Montag, 31. Oktober 2016

Halloween-Lesewoche bei life4books und Leseblick (Tag #8)


31.10.2016 - heute - bei Leseblick:
Same procedure as every year? Yes James! Wir wollen uns gruseln! Zeige uns in Form einer Kurzgeschichte, einem Prolog, einem Kapitel, einem Gedicht, einer gezeichneten Kurzgeschichte/Szene … welche schaurige künstlerische Schreibader in dir steckt!



Die Rache

Prolog

Richie und Tina bewegen sich auf gefährlichem Terrain. Warum? Nichts ist so wie es scheint, schon gar nicht in der Nacht vor Allerheiligen.

Eigentlich, so sei es gleich gesagt, sollten die zwei nur ins Kino fahren und dann wieder zurück nach Hause, doch es passierte so viel an diesem Tage vor 13 Jahren, dass es nicht möglich sein wird diese Ziele zu verwirklichen, denn sie wissen nichts von den Erlebnissen ihrer Eltern von vor 13 Jahren.

Vor 13 Jahren in der Schule

Der Alarm der Schule schrillt durch die Schule "Koma, Koma" ertönt es durch die Lautsprecher. Die Lehrer verschanzen sich mit ihren Schülern in den Klassen und verriegeln die Türen, denn das ist der Code für einen Amoklauf. Panisch richten sich alle Blicke auf die verschlossenen Türen und die Schritte die sie dahinter wahrnehmen. Ist es der Amokläufer oder nur ein Schüler oder Lehrer, der sich zu spät in Sicherheit brachte?

Niemand konnte sich das Grauen vorstellen, welches sich in einem anderen Zimmer abspielte, weit weg von den Lehrern und ihren verängstigten Schülern.

Der Direktor der Schule liegt in seinem eigenen Blut hinter seinem Schreibtisch und bewegt sich nicht mehr, aber der Brustkorb hebt sich noch flach. Die Mutter des Schülers, den alle in der Schule nur Nero nannten sitzt zusammengekauert in der Ecke, bei der schreckstarren Sozialarbeiterei, nur eine Lehrerin versucht Nero zu beruhigen.
"Nero, das nützt doch alles nichts. Gibt den Brieföffner her und stell dich der Polizei. Noch ist es nur Körperverletzung.", versucht Frau Kron ihn zu beruhigen. Doch, das macht ihn nur noch wütender und sticht noch einmal auf Direktor Fuchs ein.

Vor 30 Minuten vor 13 Jahren

"Kommen sie herein, Frau Ner. Wir haben heute leider einen sehr unangenehmen Fall mit ihnen zu besprechen. Frau Kron holt schon ihren Sohn aus der Klasse, denn es ist wichtig, dass er das gleich mitbekommt, welche Konsequenzen sein Handeln hat", sagt Herr Direktor Fuchs.
Kaum nahm Frau Ner Platz, kommt auch schon Nero und die Klassenlehrerin Frau Kron herein und setzen sich ebenfalls in die Runde. Diese besteht nicht nur aus Nero, Frau Ner, der Klassenlehrerin Kron und Direktor Fuchs, nein, auch die Sozialarbeiterin, welche die Familie Ner betreut, hat sich nicht gescheut heute dabei zu sein.
Kaum sitzen alle, beginnt auch schon das Aufzählen der Versäumnisse und Taten von Nero. "Also Frau Ner, so kann das mit ihrem Sohn nicht weitergehen", waren die Worte von Herrn Direktor Fuchs am Ende des Gesprächs, "denn so wie er jetzt ist, haben sie als Mutter versagt und haben einen schlechten Menschen aus ihm gemacht."
Rasend vor Wut springt Nero, wie von der Tarantel gestochen auf und geht auf Direktor Fuchs los. Zunächst nur mit Fäusten, schließlich aber doch mit dem Brieföffner, welcher auf dem Tisch liegt. So schnell es passiert ist, so schnell drückt Herr Fuchs noch mit letzter Kraft den Koma-Knopf, denn so wäre Nero wenigstens in der Direktion, zwar mit ihnen aber doch eingesperrt.

"Nero, gib endlich auf, die Polizei hat die Schule umstellt, jeder weiß, wo wir sind. Die Scharfschützen werden sich nicht scheuen dich auszuschalten", versucht Frau Kron noch einmal ihr Glück und endlich ließ Nero den Brieföffner fallen. Kaum war dies geschehen, ging alles ganz schnell. Nero wurde überwältigt und verhaftet, der Direktor knapp mit einem enormen Blutverlust ins Krankenhaus gebracht. Doch bevor Nero die Schule verließ, drehte er sich noch einmal um und schrie: "Wenn ich jemals aus dem Gefängnis herauskommen sollte, dann werde ich Rache an dem Verrat meiner Mutter nehmen!"

Wieder im hier und jetzt

"Tina, ich hole dich in 15 Minuten ab, denn ich habe das Auto von meinem Dad bekommen", teilte Richie strahlend am Telefon mit. "Echt? Ohne deinen Dad können wir heute endlich ausgehen? Das ist ja eine spitzen Sache. Bin gleich fertig", antwortete Tina. Sie strahlte über das ganze Gesicht, als ihre Mutter zur Türe hereinschaute, denn sie wollte noch einmal nach ihr sehen, bevor ihr einige Tochter  mit Richie ins Kino ging. Kopfschüttelnd verlässt die Mutter wieder das Zimmer.
Kurz darauf hopst Tina die Stufen ins Erdgeschoss herunter und verabschiedet sich mit einem fröhlichem: "Sehen uns später, Mom."
Draußen fiel sie sofort Ritchie um den Hals und los ging die wilde Fahrt. Ohne Probleme kamen sie beim Kino an, nur ein dunkler Kastenwagen überholte sie ziemlich waghalsig auf der recht kurvenreichen Straße.

Nachdem sie beim Kino ankamen, merkten sie nicht, wie ihnen ein dunkel gekleideter Mann heimlich ins Kino folgte, und sich ebenfalls den Film "Inferno" ansah.

Händereibend saß der Unbekannte drei Reihen hinter ihnen und erfreute sich über die Bildgewalt von Dantes Inferno und die Aufklärung des Falles durch Robert Langdon. Im Gedanken ging er seinen Plan immer und immer wieder durch. 10 Jahre intensive Planung schreiten heute der Vollendung entgegen.

Tina und Ritchie gehen nach dem Abenteuer mit Richard Langdon zum am hinteren Ende des Parkplatzes stehenden Auto. Den dunklen Kastenwagen der neben ihnen parkt schenken sie keinerlei Beachtung. Plötzlich durchzuckt ein stechender Schmerz Ritchies Kopf und nur noch ein dumpfes "Sch....", drang aus seinem Mund. Bevor Tina zu schreien beginnen kann, betäubt sie schon der Unbekannte und wirft sie gut gefesselt in den Ladebereich des schwarzen Kastenwagens.
"Der schwierigste Teil des Planes ist geschafft", sagt der Entführer zu sich selbst, steigt in den Wagen und fährt mit seiner kostbaren Fracht in die Dunkelheit hinein.

Gegen Mitternacht am selben Tag

Die Mutter von Tina tigert vor dem riesigen Panoramafenster im Wohnzimmer hin und her. Gefühlte tausend Mal hat sie bereits versucht ihre Tochter zu erreichen, doch Fehlanzeige, sie kommt immer gleich in die Sprachbox. "Wo ist sie nur?", rattert sie alle paar Sekunden herunter, denn das war so gar nicht die Art ihrer Tochter. Bisher hat sie sich immer gemeldet, wenn sie nicht im vorgeschriebenen Zeitfenster nach Hause kommen würde. Nun ist sie bereits fast eine Stunde überfällig. 

Auch der Vater von Ritchie ärgert sich gerade maßlos über seinen Sohn, denn er hat ihm das Auto geliehen unter der Auflage, dass er um 11 zu Hause ist, da er ab diesem Zeitpunkt selber benötigt, da er noch einmal in die Arbeit schauen möchte, da heute eine Speziallesenachtaktion zu Halloween in der Schule steigt. "Junge, wo bist du? Das ist doch gar nicht deine Art", sagte er sich auch immer wieder wie ein Mantra vor.

Währenddessen kommen in einem dunklen, feuchten Kellerraum Tina und Ritchie wieder zu Bewusstsein. Tina dreht sich einmal auf die Seite um auf ihren Wecker zu sehen, doch es geht keinen Millimeter, nur den Kopf kann sie ein paar Zentimeter bewegen. "So was dummes, wieso habe ich das Gefühl, als wäre ich eingepfercht?" sagte sie noch ganz entspannt, "scheinbar schlafe ich noch. Komischer Traum." Doch als sie ihr gegenüber Ritchie mit einer riesigen Platzwunde am Kopf, nackt und aufgeknüpft an einem eher mittelalterlich anmutenden Folterinstrument sieht, bemerkt sie, dass sie sich im hier und jetzt befindet und beginnt zu schreien und zu zetern.
Durch diesen Lärm wacht auch Ritchie auf und sieht Tina, zwar unverletzt aber ebenfalls nackt und in einem Schandmaulkäfig gesperrt. Entsetzt versucht er zu ihr zu kommen, zerrt verzweifelt an den Fesseln, muss allerdings sein bemühen bald beenden, denn außer schmerzende, blutende Handgelenke kann er davon nicht erhalten.

Ächzend flüstert er: "Tina, geht es dir gut? Weißt du was passiert ist? Warum sind wir in diesem Albtraum? Oder schlafen wir beide und träumen den gleichen Albtraum?" "Keine Ahnung was passiert ist, auf einmal wurde auf dem Parkplatz alles schwarz und wir sind hier aufgewacht. Was ist nur passiert? Aber wir werden das gemeinsam überstehen, oder Ritchie?", flüstert Tina mit schreckgeweiteten Augen.
"Ich höre ein Geräusch, da kommt wer! Vielleicht erfahren wir ja mehr. Vielleicht ist es ja nur ein blöder Streich zu Halloween", wispert Ritchie hoffnungsvoll.

Die Türe wird mit einem Riesenknall aufgestoßen und vor ihnen steht ein ca. 1,9m großer Hüne, tätowiert, muskelbepackt und kaltschnäuzig lächelnd. Er schlendert auf Tina zu, die sich allerdings nicht bewegen kann. Nur ihre Augen zeigen von ihrem Fluchtgedanken, denn sie zucken entsetzt hin und her. Da steht er nun vor ihr und besieht sie von oben bis unten, zu verstecken und zu bedecken gibt es ja nichts. Wenn sie etwas angehabt hätte, könnte man den Blick beschreiben mit „er zog sie mit seinen Augen aus“. Tina blieb nichts anderes übrig, als zurückzustarren und schließlich brachte sie den Mut auf und schrie: „Was wollen sie von uns? Was machen wir hier? Lassen sie uns nach Hause, wir haben ihnen nichts getan!“
Kopfschüttelnd dreht sich der Unbekannte um und betrachtet nun auch Ritchie von oben bis unten und beginnt zu lachen. Aber kein normales Lachen, nein, eines welches einem die Angstschauen über den Rücken rinnen lässt. Ohne ein Wort zu sagen geht der Hüne aus ihrem Gefängnis wieder hinaus, noch minutenlang hallt das boshafte, bösartige Lachen in dem Raum nach.

Am nächsten Tag

Die Mutter von Tina ruft schließlich, nachdem sie ihre Tochter noch immer nicht erreicht hat, die Polizei an und meldet Tina als vermisst. Da sie ein Formular unterschreiben muss dafür, bittet sie der diensthabende Polizeioberkommissar Haberlund in die Dienststelle zu kommen.
Schweren Herzens bricht sie auf und fährt in die Dienststelle.

„Frau Kron“, schallt es über den ganzen Parkplatz hinweg, „was machen sie denn da?“ Suchend dreht sich die Mutter von Tina, Frau Kron um die eigene Achse, um die ihr dunkel bekannte Stimme, einer Gestalt zuordnen zu können. „Herr Fuchs“, ächzt sie, als sie die dunkelhaarige, schlanke Gestalt als ihren ehemaligen Direktor erkennt, „was machen sie denn hier?“
„Ach, Frau Kron, mein Sohn Ritchie ist gestern am Abend nicht nach Hause gekommen, jetzt gebe ich eine Vermisstenanzeige auf und eine Diebstahlmeldung, denn auch mein Auto ist gestohlen worden. Oder mein Herr Sohn hat sich auf einen Roadtrip begeben. Was machen sie denn hier? Nach all den Jahren, die wir uns nach diesem schrecklichen Tag nicht mehr gesehen haben, treffen wir uns hier. Was führt sie in die Dienststelle?“
„Meine Tochter Tina ist gestern auch nicht nach Hause gekommen und nun braucht Herr Haberlund eine Unterschrift unter der Vermisstenanzeige. Komischer Zufall, was? Dass wir uns genau 13 Jahre später nach diesem schrecklichen Vorfall wieder treffen.“

Ganz weiß im Gesicht dreht sich nun Herr Fuchs zu Frau Kron um und sagt: „Ihre Tochter heißt Tina? Mein Sohn datet seit kurzem eine Tina. Allerdings habe ich ihn nie um den Nachnamen gefragt. Mir schwant nichts Gutes. Mir schwant nichts Gutes.“
Nun eilen die Zwei gemeinsam in die Dienststelle und verlangen Kriminaloberkommissar Haberlund zu sprechen.
Sie werden einen langen Gang hinuntergeführt in das Dienstzimmer des Herrn Kriminaloberkommissars. „Gruß Gott, Herr Fuchs, Frau Kron! Was kann ich für sie tun? Sind sie wegen der Vermisstenanzeige hier?“ „Jaja, sind wir“, spie ihm Herr Fuchs entgegen, „Aber vorher, könnten sie bitte für uns etwas überprüfen? Denn vor 13 Jahren gab es einen Vorfall in der Schule, wo wir gemeinsam tätig waren und dieser Jemand, der damals verhaftet wurde, weil er mich niederstach und die anderen, eigentlich die ganze Schule in Angst und Schrecken versetzte schwor uns ewige Rache.“
„Jetzt aber mal halblang, Herr Fuchs“, antwortete Kommissar Haberlund auf diesen Gesprächsschwall, „finden sie das nicht ein bisschen weit hergeholt? Das war ja immerhin 13 Jahre aus.“ 
„Egal“, mischt sich nun Frau Kron ein, „können sie bitte nachsehen in ihrer Datenbank, ob Nero noch im Gefängnis sitzt?“
„Nero? Was für ein komischer Name“, erwidert Oberkommissar Haberlund darauf.
„Ach, der hieß Gottfried Ner. Nero war nur sein Spitzname, jeder nannte ihn so, weil er ein hoffnungsloser Fall war“, sagte schließlich Herr Fuchs.

Nach kurzer Zeit, spuckte der Computer die Daten aus. Leise und mit Bedacht liest Haberlund vor: „Gottfried Ner, geboren am 15.Juni 1987, wurde am 30.10.2016, wegen guter Führung aus der Haftanstalt Stein entlassen.“
Zitternd bricht Frau Kron zusammen und auch Herr Fuchs sieht nicht viel besser aus. Ächzend spricht er aus, was Frau Kron sich nicht einmal zu denken wagt: „Unsere Kinder sind bei ihm und wir haben nichts davon gewusst, weder, dass sich unsere Wege wieder durch unsere Kinder kreuzen werden, noch dass Nero aus der Haft entlassen wurde. Niemals hätte ich die beiden alleine mit dem Auto ins Kino fahren lassen, hätte ich das gewusst.“
Während die beiden Elternteile sich weinend in den Armen liegen, beginnt Haberlunds Gehirn schon zu arbeiten.
„Wenn die beiden gestern gemeinsam im Kino waren, kann ich zu mindestens den Wagen schon einmal mit ziemlicher Sicherheit wieder finden. Ich werde mit einem Spurensicherungsteam dorthin fahren, vielleicht haben wir ja Glück und der Täter war unvorsichtig und hat uns Spuren hinterlassen“, denkt er laut nach. „Herr Fuchs, Frau Kron, ihnen kann ich nur empfehlen die Nerven nicht zu verlieren und zu Hause zu warten, vielleicht meldet er sich ja bei ihnen.“

Wie in Trance erheben sich die beiden und fahren nach Hause, nicht ohne vorher die Nummern ausgetauscht zu haben.

Vor dem Kino

Wie es Haberlund immer hasste Recht zu behalten. Aber da stand es tatsächlich, das Auto von Fuchs, die Spurensicherung konnte sogar noch eine blutige Eisenstange und ein Taschentuch mit Spurenrückständen von Chloroform finden. 
„Das sieht gar nicht gut aus“, sagt er zu sich selbst, „ich glaube, die Eltern der beiden liegen mit ihrer Vermutung sehr richtig, die beiden wurden entführt.“

Währenddessen im dunklen, feuchten Kellerraum

Tina konnte sich fast gar nicht mehr einkriegen, sie schüttelte ein Weinkrampf nach dem anderen durch. Außerdem war ihr fürchterlich kalt und ihre Gelenke und ihr eingesperrter Hals tat ihr entsetzlich weh, sie glaubte sogar fühlen zu können, dass sich ihre Haus langsam löste, da sie es ja doch nicht lassen kann, sich ab und zu ein wenig in ihrem Verlies umzusehen.
Auch Ritchie, erging es nicht besser, er hat furchtbare Kopfschmerzen und zudem Hunger und Durst. Seine Arme und Beine waren schon ganz taub und die Gelenke offen, weil auch er nicht aufhören kann zu probieren freizukommen.
Leise beginnen sie wieder miteinander zu reden, auch auf die Gefahr hin, dass sie belauscht werden oder sie dafür bestraft werden könnten.

„Ritchie, mir tut alles weh, mir ist kalt und ich will nach Hause.“ „Ach, Tina, meinst du mir geht es nicht genau gleich, aber mir kommt vor, je mehr ich versuche mich zu befreien, desto fester werden die Fesseln. Wenn ich mich noch mehr hin und her bewegen, geht bald gar nichts mehr, nicht einmal das Atmen.“ „Aber wir werden doch hier wieder rauskommen, oder? Ich will hier nicht in diesem Loch sterben.“ „Das weiß ich nicht, ob wir überleben oder nicht,  wird nur dieser unheimliche Typ von vorher wissen. Psst. Ich glaube er kommt wieder.“

Mit einem großen Krawall wird die Türe wieder aufgestoßen und dieses Mal kommt er wieder herein, nur dieses Mal ist etwas anders. Er hat eine Videokamera mit und er spricht mit einer dunklen, vollen Stimme. „So, da sind sie also, die Kinder meiner größten Feinde. Haha. Hab ich euch nach all den Jahren des Wartens endlich in meiner Gewalt!“
Fragend schauen sich Tina und Ritchie an, doch der Hüne spricht bereits weiter. „Ach, ihr wisst gar nichts davon? Von dem Vorfall in der Schule von vor  Jahren? Sprich Mädchen von Frau Kron!“
„Nein, was soll ich denn wissen?“, wimmert Tina und sieht angstvoll zu dem Riesen auf. Dieser lacht sein boshaftigstes Lachen und spricht mit Ritchie: „Und du, du Knabe des Fuchs? Keine Ahnung, warum du in dieser Situation steckst?“ Ritchies Fesseln waren mittlerweile so fest, dass er nicht mehr sprechen kann, also schüttelt er nur matt den Kopf.
„Ach, die Kinder meiner beiden Lehrer wissen also nichts von dem Rachefluch? Tapsen einfach so mal in meine Falle? Das ist ja eine Ironie des Schicksals“, lachte Nero und fuhr fort, „Also wenn ich mich vorstellen darf, ich bin Nero und ich bin derjenige, der euren Eltern zunächst das Fürchten lehrte und dann leider weggesperrt wurde, nur weil ich deinen Vater ein bisschen mit dem Brieföffner bearbeitet habe. Und deine Mutter, die brachte mich dazu nicht zu kämpfen und die Sache zu Ende zu bringen. Deshalb seid ihr da, um an ihres statt die Bestrafung und die Vollendung meiner Taten zu sehen.“ Wieder lachte er und baute seine Videokamera auf, nebenher erklärt er: „Da ich auch 13 Jahre in einem Gefängnis verbrachte, sei nun das hier euer Gefängnis, 13 lange Jahre sollt ihr hier unten verbringen, dann sollt ihr wieder frei sein.“
„Aber wie sollen wir denn 13 Jahre ohne Essen und Trinken überleben?“, erwiderte Tina entsetzt. „Das ist schon geregelt und wird durch meine besonderen Maschinen, in die ich euch gleich umbetten werde gesichert. Dann werde ich den Weg zu euch herunter zuschütten und erst dann in etlichen Jahren werdet ihr wieder in Freiheit leben können.“ Entsetzt blickte Tina zu Ritchie, dem das auch nicht zu gefallen schien.
„Aber wozu dann die Kamera? Wenn du uns sowieso hier unten verstecken willst“, fragte schließlich noch einmal Tina. „Ganz schön gesprächig heute, das Fräulein Kron. Aber bitte, das soll die Absicherung sein, dass ihr auch ganz sicher, so wie ich die 13 Jahre überlebt“, antwortet Nero darauf und arbeitet weiter an den technischen Sachen, welche er immer mehr hereinschleppt.
Mit angstgeweitetem Blick verfolgen Tina und Ritchie die Arbeiten in ihrem unterirdischen Verließ, welches in Kürze ihr Gefängnis werden sollte und wenn die Apparatur nicht funktionieren sollte ihr Grab.

Zur gleichen Zeit, etwas 5 Kilometer entfernt im Dienststellenzimmer Haberlunds

„Ja, Herr Fuchs. Ihr Auto wurde beim Kino unversehrt gefunden, nur der Schlüssel ist weg, ich hoffe sie haben einen Reserveschlüssel? Aha, verstehe. Nein, leider, kann ich ihnen noch nicht mehr sagen. Nein, natürlich will ich sie nicht hinhalten. Ich weiß im Moment genau so viel wie sie! Genau. Ach, übrigens, wegen einer DNA-Probe….. Das wäre prima, ja können sie mir die vorbeibringen?  In einer halben Stunde? Das ist gut, ich bin in meinem Arbeitszimmer. Bis später!“

Kaiser, der Assistent von Haberlund betritt das Zimmer und sieht zu seinem Chef. „Keinen Hinweis, wo sich dieser Nero verkrochen haben könnte. Er ist wie vom Erdboden verschluckt. Weg, futschikato, nix mehr da“, jammert Kaiser, „ich weiß nicht mehr wo ich noch nach ihm fahnden sollte, hier in der Stadt ist er auf jeden Fall nicht, Chef.“ „Ach Kaiser, was machen sie denn für Sachen? Bereiten sie mal das Auto für den Fuchs vor, der kommt bald vorbei und holt es sich ab.“

Das Telefon auf dem Schreibtisch Haberlunds schrillt und er hebt ab. „Haberlund, hallo!“ „Grüß Gott, Herr Kommissar! Ich habe gerade einen E-Mail-Link bekommen, in der Betreff steht DIE RACHE BEGINNT. Können sie sich das ansehen?“, schreit eine sehr aufgeregte Frau Kron in den Hörer, dass Haberlund den Hörer weiter weg halten muss, damit er nicht seine Hörfähigkeit verliert. „Klicken sie nichts an, kommen sie her, auch Herr Fuchs kommt in ca. 20 Minuten, dann sehen wir uns das mit unseren Sachverständigen gemeinsam an. Vielleicht können die uns sogar sagen, von wo das E-Mail gesendet wurde.“ Hastig beendet Frau Kron das Telefonat mit einem „Bis gleich“ und läuft schon Richtung Auto.

„Kaiser organisieren sie mir innerhalb der nächsten 15 Minuten irgendjemanden, der sich mit Computer auskennt. Zack, zack!“
Schon sieht man Kaiser zum Telefon eilen und alles organisieren.


Wieder im feuchten, dunklen Keller

„So, nun sind wir fast fertig. Kommt schon, das wird die entspannendste Zeit eures Lebens. Ihr müsst nichts tun, außer in dieser Kapsel liegen. Ihr bekommt, Luft, Essen, Trinken, Nährstoffe alles durch diesen Zugang. Eine Revolution. Wahnsinn. Wünscht ich könnte tauschen, aber nein, ich muss ja eure Eltern und deren Zerfall beobachten.“

Tina wehrt sich noch gegen die kräftigen Hände von Nero, doch dieser weiß ziemlich genau was er macht. Mit einem Handdruck sinkt sie bewusstlos in seine Arme und er kann ihr alle benötigten Apparaturen und Zugänge legen. Als Tina wieder erwacht, kann sie nicht mehr sprechen, sie liegt in einer aufrechtstehenden Kapsel, intubiert, Zugänge gelegt und den Blick starr auf das kleine rote Lämpchen der Kamera gerichtet.
Auch Ritchie ging es nicht besser, auch er befindet sich in einem ähnlichen Zustand in der Kapsel daneben. Nun können sie sich nicht einmal mehr sehen, war der letzte Gedanke, bevor er wieder in einen unruhigen Schlaf fiel.

„So, nun seid ihr soweit, die Maschinen laufen. Das Piepsen sagt euch immer, ob euer Schatz noch am Leben ist oder nicht. Solltet ihr nur mehr ein langgezogenes Piep hören, ist einer von euch tot. Aber wie gesagt, so weit kommt es nicht, dafür habe ich gesorgt. Also dann meine zwei hübschen, eine wundervolle Zeit und wir sehen uns in 13 Jahren. Achja, und immer mal wieder in die Kamera lächeln, wenn möglich, denn so kann Mami und Papi immer sehen, ob es euch gut geht.“ Gab er ihnen als letzte Erklärung, ging zur Tür und schritt hindurch. Dieses Mal sperrte er nicht ab, denn er weiß, dass er nun den Gang zu schüttet und erst in 13 Jahren wieder öffnen wird. Gedanken, dass die Technik nicht funktionieren wird, und seine zwei Opfer sterben können kommen ihm nicht, denn er ist ein Genie und die Luftversorgung und auch alles andere waren mit dieser Kapsel kein Problem.

Etwas später im Dienstzimmer Haberlunds

„Was haben wir denn da“, sprach Joe der Computerspezialist. Keiner weiß, ob das sein richtiger Name ist oder nicht. Keiner kennt seinen Nachnamen, er ist einfach nur Joe. „Der Standort, von wo die E-Mail versendet wurde ist im Nachbarort. Schauen wir uns einfach mal an, was kommt, wenn wir da jetzt draufdrücken“, redet Joe mehr mit sich als mit den Anderen.
Gespannt schauen Haberlund, Kaiser, Fuchs und Kron über seine Schulter und erstarren, ob dem Bild, welches sich im Bildschirm zeigt.
Zwei Kapseln, mit Ritchie und Tina darin, beide intubiert, mehr sehen sie nicht. Nur noch das Blatt, welches zwischen den Kapseln hängt. „Sucht mich nicht, ich komme zu euch, wenn die Zeit reif ist.“
Frau Kron bricht in sich zusammen, auch Herr Fuchs weiß nicht, wie er mit den Informationen umgehen soll, die er nun dank dem Bild vor sich hat. „Welche eine himmelhochjauchzende Sch…“, beginnt Haberlund zu schimpfen, fängt sich aber, als er wieder weiß, wer sich alles hier im Raum befindet, „was machen wir jetzt? Joe, eine Idee? Sagt dir der Code irgendetwas, wo sich die Kamera befindet?“
Joe schnauft, steht auf und sagt: „Ja, ich weiß es ungefähr. Ich kann das Signal zumindest eingrenzen. Kommt, wir dürfen keine Zeit verlieren.“

Im ersten Fahrzeug sitzen Haberlund, Joe, ein Polizeispürhund und dessen Hundeführer, im zweiten Kaiser, Fuchs und Kron. Nach 5 Kilometern fahrt bleiben sie mitten im Wald stehen. „Hier müsste es irgendwo sein“, erwidert Joe auf den fragenden Blick Haberlunds. „Na dann auf Rex und such die Vermissten!“, sagt der Hundeführer zu Rex. 
Dieser macht sich freudig sofort auf die Suche. Doch immer wieder kommt er zu diesem seltsamen Erdhaufen, der aussieht als hätten ihn bereits Menschen vor vielen hundert Jahren aufgeschüttet. Der Hundeführer weiß natürlich ob der guten Nase Rex und so fordern Haberlund und Kaiser sofort Unterstützung an, und ein bisschen im Wald zu graben.

Zwei Stunden später

Die Verstärkung hat tatsächlich einen Gang gefunden und gräbt immer weiter, doch die Arbeit ist nicht leicht, immer wieder brechen Teile des Ganges wieder ein und die Arbeit beginnt von vorne, einmal wird sogar ein Mann verschüttet, welcher sofort mit den Notarztwagen ins Krankenhaus geliefert wird. 
Nach weiteren zwei Stunden treffen sie auf eine Wegverzweigung, ein paar gehen nach links und kommen in den Keller eines Hauses. Eines sehr alten Hauses, es scheint sogar bewohnt, denn in einem Raum befinden sich Apparaturen, wo man Körpertemperatur, Atmung und den Nährstoffgehalt  ablesen kann.
„Chef, haben sie das gesehen, ich glaube, wir sind in das Haus von Nero gestolpert“, wispert Kaiser voller Ehrfurcht, als er die gesamte Dimension des Verbrechens auf einer riesigen Leinwand vor sich sieht. „Aber wo ist Nero?“ fragt Haberlund ganz laut und nachdenklich, „denn es sieht nicht so aus, als ob heute jemand hier gewesen sei.“
Auf einmal herrscht Aufruhr in den Gängen unterhalb des Hauses. Man hört Rufe, dass man einen Verschütteten gefunden habe und wenig später dann eine Metalltür.
Haberlund lässt es sich nicht nehmen und schreitet als erstes durch die Türe. Was er sieht, scheint unwirklich. Da stehen tatsächlich diese zwei Kapseln mit den Kindern und das Piepsen, welches gleichmäßig aus den Geräten kommt. Doch als Tina und Ritchie die Fremden im Raum sehen, gehen die Geräte viel schneller.
„Schnell, einen Notarzt und die Sanitäter. Die sollen sich um die zwei Lebenden kümmern und nicht um einen Toten“, schrie Haberlund nun. Wenig später traten die Ärzte durch die Tür und befreiten Tina und Ritchie aus ihrem Gefängnis.
Beide konnte nichts mehr sagen, zu sehr schmerzte im Moment der Hals, aber sie sahen Haberlund an und drückten ihm im Vorbeifahren dankbar die Hand.
Auch die Eltern der beiden konnten nicht anders, als einfach die Dankbarkeit gegenüber Haberlund, Kaiser und vor allem Joe mit einer kurzen und kräftigen Umarmung zu zeigen.

Drei Tage später

„So, nun erzählt mal, was in der Zeit eurer Entführung alles passiert ist“, spricht Haberlund, der trotz der raschen Aufklärung einen genauen Bericht darüber zu verfassen hatte.
Obwohl man sah, dass es beiden Tina, wie auch Ritchie nicht leicht viel über die unfassbaren Sachen zu sprechen, schluckten sie einmal, atmeten tief ein und begannen zu erzählen.

Lesestatistik:

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Gelesene Seiten am 29.10.2016:
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Insgesamt gelesene Seiten:
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Kommentare:

  1. Huch, war noch keiner hier? *umguck*
    Nun denn, also erstmal das Lob, du hast dir echt eine lange Story ausgedacht, auch der Aufbau mit der Zeit gefällt mir! :D

    Allerdings kam ich immer ins stocken, es wirkte nicht flüssig. Ich kenn leider keine anderen Geschichten von dir und weiß nicht,ob das dein Stil ist oder es schlichtweg an der Zeit lag?! Denn wenn man das jetzt alles überarbeitet und ausbaut, kann das ne richtig klasse Ekel-Gruselstorie werden :3

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    1. War mein aller aller erster Versuch eine Geschichte zu schreiben. Bin im überlegen ob ich noch weiterschreiben soll....... :)

      Freu mich, dass es trotz Mängel gefallen hat. ;)

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