Sonntag, 26. März 2017

[Protagonisteninterview] Alice - Follow the white von Stephanie Kempin





Protagonisteninterview
Alice - Follow the white 
Stephanie Kempin





[Wir befinden uns im Dämmer-Spiegel-Land, inmitten einer wundervollen Landschaft. Alles ist ein wenig anders, als bei uns]

Hallo und herzlich willkommen zum Interview. Es freut mich wirklich außerordentlich, heute hier bei mir Alice, Chloe und Betty begrüßen zu dürfen.
Wie geht  es euch heute?

Chloe: Gut, danke. Oder, ihr beiden? [Alice und Betty nicken.]

Wie hast du, Betty, die Situation nach deinem Erwachen aufgenommen, als du registriert hast, wo du dich befindest? Wurde dir mitgeteilt, was alles in deiner Abwesenheit passierte?

Betty: Zuerst einmal war ich so dermaßen in Panik, dass ich sogar meine eigenen Fähigkeiten vergessen und wie eine Verrückte gegen den Sargdeckel gehämmert habe. Und dann musste ich erst einmal verstehen, dass ich tot bin. Alles nicht so einfach. Zoey hat mir dann gesagt, dass sie mich erschossen hat, die wusste noch nie, wann sie besser still ist. Und Alice und Chloe haben mir gesagt, dass ich gestorben bin, aber mehr wussten die beiden auch nicht. Die wichtigsten Antworten musste ich später aus Doktor Voight … herausholen.
  
Warum musstet ihr eigentlich in diesem Heim sein und hattet ihr eigentlich schon früher geplant diese Stätte zu verlassen?

Betty: Wir wollten schon die ganze Zeit unbedingt wieder da raus! [Ein paar Schneeflocken rieseln zu Boden.] Oh, tut mir leid. Aber der Schnee schmilzt gleich wieder.
Chloe: [Wirft Betty einen strengen Blick zu, muss dann aber selbst wegen der Schneeflocken grinsen.] Die Welt hat Angst vor uns, so einfach ist das. Immer noch. Deswegen werden wir Mutare in Internate  weggesperrt und sollen lernen, unsere Fähigkeiten zu unterdrücken. Wir haben schon im Alter von ungefähr 13 beschlossen, irgendwann wegzulaufen. Fast hätten wir es gar nicht mehr geschafft, weil wir ohnehin bald die Schule verlassen hätten.
Alice: Man soll in diesen Internaten eigentlich lernen, jemand anderes zu sein. Man kommt schon als Kind dorthin und dann versuchen sie im Grunde nur noch, einen umzukrempeln. Es ist gut, dass wir da rausgekommen sind.

[Auf einmal hoppelt ein Kaninchen vorbei und wird von den Dreien mehr oder weniger freudig begrüßt.]

Oh, herzlich willkommen in unserer kleinen Runde, Mister …. Kaninchen?

Ethan Bond [schaut Alice an]: Wer ist denn das schon wieder? [Wartet die Antwort aber nicht ab.]
Mein Name ist Ethan Bond und ich bin ein Spion Ihrer Majestät, der Königin der Spiegel! Ich muss doch sehr bitten! Und ohne mich wären die drei gar nicht hier!

Ok, ok, Mister Ethan Bond. Warum halfen sie unseren drei Mädels? Sie hätten sie ja auch dem ARO überlassen können und einfach so friedlich im Dämmer-Spiegel-Land weiter leben können.

Ethan Bond: Friedlich? Nein, friedlich war da gar nichts mehr. Nachdem die Seuche ausgebrochen war und diese Weißen Schatten überall herumgelaufen sind, war ein Heilmittel gegen die Seuche unsere einzige Chance, den Frieden wiederherzustellen! Also hat mich Ihre Majestät mit dem wichtigen Auftrag betraut, einen der beiden Schlüssel zum Märenland aus der dampfenden Welt zu holen, denn im Märenland würden wir das Heilmittel finden. Entsprechend verwundert war ich, dass Ihre Majestät schon aufgebrochen war, bevor ich zurückgekommen bin. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet, dass Lord Langfinger, ähm, Garreth Underwood, ihr den anderen Schlüssel bringt!
Alles drehte sich also um diesen Schlüssel. Und die drei Mädchen hier hatten ihn. Genau genommen habe ich also nicht ihnen geholfen, sondern dem Schlüssel. Dazu musste ich sie eben erst retten, das ließ sich nicht vermeiden.
Betty [schnaubt]: Na, vielen Dank auch.
Ethan Bond: Na, ist doch wahr! Da sagt mir mein Welten-Chronograf die ganze Zeit, dass ich mich unbedingt beeilen muss, und dann soll ich plötzlich noch drei ahnungslosen Zivilisten Fragen beantworten! Als hätten wir Zeit für so was!
Alice: So schlimm waren wir doch gar nicht. Und was hätten wir machen sollen, wir sind eben vorher noch nie durch einen Kaninchenbau in eine andere Welt gestürzt und haben ein Kaninchen mit Welten-Chronograf gesehen.

Können Sie mir bitte diese spezielle Uhr zeigen oder erklären, wie man sich das mit der Zeit vorzustellen hat. Die Zeit wird sich ja doch wohl nicht befehlen lassen, wie schnell……

Chloe: Psst! Auf Bemerkungen mit der Zeit reagiert unser Spionage-Hase nicht so gut. 
Ethan Bond [schaut hektisch auf die Uhr]: „Oh je, oh je. Noch mal Glück gehabt. Sie hat recht, Vorsicht mit der Zeit! Befehlen lässt die sich überhaupt nichts. Aber sie ist ein seltsames Ding und manchmal treibt sie ihre Späße mit einem. Deswegen muss man furchtbar aufpassen, was man über sie sagt.

Ich entschuldige mich für meine unbedachte Äußerung. Was machen wir jetzt? Es ist ja nicht jeder Untote, so wie du, Betty, oder?

Betty: Nein, gar nicht. Ich bin da eine Ausnahme von jeder Regel. Das ARO ist lange davon ausgegangen, dass sich Mutare wie ich gar nicht anstecken können, aber, nun ja, die Dosis, die sie mir und auch zwei weiteren Opfern ihrer Experimente gegeben haben, war wohl hoch genug. [Verzieht das Gesicht]
Es gibt schon große Unterschiede zwischen den Untoten in unserer Welt und den Seuchenopfern oder auch Weißen Schatten im Dämmer-Spiegel-Land.
Chloe: Es ist übrigens richtig toll, wenn man es plötzlich nicht mehr mit der Sorte Untote zu tun hat, die man kennt, sondern mit einer ganz anderen Art. Alles, was die gemeinsam haben, ist, dass sie gerne Gehirne verspeisen.
Alice: Können wir das mit den Gehirnen mal bitte lassen?
Betty: Ja, Kekse schmecken, ehrlich gesagt, auch besser. Chloe, wolltest du nicht noch zu Garreth? Der hat bestimmt auch Kekse.

[Wir eilen zu fünft weiter und treffen auf ein Haus. Heraus kommt Garreth. Er wird vorgestellt und wir dürfen das Haus betreten.]

 Herzlichen Dank, dass Sie uns heute Nacht aufnehmen. Darf ich fragen, wieso manche von euch beim ersten Mal so widerwillig in sein Haus gingen?

Ethan Bond: Das war ja überhaupt gar nicht seins damals!
Chloe: [Verdreht die Augen] Geht das schon wieder los, Ethan!
Garreth [lacht]: Tatsächlich, das war nicht mein Haus. Und unser Spionage-Hase hier konnte mich damals absolut nicht leiden. Er hatte mich im Verdacht, die Seuche gestohlen zu haben, und, was soll ich sagen, er hatte recht. Deswegen wollte ich auch unbedingt dabei helfen, diese ganze Sache wieder in Ordnung zu bringen.
Ethan Bond [nickt energisch]: Das war auch besser so!
Garreth: Du weißt doch ganz genau, dass ich keine Wahl hatte.
Ethan Bond: Hmpf.
Alice: Die Königin der Spiegel hätte ihn ja sonst wohl kaum begnadigt und ihm seinen Titel zurückgegeben, oder?
Ethan Bond: Wahrscheinlich. [Mustert Garreth einmal von oben bis unten] Man muss ja tatsächlich zugeben, dass die Königin der Dämmerung niemanden braucht, um furchtbare Dinge anzurichten.
Chloe: Siehst du. [Zwinkert Garreth zu]
Ethan Bond: Deswegen wollte ich damals jedenfalls nichts weniger, als auch noch mit ihm zu gehen.
Alice: Und was hätten Betty und ich damals denn machen sollen, drei Frauen, allein im Wald, und dann einfach einem fremden Mann in seine Hütte folgen? Das geht nun wirklich nicht. Wir wussten damals ja nicht einmal, wie er heißt, nur, dass Ethan Bond ihm nicht getraut hat. Und mit Chloe konnten wir uns leider nicht beraten, weil sie tot war.
Betty: Mir war seine Schall-Fähigkeit damals ganz schön unheimlich. In unserer Welt gibt es keine Mutare, die so etwas können. Ein wenig neidisch bin ich ja schon.
Chloe: Ich war ja, wie Alice schon gesagt hat, tot. Als ich aufgewacht bin, war unser Häschen weg und die beiden hier hatten sich hinter einer Mauer aus Eis verschanzt und ich hatte keinen Schimmer, wo überhaupt das Problem lag.
Garreth: Zum Glück haben sich die drei schnell entschieden, mir doch zu trauen. Das hätte ansonsten sehr kompliziert werden können.
Chloe: Du bist eben der vertrauenswürdigste Dieb, den wir kennen! [Alice und Betty nicken, Ethan Bond betrachtet interessiert seine Uhr, als hätte er mit der Sache nichts zu tun.]

Ok, das war ja mal eine Ansage von euch. Nun komme ich auch schon zu meiner letzten Frage: Wie würdet ihr euch in drei Wörtern beschreiben? Und was sind eure Wünsche für die Zukunft?

Betty: Das mit der Zukunft ist leicht. Dass wieder Ruhe einkehrt in den Welten und vor allem, dass die Mutare endlich ihren Frieden und ihre Freiheit haben. Ich in drei Worten ist schwieriger. Mmm, Alice würde wohl sagen, ich wäre ausgehungert …
Alice: Moment mal! Das habe ich nie behauptet!
Betty [lacht]: Würdest du dich auch gar nicht trauen, stimmt’s?
[Alice streckt ihr die Zunge heraus]
Betty: Also, nehmen wir mal ausgehungert. Das muss ja nicht nur auf Gehirne und Kekse zutreffen. Hmm, was noch? Galgenhumor könnte hinkommen, weil man ohne ja hier nicht überlebt … ich meine … ihr wisst schon.  Und widerstandsfähig, Schließlich war ich praktisch zu widerstandsfähig zum Sterben.
Chloe: Bei den Wünschen für die Zukunft kann ich mich Betty nur anschließen. Auch wenn ich dazu noch gerne meine Stiefmutter los wäre. Ansonsten: Energisch. Sonst hat man euch ja absolut nicht im Griff. [lächelt bei dem Satz aber] Und direkt. Und, ob ich will oder nicht, die Benimmexpertin dieser Bande hier. Abgesehen von Garreth vielleicht.
Betty: Es wirkt jetzt nicht so, als hättest du mit dem letzten Punkt Schwierigkeiten …
Chloe: Irgendjemand muss ja auch dafür sorgen, dass ihr eure gute Erziehung nicht völlig vergesst!
Alice: Die Gefahr besteht tatsächlich. Mit dem Vergessen. Vor allem bei Betty.
[Betty tut wenig überzeugend so, als wäre sie eingeschnappt]
Alice: Ist doch wahr. Meine Wünsche für die Zukunft sind im Grunde wie die von Betty und Chloe. Ich würde meinen älteren Bruder noch gerne wiedersehen. Und die drei Worte … Also, bei mir ist es wohl neugierig.
[Ethan Bond murmelt etwas]
Alice: Was?
Ethan Bond: Du hast eine fast schon beunruhigende Schwäche für Feuer.
Alice: Das hat sich so ergeben mit dem Feuer! Sagen wir mal, einfallsreich. Ich habe ja schließlich auch noch andere Ideen. Und außerdem mag ich es nicht, wenn jemand ungerecht behandelt wird, also sage ich jetzt insgesamt: Neugierig, einfallsreich, Gerechtigkeitssinn.
Garreth: Wenn im Dämmer-Spiegel-Land wieder Frieden einkehrt, würde mir das für die Zukunft tatsächlich reichen. Aber da sind wir auf einem guten Weg. Ich schätze, danach werde ich helfen, die nächste Welt zu retten, und hoffen, dass es uns gelingt. Und bevor ihr mir jetzt alles Mögliche andichtet: Anpassungsfähig, Überlebenskünstler …
Ethan Bond: Ein bisschen zu sehr von sich selbst überzeugt …
Chloe [mit einem Grinsen]: Jetzt warte mal, bis du dran bist, Ethan!
Garreth:  … freiheitsliebend. Das wohl tatsächlich auch.
Betty: Also, Ethan, wie war das, du bist unser Besserwisser hier …
Ethan Bond: Ich weiß es ja auch wirklich besser! Und ich muss unserem Lord Langfinger hier ausnahmsweise einmal recht geben: Sorgen wir erst für Ruhe hier in unserer Welt und danach kümmern wir uns um die dampfende Welt. Die schaffen das ja anscheinend nicht alleine. Und wenn ich jetzt mal selbst die Beschreibung übernehmen darf: Treffsicher, loyal, verschwiegen.
Alice [fängt an zu kichern]: Du bist das verschwiegenste Plappermaul, das ich kenne!
Betty: Das bist du auf jeden Fall. Also, ich würde sagen, zumindest wir hier haben eine Mission. Dabei wollte ich doch nie die Welt retten!
Chloe: Na, so ist das eben, manchmal müssen Dinge einfach getan werden und besser, man wartet dann nicht ab, bis sich jemand freiwillig meldet, sondern sieht zu, dass man es erledigt. Ich hoffe, wir können danach erzählen, wie wir die Welt gerettet haben.


Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen