Freitag, 8. September 2017

[Buchvorstellung einmal anders] Fahr zur Hölle von Anna Mattheo

Buchvorstellung einmal anders
Ich treffe mich heute mit der Autorin des Buches „Fahr zur Hölle“, Anna Mattheo.

Hallo, danke, dass du heute für dein Buch antwortest.
Es ist mir ein Vergnügen, meinen Roman vorstellen zu dürfen.

Beschreib uns doch bitte in max. 5 Sätzen, um was es in deinem Buch geht.
In diesem Roman geht es um die Suche nach Freiheit und Liebe, um die Flucht aus dem Alltäglichen und die Sehnsucht nach Befreiung des eigenen Ichs. Thomas Kornfeld, der Protagonist in diesem Roman, ist ein Zerrissener. Er flieht vor der Eintönigkeit seines Lebens und gerät in einen Strudel der Leidenschaft zu dem Callgirl Carin. Ihr Zusammensein ist geprägt von Hörigkeit, Sucht, Gewalt und Liebe, die beide schlussendlich in einen Abgrund führt. Am Anfang des Romans erdrücken Thomas seine Pflichten, am Ende kämpft er gegen sein Schicksal und überlässt es schließlich einem Gott, an den er in Wirklichkeit nicht glaubt.

Was ist denn deine Lieblingsstelle im Buch, welche du uns unbedingt vorstellen möchtest?
Nachdem ich das Wort Freiheit geschrieben habe, lehne ich mich zurück und schließe die Augen. Freiheit. Was bedeutet dieses Wort wirklich? Die Predigt vom letzten Sonntag kommt mir wieder in den Sinn. Vielleicht ist doch alles von einem Gott, oder wie immer man ein übermächtiges Wesen nennen will, vorherbestimmt. Aktion und Reaktion. In diesem Fall wäre ich für mein Tun nicht verantwortlich. So gerne ich das glauben möchte – es ist mir zu einfach. Alles Schicksal? Keiner hat Verantwortung? Nein, das glaube ich nicht.
Es war meine freie Entscheidung, Martha zu verlassen, es war auch meine Entscheidung, nicht auf den Tisch zu hauen und mir von ihr alles gefallen zu lassen, nur weil es bequem war. Natürlich hatte ich gute Gründe, den Weg A zu wählen und nicht den Weg B. Andererseits … Wenn es ein Vorleben vor diesem unserem Leben gibt, dann musste diese Entscheidung so sein. Es wäre vermessen zu glauben, dass der Mensch in der Lage ist, den Weltverlauf zu ändern. Und was ist mit dem Willen? Was nützt mir der Wille, Musiker sein zu wollen, wenn ich nicht die Fähigkeit dazu habe. Ich öffne die Augen, weil ich mich mit meinen Gedanken im Kreise drehe, und komme zu dem Schluss: Wir sind nur in dem Rahmen frei, wenn unser Wille auch das kann, was wir wollen. Ergo sind wir zumindest für große Entscheidungen, die unser Leben beeinflussen, nicht zuständig. Außer in der Fantasie, in den Gedanken … Nein, auch nicht, denn diese sind von Erziehung und Außenwelt beeinflusst. Ich kann philosophieren so viel ich will, ich fühle mich verantwortlich für das, was ich getan habe. Punkt.

Die Themen, welche du in deinem Buch ansprichst, werden oft in unserer Gesellschaft totgeschwiegen. Also warum diese interessanten Themen rund um Liebe, Hass, Zorn, Mitleid, Sucht und Gewalt?
Ich wähle gerne Themen, die mich und ich hoffe auch meine Leser nachdenklich stimmen, die in die Tiefe gehen. Ich suche die psychologischen Hintergründe meiner Protagonisten, urteile nicht, frage nach dem Warum. Warum wird ein Mensch süchtig, warum schuldig, warum greift er zu Gewalt, warum liebt er diese Person und keine andere.

Steckt auch etwas echte Anna in dem Buch oder in den Charakteren? Oder Erfahrungen, welche vielleicht auch verarbeitet wurden?
Ein wenig. Die Beschreibung von Martha und ihren Eltern, solche Leute/Charaktere kannte ich, auch die Pflichten des Alltags sind eine persönliche Erfahrung, sie erdrücken auch mich manchmal. Ich will auch nicht verhehlen, dass ich ein sehr freiheitsliebender Mensch bin und gerne philosophiere. Ansonsten stecken in diesem Buch nur Themen (Religion, Sucht, Gewalt, bis hin zum Mord), die ich hinterfragen wollte, die mich interessiert haben.

Was ist denn dein absolutes Lieblingszitat, welches dein Buch am besten beschreibt?
„Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie geliebt und nie gehasst.“ Marie von Ebner-Eschenbach

Leser sind immer auch etwas neugierig. Möchtest du dich auch noch etwas genauer vorstellen?
Schwierig … da bin ich jetzt unsicher. Was würde der Leser denn wissen wollen? Was mir das Schreiben bedeutet? Nach einem erfüllten Berufsleben bei SOS-Kinderdorf hat mir das Schreiben eine neue Welt geöffnet: Ich liebe es, ich habe Spaß dabei, ich freue mich, wenn ich andere Menschen unterhalten darf.
Als Anna Mattheo schreibe ich Thriller (wobei „Fahr zur Hölle“ eine Mischung aus Psycho-Drama und Thriller ist), dabei schlüpfe ich in eine andere Haut. Renate Lehnort (schreibt vorwiegend historische/gesellschaftliche/politische Bücher) ist gutmütig, herzlich, liebt die Menschen, obwohl es manchmal schwerfällt. Anna Mattheo kann so richtig fies und gemein sein. Aber für beide trifft zu: Ich recherchiere sehr genau, mir ist es wichtig, dass die Fakten, die ich schreibe, auch wirklich stimmen, sei es die Polizeiarbeit in einem Krimi, seien es die psychologischen Hintergründe oder die geschichtlich/politischen bei meinen historischen Büchern. Außerdem lege ich Wert auf einen guten Grafiker und einen Lektor/Korrektor, da beide meiner Meinung nach zu einem professionell gestalteten Buch gehören.


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