Samstag, 27. März 2021

[Buchvorstellung einmal anders] Die Zähmung eines widerspenstigen Herzens von Mo Kast


Buchvorstellung einmal anders



Heute ist ein komischer Tag. Ich warte seit einer Ewigkeit auf die Autorin Mo Kast, aber sie kommt nicht. Ich setze mich in dem Park auf eine Bank und sehe einen Kindle dort liegen. Da ich von Natur aus, ein neugieriger Mensch bin, nehme ich ihn zu Hand.

Ich drehe den Kindle hin und her und öffne schließlich das darauf enthaltene Buch. Es ist genau das um das es heute gehen soll. „Die Zähmung eines widerspenstigen Herzens“ von Mo Kast. Ich beginne ein wenig darin zu schmökern. Nach einigen Minuten höre ich ein feines Stimmchen: »Hast du denn überhaupt keine Fragen? Sie wird nicht kommen. Interview einfach mich, deshalb bin ich ja da!«

Ich lache laut auf, denn ich liebe es mit Büchern zu reden und wer weiß neben der Autorin am meisten über das Buch? Vermutlich das Buch selbst. Also, dann lege ich mal los.

Hallo, danke, dass du heute Zeit gefunden hast, um mit mir zu reden.
Gerne doch. Für nette Gesellschaft sollte man sich immer Zeit nehmen!
Kannst du dich meinen Lesern vorstellen? Vielleicht in eigenen Worten, da die Leser den Klappentext auf der Verkaufsplattform lesen können?
Im Klappentext und mit dem Titel klinge ich wie eine übelst schnulzige Liebesstory. Keine Ahnung, warum man mich so vermarktet. Eigentlich geht es nämlich nicht darum, ein Herz zu zähmen, sondern sich von manchen Vorstellungen zu trennen, in denen man sich verrannt hat. Sind meine Prioritäten wirklich diejenigen, die mich glücklich machen? Muss Liebe immer mit Drama verbunden sein? Und mag ich überhaupt Katzen?
In deinem Inneren spielt sich ja so einiges ab, die in dir enthaltenen Charaktere erleben so einiges. Da du ja auch viel mit der Autorin zusammenarbeiten musst, kannst du uns vielleicht beantworten, ob es ihr leichter fällt sie durch einfache, schöne, lustige oder schwierige, düstere, traurige Zeiten und Situationen zu führen?
Mo lebt für das Drama! Wenn sie etwas anderes behauptet, lügt sie. Sie liebt es, bestimmte Gefühle bis zum Maximum auszureizen. Deshalb bekommt man sich spielend einfach durch Geschichten, bei denen es sich ewig hinzieht, bis die Protagonisten zueinander finden. Und das hat sie in mir voll ausgekostet.
Hast du eine Lieblingsstelle, die du uns gerne vorstellen würdest?
Oh, die hier mochte ich sehr. Wegen den Schafen!
Es war, als könnte Isaac endlich wieder atmen. Selbst der Druck auf seiner Brust, wenn er an Thomas dachte, hatte sich gelockert. Wahrscheinlich auch, weil er zu einer wichtigen Erkenntnis gekommen war: Er brauchte keine Beziehung mehr. Nicht mit Thomas und mit niemandem sonst. Sein Glück fand man in sich selbst, nicht in der Liebe.
Der Gedanke kam ihm, als er am Rande einer Klippe stand. Vor ihm breitete sich das wilde Meer aus. Der Wind trug den Geruch nach Salz und Freiheit mit sich. Hinter ihm mähte ein Schaf. In solchen Momenten wurden die großen Gedanken geboren, oder? Wenn sich die Welt so riesig anfühlte, dass für jede Möglichkeit und Entscheidung genügend Platz war.
Julius stand neben ihm und schwieg ebenso wie er.
Sie waren nur zu zweit, weil Walter das Stück die Klippen hoch nicht mehr laufen wollte, der alte Mann.
Ihre Blicke trafen sich. Julius’ Mähne wurde durch den Wind noch mehr zerzaust. Kein Lächeln auf den Lippen wirkte er in dem Moment trotzdem unheimlich schön.
Weißt du wie viel Mo tatsächlich in dir oder auch in dem ein oder anderen Charakter steckt?
Manche der Charaktere spiegeln Menschen aus ihrem Umfeld wieder. Besonders wichtig war es ihr, einen Protagonisten zu schreiben, der nicht schüchtern und super introvertiert ist, der aber trotzdem nicht immer die engste Verbindung zu seinen Gefühlen hat und sich auch nicht ganz sicher ist, was er will, obwohl er strukturiert und gefestigt wird.
Wie würdest du oder ihre Charaktere / Protagonisten / Antagonisten / Nebendarsteller die Autorin beschreiben?
Isaac: Ich empfand die Autorin als moderat und war sehr zufrieden damit, dass sie mir meine Eigenwilligkeiten gelassen hat. Warum ich der Hauptcharakter bin, verstehe ich allerdings nicht und war mir zuweilen etwas unangenehm, weil ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe und sie doch einige sehr intime Dinge über mein Leben preisgegeben hat.
Julius: Na ja, wäre ich der Hauptcharakter geworden, hätte jeder mitbekommen, was für ein emotionales Wrack ich die ganze Geschichte über gewesen bin. So kam ich wenigstens cool und witzig weg.
Buch: Apropos cool und witzig ... Wisst ihr ja, was ich faszinierend finde? Wie eine Autorin mit dem Humor einer Auster und der Coolness einer Wüste überhaupt jemand cool und witzig wirken lassen kann.
Julius: Vielleicht hat sie eine gute Beobachtungsgabe?
Buch und Isaac schauen skeptisch.
Wie seid ihr eigentlich zum Titel gekommen? Stand der schon im Vorfeld fest oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses verändert? Hattest du viel Mitspracherecht?
Oh, der Titel. Ich hieß früher "17:59, it's Guinness Time", aber das ist markenrechtlich natürlich nicht erlaubt. Als Arbeitstitel hatte ich "Zeit für ein Bier". Und dann sollte ich eine Zeit lang "Okay, cool" heißen. Schlussendlich wurde es aber "Die Zähmung eines widerspenstigen Herzens" als eine Referenz auf Shakespear, weil Isaac Brite ist und seine Katze nach einem Charakter aus Shakespear benannt hat. Nicht, dass es jemals erklärt werden würde ... ts.
Bist du zu 100% zufrieden mit deinem Cover / Outfit oder würdest du nachträglich gerne etwas ändern wollen?
Ich sehe fantastisch aus! Also, wow. Ich bin so hübsch! Alles an mir! Nicht nur von außen, sondern auch von innen. Mein Cover ist ja schon sehr nice, aber ich habe in mir neben dem Inhalt auch über dreißig Farbillustrationen! Also na ja, zumindest meine Printausgabe. Also ja, ich bin äußerlicher wie innerlich wundervoll!
Kannst du uns vielleicht auch schon verraten, ob die Autorin viele echte Plätze eingebaut hat oder ob die Orte im Buch der Fantasie entspringen?
Oh, so einige! Die Fischweiher sind die Fischweiher ihrer Kindheit, an denen sie jeden Tag verbracht hatte. Die Location der Hochzeit ist direkt im Nachbarort und so unheimlich wunderschön, dass sie selbst überlegt hatte, dort zu heiraten. Das Hostel in Leeds ... gibt es wirklich! Und sie war dort gewesen! Zum Glück kam sie mit allen Organen wieder zurück. In East Finchley lebt ihr Onkel und sie war selbst einmal für einen Monat in London und hat die Tour von Julius und Isaac gemacht. Auch in Brighton war sie mit Pisswetter.
Zum Abschluss würde mich noch dein Lieblingszitat aus dem Buch interessieren.
Liebte man den richtigen Menschen, so wuchs die Liebe. Sie war nicht starr wie ein Fels in der Brandung, aber auch nicht zart wie eine Blume, sondern wie kräftige Ranken, die sich an Felsen krallten, darüber hinauswuchsen und sich von heftigen Stürmen nicht entwurzeln ließen, sondern mit ihnen bewegten. Mit jedem gemeinsamen Moment wurde die Liebe etwas größer und jede Erschütterung sorgte nur dafür, dass die Wurzeln tiefer gingen, um für das nächste Mal gewappnet zu sein.
Die Leute, die an mir vorbeigehen, sehen mich schon komisch an, deshalb höre ich auf zu reden und lächle den Personen einfach zu. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, noch einmal kurz zum Buch »Danke, für deine Geduld und Antworten« zuzuflüstern.

Dann vertiefe ich mich wieder in das Buch.

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