Sonntag, 23. April 2017

[Protagonisteninterview] Vita von Felix A. Münter









Protagonisteninterview
Vita






[Ich warte gespannt im Hafengebiet von Blackwater auf meine Interviewpartner, schließlich taucht Autor Felix A. Münter auf.]

Hallo und herzlich willkommen, Felix. Ich freue mich dich heute zu diesem Interview begrüßen zu dürfen.
Freut mich ebenso, obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob das hier die beste Gegend für ein Interview ist. Zumindest in letzter Zeit geht es hier etwas … rauer zu. Es gibt in dieser Stadt eindeutig angenehmere Orte, aber hier ist es wohl auch authentischer. Vielleicht gehen wir einfach ein paar Schritte? Dann fallen wir nicht so auf…

Allerdings dachte ich auch deinen Hauptprotagonisten zu begegnen.
Rory … ich meine Mister McRoy hat später Zeit für uns. Seit dem Untergang der Glory hat er alle Hände voll zu tun. Fabriken stehen still, Arbeiter kämpfen um ihre Rechte und gehen in den Streik, Sabotage in den Fabriken. Eine ganze Menge Arbeit für einen Friedenshüter. Immerhin geht es ja darum, Blackwater am Laufen zu halten.

Wie kommen wir nun zu Friedenshüter Alexander McRoy?
Wir könnten laufen, aber das ist ein gutes Stück. Und es gibt Ecken in dieser Stadt, da ist man unbewaffnet besser nicht unterwegs. Was mich angeht, so bin ich nur mit Stift und Papier bewaffnet und dachte daher, wir fahren zu ihm. Ich habe mir daher die Freiheit genommen, einen Dampfwagen zu organisieren. Völlig ungefährlich! Er wartet dort vorn auf uns.

[Wir besteigen einen ganz speziellen Wagen.]

Ich kann den Wagen gar nicht beschreiben. Kannst du ihn unseren Lesern beschreiben? 
Das hier ist ein Dampfwagen. Wie eine Kutsche, nur eben ohne Pferde. Die Energie zur Fortbewegung wird mittels einer Dampfmaschine erzeugt, die von Vita angetrieben wird. Ein richtiges Kraftpaket! Und auch sauber. Vita verbrennt rückstandsfrei und geruchlos. Ganz anders als die Maschinen, die von Kohle angetrieben werden. Man kann bequem reisen, die Maschine ist nicht so laut, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Das hier ist nur eine der Segnungen der Moderne, die Blackwater Vita zu verdanken hat. 

[Beim Haus von Alexander McRoy angekommen, stehen wir vor verschlossenen Türen.]

Wie kommen wir jetzt hinein? 
Sowas. Er hatte mir den Termin zugesagt. Entweder, er ist in Whitehall aufgehalten worden oder er hat es vergessen. Aber keine Sorge, ich bin vorbereitet. Ein Kollege von ihm hat mir einmal gezeigt, wie man diese Tür hier aufbekommt. Das ist einfacher als gedacht, wenn man es erstmal verstanden hat. Dieser Kollege war wohl schon ein paar Mal gezwungen, sich so Zutritt zu verschaffen. Einen Moment, ich… [fachkundiges Knacken des Schlosses] So. Doch nichts verlernt. Vielleicht gehe ich vor und stelle sicher, dass Mister McRoy uns nicht für Einbrecher hält? Warten Sie vielleicht doch besser einen kurzen Moment hier. [Der Autor verschwindet im dunklen Flur und tritt durch eine Tür am Ende des Ganges. Sanfte, klassische Musik tönt aus jener Richtung. Die Tür schließt sich und leise Stimmen sind zu vernehmen. Nach einiger Zeit kommt der Autor zurück]. Sie müssen entschuldigen, Mister McRoy hatte einen langen Tag. Aber er hat jetzt Zeit. Stellen Sie nur alle Fragen, ich halte mich im Hintergrund. [Zurück in ein großes Wohnzimmer, in dem ein bemerkenswertes Chaos herrscht: Aktenstapel, aufgeschlagene Bücher, halbleere Flaschen, auseinandergebaute Waffen und überquellende Aschenbecher. An der Wand ein großes Portrait eines jungen Offiziers in Uniform, darunter drei Orden hinter Glas. Der Mann, der im Wohnzimmer auf der Couch wartet, ist viel Älter als auf dem Gemälde, das steife Bein ausgestreckt]

Freut mich Sie kennenzulernen, Friedenshüter McRoy! Wie geht es ihnen?
Den Umständen entsprechend gut, Danke. Mein Bein macht mir heute etwas zu schaffen, aber das ist nichts, was ich nicht in den Griff bekommen könnte. Entschuldigen Sie bitte, wie es hier aussieht. Ich sollte mir wohl mal eine Haushälterin suchen. 

Was hat es mit ihrer Berufsbezeichung Friedenshüter auf sich? Was kann man sich darunter vorstellen?
Keine Gesellschaft kann ohne Gesetze funktionieren. Je mehr Menschen es an einem Fleck gibt, umso wichtiger ist die Ordnung. Es ist meine Aufgabe Recht und Gesetz in dieser Stadt durchzusetzen. Wir Friedenshüter sind Ermittler, Richter und Henker in einer Person. Das beschreibt es am besten.   

Dann ist ihre Aufgabe gerade jetzt eine sehr wichtige, oder? Ich habe beim Herfahren sehr viele Aufstände und Proteste gesehen. Warum herrscht ein solcher Aufruhr?
Die Glory, ein Frachter mit der Jahresproduktion an Vita, ist mit Mann und Maus in einem Sturm gesunken, wie die Zeitungen berichten. Das Problem ist, dass Vita das Lebenselixier dieser Stadt ist, verstehen sie? Die Fabriken, die Maschinen, der Strom: Alles ist ohne Vita nicht möglich. Sie können sich also vorstellen, dass gerade alle besonders nervös sind. Der Arbeiter, weil er fürchtet, dass seine Fabrik schließen muss; der Wirt, weil er fürchtet, dass ihm die Gäste ausblieben und der Fabrikbesitzer fürchtete um seinen Profit. Und das in einer Zeit, in der wir schon genug Probleme haben. Vita hat das Leben des einfachen Arbeiters nicht besser gemacht. Mancherorts schuften die Männer für Hungerlöhne, werden ausgebeutet. Und dann gehen sie auf die Straße. Eine … explosive Mischung, wenn Sie verstehen.     

Immer wieder begegnet mir der Begriff Vita. Im Titel des Buches, egal wo man hinschaut, überall Vita. Was kann ich bzw. der Leser sich darunter vorstellen?
Wenn ich das Geheimnis wüsste, dann wäre ich wohl ein gemachter Mann. Vita ist eine geleeartige, klare Flüssigkeit, die vor fast zwei Jahrzehnten von Hartford&Barnaby eingeführt wurde. Wo dieser Wunderstoff herkommt, weiß keiner genau. Sie schaffen ihn über das Meer, vom Nachbarkontinent, aber sie halten geheim, wie er entsteht. Sicher ist, dass Vita viel leistungsfähiger als alles ist, was wir bisher kannten. Und viel sauberer. Es handelt sich um den Schmierstoff dieser großen Maschine Namens Blackwater. Es ist, das kann man wohl ohne Umschweife sagen, die Zukunft, eine Erfindung, die vieles von dem, was sie gesehen haben – Dampfwagen, Fabriken, stählerne Schiffe und Licht – erst ermöglicht hat. 

Nun zur letzten Frage für heute: Was sind eure Wünsche für Blackwater oder für euch selbst und eure Zukunft?
Frieden. Und nicht nur Recht, sondern auch Gerechtigkeit. Es wäre schön, wenn das die Maxime der Friedenshüter wäre. Aber das bleibt wohl ein Traum.


Herzlichen Dank für dieses sehr interessante Interview!

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