Sonntag, 21. Mai 2017

Gedichtsinterview mit Martin Ulmer

Herzlichen Dank, dass du dich zu diesem Interview bereitgestellt hast. Vor knapp einer Woche habe ich deinen Gedichtband „Das Wichtige“ vorablesen dürfen. Ich muss sagen, ich bin begeistert von diesem Buch. Deshalb möchte ich dich auch gerne zu deinen Gedichten interviewen, vielleicht Hintergründe herausfinden oder einfach nur über die Entstehungsgeschichte der Werke reden.
Hallo, sehr gerne. Ich freue mich über Dein Interesse. Schön, dass es Dir gefallen hat.

Wenn du dich mit nur drei Worten beschreiben dürftest, welche würdest du wählen?
Nachdenklich. Neugierig. Hinterfragend.

Mir ist aufgefallen, dass einige deiner Gedichte sehr zum Nachdenken anregen, ja teilweise auch das Leben kritisch hinterfragen. Ist das die Hauptreaktion, die du bei deinen Lesern auslösen möchtest?
In erster Linie geht es mir darum, die Leser zu erreichen und ihnen vielleicht auch eine Perspektive durch meine Zeilen zu geben. Worin das dann bei den Lesern mündet, darüber mache ich mir vorher keine Gedanken. Ich glaube, dass jede Reaktion besser ist als keine. Selbst wenn jemandem meine Gedichte überhaupt nicht gefallen, habe ich dennoch in diesem Moment etwas ausgelöst. Natürlich ist es für einen selbst viel schöner, wenn man Lob und Anerkennung für seine Zeilen erhält.

Ich habe einige Gedichte, welche mir besonders gut gefallen, weil sie einfach anders sind, oder gerade zur momentanen Situation passen, über diese möchte ich auch noch gerne mit dir sprechen.
Sehr gerne. Ich versuche, alles zu beantworten.

Zum einen ist da „Zunder“, gerade mit dem letzten Vers hast du mich überrascht. Hast du hier einen besonderen Auslöser gehabt, gerade diese Worte so zu wählen?

Ich weiß es nicht mehr so genau. Der Text war bis zum dritten Vers klar gegliedert und ich hatte beim Schreiben eine Vorahnung wie ich das Ende darstellen müsste, um ein „glattes“ Gedicht zu erhalten. Aber ich glaube, dass ich eben das zu diesem Zeitpunkt nicht wollte. Ich wollte am Ende des Gedichtes alles noch einmal umkehren und den „Sprecher“, der von Beginn an alles erklärte und definierte, in seiner eigenen Welt, durch seine eigene Erkenntnis gerichtet sehen. Das ist aber nur eine Variante der Interpretation.

Mich würde auch die Entstehungsgeschichte von „Weite“ interessieren, denn manche Wege oder Lösungsmöglichkeiten können ja ziemlich verworren sein, als dass man es gelassen sehen kann, zumindest in der auslösenden Situation.
Weite ist tatsächlich am Meer entstanden. Um genau zu sein am 7.6.2014 in Cuxhaven:
In drei Worten ging es mir dabei um „Glaube-Liebe-Hoffnung“ und das Wissen um die innere Zuversicht, dass sich alles zum Guten wenden mag. In diesem Text ist vieles eine reine Perspektiv-frage. Mit etwas Distanz können manche Situationen und Verhältnisse auch in einem anderen Licht erscheinen und den Umgang damit vereinfachen oder Alternativen sichtbar machen, die man innerhalb einer Situation nicht findet. Dies ist eines der Gedichte, die ich am liebsten jemandem an die Hand geben möchte, der oder die es vielleicht gerade in einer schwierigen Situation gebrauchen kann.

Wann kommen dir die Ideen für deine Gedichte, denn ein weiteres Gedicht „Nicht die Brandung“ umfasst das Leben auch wieder so aufbauend und allumfassend.
Die Idee selbst kam mir während eines Urlaubes auf einer kanarischen Insel. Vom Appartement aus konnte man die Brandung hören. Es war gegen Mittag und etwas wärmer. Ich schrieb die ersten Zeilen noch in ganz anderer Form. Sie lauteten da noch: „Sei der Fels in der Brandung“. Noch während ich das schrieb kam es mir schon zu platt und einfach vor und auch sehr austauschbar und nicht wirklich „neu“. Danach folgte: „Sei die Brandung am Felsen“. Kein Scherz. Aber dann kam das Meer irgendwie hinein und veränderte den ganzen Text und die Stimmung dort. In diesem Moment ging dann nicht mehr um etwas Einzelnes sondern, wie Du schon erzählt hast, um etwas Allumfassen-des. Das ist auch der Ton und die Stimmung, die ich hervorrufen wollte. Am Ende geht es um das eigene Sein in reiner Form. Um Gelassenheit und Präsenz, die in jedem, meiner Meinung nach, schlummert.   

Möchtest du uns noch verraten, welches Gedicht dich am besten widerspiegelt und warum es gerade dieses ist?
Ich schaue jetzt durch die einzelnen Gedichte, um Dir diese Frage zu beantworten. Sorry, wenn das jetzt sehr pathetisch klingt, aber ich finde da in jedem Text etwas von mir. Je nach Situation und Perspektive würde mich das ein oder andere mehr oder weniger widerspiegeln. Du merkst, dass ich das nicht eindeutig beantworten kann. Zu den Zeitpunkten, in denen ich die Texte schrieb, war ich emotional immer sehr nah an dem, was ich da beschreibe, auch wenn vielleicht keine real erlebten Situationen dahinter steckten. Sicherlich ist „SO ENDGÜLTIG“ sehr nah an mir dran. Diese Zeilen entstanden am Abend nach der Beerdigung meiner Großmutter. Den Text habe ich seitdem nur minimal geändert, so dass er meine Gefühlswelt zu diesem Zeitpunkt sehr deutlich beschreibt.

Eine Frage, die eigentlich das Gedicht „Das Wichtige“ schon löst, ist: Was ist das Wichtigste für dich?
Ein gutes Leben zu leben, aber das überrascht Dich jetzt bestimmt nicht. J Auch darauf gäbe es eine Liste von ganz vielen weiteren Aspekten oder Ansprüchen. Auf den Punkt gebracht: leben. Was man darunter versteht, da gehen die Meinungen vielleicht auseinander, aber im Kern ist es das für mich.

Ja, mit dieser Antwort hast du mich tatsächlich nicht überrascht, denn obwohl es vermutlich jeder mit anderen Worten beschreiben wird, kann auch ich es mit nur diesen Worten beantworten. Egal was passiert, welche Schläge man einstecken muss, deine letzten Zeilen in „Das Wichtige“ fassen es auf den Punkt zusammen. 


Willst du den Lesern dieses Interviews noch sagen, was deine Wünsche für die Zukunft sind?
Ich wünsche mir, dass euch meine Texte gefallen und ihr etwas daraus mitnehmen könnt. Auch wünsche ich mir, dass ich weiterhin Schreiben und Veröffentlichen werde, sowie Lesungen halten kann.


Danke für dieses Interview!

Nochmals Danke für dein Interesse und viele Grüße an deine Leser. 

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