Samstag, 25. März 2017

[Protagonisteninterview] The wild hunt von M.H.Steinmetz

[Wir sitzen hier gemütlich auf der Terrasse des Atchafalaya Rose in der Gegend von Butte la Rose. Bei mit befinden sich Mason Astley, Eric, Nina, die Familie Lafayette und M.H.Steinmetz. Die Abendsonne funkelt auf dem Atchafalaya River.]

Hallo und herzlich willkommen zum Interview. Ich freue mich wirklich sehr, dass du, lieber Mario, Zeit hattest zum Interview vorbeizukommen.

Mario (legt die Speisekarte zur Seite, setzt die Sonnenbrille ab und lächelt): War nicht gerade einfach mit der langen Anreise. Aber wieder hier zu sein, weckt alte Erinnerungen an schwüle Sommertage in Butte la Rose. Erinnerungen, die mich dazu inspiriert haben, eine Geschichte zu schreiben. Und ich werde wieder das hervorragende Gumbo essen … Ehrlich, Sie sollten es auch probieren!

Wie ich sehe, hast du auch einige deiner Protagonisten mitgebracht. Willst du sie uns nicht vorstellen? Oder besser stellt euch selbst vor mit drei Worten.

Die Bedienung, eine große, attraktive Frau, tritt derweil an den Tisch, um die Bestellungen aufzunehmen.

Mario (lacht und nippt an seinem JD mit Eis): Das überlasse ich meinen Freunden lieber selbst. (blickt die Bedienung an) Ich nehme das Gumbo und einen Jack Daniels mit viel Eis.
Eric (zwinkert Nina zu): Ich komme eigentlich aus Deutschland und arbeite mit Nina's Firma zusammen an einem großen Projekt als Ingenieur.  Für mich bitte ebenfalls das Gumbo und'n Root Beer.
Nina: Im übertragenen Sinn bin ich Erics Vorgesetzte (kichert). Nicht einfach für eine Frau. Ich mag vielleicht dünn sein und nicht besonders groß, aber ich habe verdammt spitze Ellbogen … Gumbo, der alten Zeiten willen. Und einen Eistee.
Mason: Ich arbeite als Reporter bei einer namhaften Tageszeitung. Das ist es, was ich tue. Mit Leib und Seele. (Er kramt sich umständlich eine Zigarette aus einer zerdrückten Packung und sieht in die Runde) Ja, ich weiß, verdammt, sollte es mir abgewöhnen … für mich bitte nen Kaffee, mehr brauch ich nicht.
Poebe Lafayette: Wir Lafayettes leben schon seit Generationen in diesem Land. Es ist archaisch, in den Sümpfen zu leben, es ist hart, aber zugleich auch wunderschön. Hier wirst du zu einem Teil der Natur, kannst Mutter Erde nah sein. Wir sehen uns als Bewahrer der Wälder, deswegen sind wir hier. Ich denke, mein Mann Chander und meine Tocher Yuna sind da einer Meinung mit mir (zustimmendes Nicken der Beiden) … einen Salat, Süße …
Yuna: Gumbo und … hm … ein kaltes Alligator Beer.
Chander (lächelt): Steak, blutig … und diesen trockenen, französischen Rotwein bitte.

Interessant, was man da so alles erfährt.
Lafayette? Moment, dieser Name sagt mir doch etwas! Mario, warum hast du ausgerechnet dieses Adelsgeschlecht gewählt?
Mario: Ich bin das erste Mal auf den Namen aufmerksam geworden, als ich in Louisiana unterwegs war und an der Stadt Lafayette vorbei kam. Louisiana ist französisch geprägt. Besiedelt wurde es durch die Arkadians, das waren französische Einwanderer, die in Kanada ihr Glück versuchten, dort scheiterten und dann nach Louisiana gingen. Dort wurde der Marquis de Lafayette zu einer Schlüsselfigur. Er war schon früh ein glühender Verfechter der Freiheit aller Menschen. Selbst adlig, kämpfte er dennoch auf Seiten der Liberté während der französischen Revolution. Als diese sich radikalisierte, ging er nach Amerika und schloss sich Washington an. Ich könnte viele Seiten mit dieser faszinierenden Persönlichkeit füllen.

Und warum lässt sich ein Marquis de Lafayette ausgerechnet hier im Nirgendwo nieder?
Chander (räuspert sich, sieht kurz zu seiner Frau, die ihm aufmunternd zunickt): Das erzähle ich am besten selbst. Wir haben für Washington unser Blut im Krieg gegen die Engländer gegeben und ihm zum Sieg verholfen. Als Amerika unabhängig war, zeigte er seine Dankbarkeit mit der Überschreibung dieses Stück Lands an meine Familie. Es war Ehre und Herausforderung zugleich, denn Louisiana war zu dieser Zeit ein sehr wildes, ursprüngliches Land. Also bauten wir das Fort und begannen mit der Ansiedlung von Familien, die sich dieser Herausforderung stellten.
Poebe (spielt mit einer langen, kastanienbraunen Strähne): Ich wusste sofort, dass dieses Land etwas Besonderes ist. Es hat mich und Chander zusammengeführt und uns gelehrt, im Einklang mit der Natur zu leben. Mit allem, was die Sümpfe zu bieten haben. Das war nicht immer einfach und wir mussten sogar für viele Jahre unserem Land den Rücken kehren, aber letztendlich konnte sich immer das starke Blut der Familie durchsetzen.
Chander: Gegen alle Neider … (nickt und nippt an seinem Rotwein)

Neider? Also war doch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen?
Chander: Anfangs war es eine harte Zeit, bis sich alles gefestigt hatte. Zwischen den Familienclans wurde viel Blut vergossen. Sie kennen das bestimmt, Auge und Auge, Zahn um Zahn und Blut für Blut. Deswegen mussten wir nach Frankreich fliehen. Dort lernten wir, dass man durch Weglaufen keine Probleme aus der Welt schaffen kann. Also gingen wir wieder nach Atchafalaya zurück und stellten uns unserem erbittertsten Feind.

Nun zu euch Mason, Eric und Nina, was führt euch in diese verlassene Gegend?
Die Bedienung stellt die Teller auf den Tisch ...
Eric (zwinkert Nina zu): Wow, das Gumbo sieht ja noch besser aus, als das letzte Mal. Lasst es euch schmecken … Und wenn ich den Anfang machen darf. Wir sind hier, weil wir das sagenhafte Gumbo im Atchafalaya Rose genießen wollen. Also Nina und ich. Und … (er räuspert sich verlegen) … um uns besser kennenzulernen. Dann hatte ich die dumme Idee, den Sumpf zu erkunden ...
Nina (nimmt sich Besteck und zieht den Teller zu sich heran): Hätte es nicht besser ausdrücken können. Allerdings bin ich bei solchen Abenteuern immer recht skeptisch, denn man weiß ja nie, was einen in den Sümpfen erwartet. Da gibt es ne Menge Geschichten. Und was Erics Sumpftour betrifft, nun, die hat uns am Ende zu dem gemacht, was wir heute sind ...
Mason (schüttet sich ne Menge Zucker in den Kaffee, rührt um): Ist bei mir ne rein berufliche Sache, denn wer will schon freiwillig in diese verdammten, moskitovereuchten Sümpfe. Ich will groß rauskommen, die Story meines Lebens abliefern. Da kommen mir diese Hillbillys in den Wäldern gerade recht. (zögert, nippt an seinem Kaffee und denkt einige Sekunden nach)

Um das Interview nicht zu lange werden zu lassen, habe ich noch eine Frage. Was ist bitte ein Rougarou und warum haben sogar die Chitimacha-Indianer davor Angst?
Yuna (isst, während sie erzählt): Dazu muss ich jetzt mal was sagen, einfach, weil ich mich schuldig an ihrem Niedergang fühle. Die Chitimacha bewohnen schon seit Urzeiten das Mississippi Delta. Wir Lafayettes sind ja im Herzen Franzosen und die waren nicht immer nett zu den Ureinwohnern. (schiebt ihren Teller beiseite, trinkt und nickt anerkennend) Wow, das war wirklich lecker … Also, wo war ich gleich. Ach ja ...Erst das Blut hat uns zusammengeführt. Von ihnen erfuhren wir von der Sage um den Rougarou. Er lebt die meiste Zeit unauffällig unter uns, geht seinen Tätigkeiten nach wie normale Menschen auch. Doch wenn der Vollmond am Himmel steht, zieht ihn das Blut in die Wälder, wo er sich in ein Monster verwandelt, halb Mensch, halb Wolf. Dann sucht er sich die arglosen Wanderer, um ihnen das Fleisch von den Knochen zu nagen. Das ist aber noch nicht alles. Wenn du gebissen wirst, bleiben dir 101 Tage Zeit, um den Fluch zu lösen. Gelingt dir das nicht, wirst du beim nächsten Vollmond zum Rougarou.

Also ist der Rougarou so etwas wie ein Werwolf?
Yuna: Du meinst, wie der Loup Garou in Frankreich? Für euch mag das so sein. Für uns verkörpert er die Seele Louisianas. Und das Herz. Mindestens … Durch ihn erfuhren wir, was es bedeutet, hier zu leben. Ich
Poebe (legt ihrer Tochter eine Hand auf den Arm): Es reicht, Yuna. Ich möchte nicht, dass du dich in Rage redest, denn du weißt was dann geschieht, nicht wahr?
Yuna: Aber Mum, es ist die Botschaft des Blutes. Wir müssen sie in die Welt …
Chander (wischt sich den Mund ab): Hör auf deine Mutter. Wir haben schon zu viel gesagt. Das sind die Geschichten für die Menschen aus der Stadt.
Nina: Ich kann da ein anderes Lied von singen. Und, wenn du erlaubst, ich lebe in ner verdammt großen Stadt. Aber mal ne andere Frage. Dauert das hier noch lange, denn ich habe nen tierischen Hunger.

Und nun zur letzten Frage: Was wünscht ihr euch vom weiteren Leben? Welche Ziele und Wünsche habt ihr?
Chander: Die Zukunft unserer Familie liegt in den Händen unseres Sohnes Jaro. An ihm liegt es, unser Blut zu erhalten. Und die passende Frau dazu hat er auch schon gefunden, ein ganz außergewöhnliches Mädchen.  (Sein ernster Blick mustert die Anwesenden reihum)
Nina: Eric und ich, nun, ich könnte mir gut vorstellen, dass es was werden könnte. Jedenfalls leben wir jetzt in Baton Rouge. Was wir in den Sümpfen erlebt haben, hat uns auf ewig verbunden. Eric meint, wir sollten nach Europa gehen. (Sie lehnt sich mit verträumtem Blick zurück und sieht zum River, den Bäumen am gegenüberliegenden Ufer)
Eric (grubbelt nervös am Etikett seiner Root Beer Flasche): Ja, einfach, um Abstand zwischen uns und Butte la Rose zu bringen. Wegen dem, was dort vorgefallen ist.
Mason: Ich wünsche mir inzwischen gar nichts mehr (lacht)
Mario: Na ja, in meinem Kopf gibt es noch so viele Geschichten, die ich schreiben muss. Deswegen wünsche ich mir jede Menge Zeit und (lacht) einen geneigten Verleger(lächelt und denkt einen Augenblick nach) Und irgendwann ist meine Tochter alt genug, um sich an nem gemütlichen Abend meinen geistigen Abenteuern zu widmen. Ich bin mir sicher, sie wird ne Menge von mir selbst zwischen den Zeilen herauslesen können.


Herzlichen Dank für dieses sehr interessante Interview!

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