Viele! So viele, dass ich gar nicht weiß, wo anfangen. Ich bleibe mal beim Regiokrimi. Einverstanden? Ich liebe Alma Bayer (Rosenheimkrimi), Marion Stadler (Altmühltal), Jules Vitrac (Elsass) und Lauterbach&Keller – die Krimis mit Pippa Bolle. Mit Gordon Tyrie bin ich zuletzt nach Schottland gereist und hab mich königlich über sein Hochlandrind Thiny Lizzy amüsiert. Dann sind natürlich die Bücher meiner Kolleginnen bei den Mordslustigen – die einzigen Thriller, die ich lese. Ich mag die Bücher von Drea Summer, Ariana Lambert und Jennifer B. Wind, Mari März und Nadine Teuber und lese alles, was sie rausbringen. Und dann gibt es noch meine lieben Verlagskollegen Monika Pfundmeier, Thomas Kiehl und Bernhard Kreutner, die viel zu langsam schreiben. Ich würde gern mehr von ihnen lesen.
Kannst du uns deinen Schreib- und Arbeitsplatz beschreiben oder zeigen, wo du am liebsten schreibst und deine Ideen verwirklichst?
Ein Schreibtisch im Wohnzimmer – viel zu chaotisch. Tausende von Zetteln, Büchern und Arbeitsunterlagen türmen sich hier. Drei Becher mit verschiedensten Stiften – ich entwerfe meine Schauplätze gern auf Papier -, drei verschiedene Brillen, ein Drucker, der mich unheimlich stört und wenn ich meinen Blick nicht auf den Bildschirm richte, habe ich eine Pinnwand vor mir, auf der die Bilder meiner Tochter hängen, daneben ein Sitzplan der Klasse aus den Superaugen (eine Kinderkrimireihe, die demnächst im Obelisk Verlag rauskommen wird) und eine Liste mit den Mitgliedern der Mordslustigen.
Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei dir vorstellen?
Morgens schreibe ich gleich einmal ein Stündchen und erledige meistens den Großteil meines Schreibsolls. Danach widme ich mich verschiedenen Arbeiten für das Theaterpädagogische Zentrum – viel Öffentlichkeitsarbeit, aber auch Vorbereitung für die Theaterstunden (zurzeit schreibe ich ein Krimidinner nach dem anderen). Dann wird gekocht. Nach dem Mittagessen steht die Hunderunde an. Die führt mich fast immer nach Elvas, umfasst etwa 300 Höhenmeter und dauert gute eineinhalb Stunden. Danach schaue ich mit meiner Tochter eine Serie (sie liebt die koreanischen Serien) und dann setze ich mich wieder an den PC und schreibe, wenn ich nicht eine Theaterwerkstatt habe.
Was ist dein Lieblingsgenre beim Lesen, welches beim Schreiben?
Ich lese alles querbeet, sehr gern historische und Liebesromane, in letzter Zeit natürlich wieder viel mehr Krimis. Beim Schreiben bin ich irgendwie im Krimigenre gelandet und es scheint, dass es sehr schwer ist, da auch wieder herauszukommen. Wenn du mir vor zehn Jahren gesagt hättest, dass ich Autorin werde und mich gefragt hättest, in welchem Genre ich glaube, dass ich unterwegs sein werde, hätte ich mit Überzeugung gesagt: Ich schreibe hohe Literatur und zwar Gesellschaftsdramen … Tja, so gut kenne ich mich selbst.
Hast du ein Lieblingszitat, nach welchem du in deinem Leben handelst? Und hast du ein Zitat aus einem deiner Bücher, welches deine Arbeit am besten beschreibt?
Mein Lieblingszitat: Aufgegeben wird nur ein Brief ;-)
„Ich, ein Südtiroler Matula? Ich sehe schon die Schlagzeile vor mir: Privatdetektiv ermittelt im Mordfall! Wann hat es hier nochmal den letzten Mord gegeben?“
Hast du ein Lieblingsland und warum?
Südtirol. Hier gibt es alles was ich mir wünsche und ich weiß, wo die schönsten Fleckchen sind, ohne dass ich dazu in einem Reiseführer blättern muss. Alternativ Schottland oder Irland.
Bist du ein kritikfähiger Mensch oder wie gehst du mit Kritik im Allgemeinen um?
Bin ich. Wenn mein Gegenüber auch kritikfähig ist, was bedeutet, dass er mich auf der Sachebene und konstruktiv kritisiert. Für solche Kritik bin ich dankbar.
Warum hast du dich entschieden mit den Krimis zu einem Verlag zu gehen und nicht Selfpublisher zu werden, wie z.B. mit dem bald erscheinenden Kinderbuch?
Das hat irgendwie mit meiner Unsicherheit zu tun. Einmal habe ich mir einen Filter gewünscht, der mein Manuskript anschaut und sagt: Das ist gut, daran glauben wir. Andererseits wäre ich auch überfordert gewesen mit der Flut an Wissen, das man sich als Selfpublisher aneignen muss. Einiges davon habe ich mir inzwischen doch aneignen müssen, aber ich hatte immer das Sicherheitsnetz eines Verlags, der mich gestützt und geschützt hat. Dafür bin ich dankbar.
Gibt es etwas, was du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Liebe Leserinnen und Leser, grade in dieser Zeit sind Bücher die besten Freunde. Lasst sie euch nicht wegnehmen. Verreist mit Büchern, lasst euch von Büchern trösten, findet euch in Büchern wieder, wenn ihr euch selbst verloren habt. Dafür schreiben wir!

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